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Der längste Blogeintrag der Welt?

Edit: Argh, hab aus Versehen den Uploadvorgang abgebrochen und jetzt hat er alle Absätze rausgenommen. Hab jetzt grad keine Zeit, das zu beheben. Mache ich morgen. Aber so ein Blocktext ist ja auch ganz nett. xD

Edit2: So, jetzt sollte es auch angenehm zu lesen sein. ^^ Und wem es noch nicht aufgefallen ist: Es gibt jetzt die Kategorie 'Bilder'!

Kinder, wie die Zeit vergeht. Wie lange habe ich jetzt nichts mehr geschrieben? Drei Monate oder so? Noch genau vier Wochen und ich bin schon wieder zu Hause. Wird auch verdammt nochmal Zeit! Meine Moral ist nach der Sache mit Japan ja Gott sei dank wieder gestiegen – mit näher rückendem Ende wird das Ganze sowieso etwas leichter – aber dass ich einfach genug habe ändert das nicht.
Wie sicher die meisten von euch wissen, hat sich meine Lernmotivation von der ganzen Sache bis heute nicht erholt und wird es wohl auch nicht mehr. Wenn ich drei Mal die Woche zur Schule gehe ist das schon eine gute Quote. Es liegt auch einfach daran, dass ich den chinesischen Lehrstil satt habe. Im Grunde dreht sich alles ums auswendig Lernen, wie schon zu Zeiten des Konfuzius. Und wenn ich mal ein oder zwei Tage fehle, habe ich irgendwie auch nichts großartig verpasst. Da fällt es natürlich umso schwerer, sich morgens zum Aufstehen zu motivieren. Im Grunde sitze ich meine Zeit hier also nur noch ab. Ist natürlich ein relativ angenehmes Absitzen, kann mir schon schlimmere Szenarien vorstellen.
So, kommen wir nun zum Geschäftlichen sozusagen.
Ich hab mittlerweile sechs Monate an Schulden abzuarbeiten; und ich habe vor das Ganze in einem Schwung zu erledigen. Den Genuss des folgenden Eintrags empfehle ich in Raten und nur unter ärztlicher Aufsicht, da er doch ziemlich lang ist.
Fangen wir also im Januar an, wie es sich gehört.
Die erste Woche waren Abschlussklausuren. Ich weiß bis heute nur das Ergebnis der Grammatikarbeit (83%, wäre ich nicht noch von Silvester übernächtigt gewesen wäre wohl mehr drin gewesen ^^).
In der ersten Ferienwoche war außer einer koreanischen Geburtstagsfeier nicht viel los. Tim hatte sich auch mal ein paar Salmonellen abgeholt und war die ganze Woche außer Gefecht. Den Rest der Ferien war er glaube ich kein einziges Mal mehr auswärts essen, so sehr hatte er den chinesischen Küchen danach misstraut.
Am Samstag, den 15. Januar war es dann soweit: Papa beehrte Kunming und mich mit seiner erlauchten Anwesenheit. Björn war schon am Donnerstag abgereist und hatte netterweise sein Zimmer zur Verfügung gestellt.
Natürlich war es fast die ganzen Zwei Wochen, in denen er hier war, schweinekalt und bewölkt. Aber das war uns egal, wir haben den Fernseher und die Playstation in mein Zimmer verfrachtet und immer schön geheizt, damit uns die Finger beim FIFA zocken nicht einfrieren – und wir haben viel gezockt in den 14 Tagen. Hatten ja auch einiges an Nachholbedarf.
Wenn wir mal nicht zu faul waren – oder uns das Weizen ausging - sind wir auch mal vor die Tür gegangen. Die ersten paar Tage sind wir hier und da herumgelaufen, haben uns die Uni angesehen, den See in der Nähe, einen Tempel. Auf der Suche nach jenem Tempel hatten wir zeitweise die Orientierung verloren, was aber gar nicht so schlecht war, da wir dadurch viele verschiedene Gesichter Kunmings entdeckten.
Donnerstag glaube ich waren wir dann mit Thomas im Minderheitendorf. Dort sind von allen 25 Minderheiten, die es in der Provinz Yunnan gibt, kleine Dörfer aufgebaut und die Leute laufen in traditioneller Kleidung rum, führen traditionelle Tänze auf, gehen traditionellem Handwerk nach. Die leben da natürlich nicht wirklich, das ist ihr Beruf. Allerdings gehören alle wirklich der jeweiligen Minderheit an. Das wurde z.B. deutlich, als Thomas bei einer Aufführung meinte, er verstehe kein Wort von dem Gesang, weil es im Dialekt der Minderheit war.
Es war einfach toll und wir hatten sogar Glück mit dem Wetter: kalt und teilweise windig, aber den ganzen Tag Sonne und blauer Himmel.
Erwähnte ich die schönen Frauen dort?
Samstag war ein bisschen shoppen angesagt, da wir am nächsten Tag zum Steinwald und in der darauffolgenden Woche nach Xi'an wollten, wo es nochmal ein gutes Stück kälter sein sollte. Also haben wir dicke Winterjacken (zwei zum Preis von einer, 35€ oder so :D), Handschuhe und Mützen gekauft.
Sonntagmorgen gings dann mit dem Zug zum Steinwald – Unesco Weltnaturerbe, falls ihr es nicht wusstet. War natürlich wieder bewölkt und morgens unfassbar kalt. Wurde aber im Laufe des Tages besser und sogar richtig angenehm von den Temperaturen her.
Tjoa, was kann man über den Steinwald sagen.
Ein relativ großes Gebiet mit den verschiedensten (teilweise unglaublichen) Karstformationen, die im Laufe der Jahrhunderte durch Wind, Wetter und Wasser geformt wurden. Auf jeden Fall sehenswert.
Abends sind wir dann mit einem Reisebus zurück nach Kunming und waren zur Feier meines Geburtstags noch essen. Simon und seine koreanische Freundin waren auch dabei und Cage hat etwas später auch noch vorbei geschaut.
Am Dienstag sind wir dann also nach Xi'an geflogen. Wir hatten uns extra in ein 4-Sterne-Hotel eingemietet, da wir absolut sicher gehen wollten, dass wir bei Temperaturen von 0 bis -8°C rund um die Uhr warmes Wasser und eine ordentliche Heizung haben. Die Zimmer waren denn auch ok, und für zwei Tage auch nicht zu teuer.
Achso, für diejenigen, denen der Name Xi'an so gar nichts sagt: schämt euch! :P
Xi'an ist die ehemalige Hauptstadt Chinas und kulturell mindestens genauso bedeutend wie Beijing. Also haben wir uns im Hotel einen Stadtplan besorgt und ab dafür.
Die kulturelle Bedeutung war auch kaum zu übersehen, denn die historische Innenstadt (was es in China selten genug gibt), ist umgeben von einer beeindruckenden, vollständig erhaltenen Stadtmauer. Ich würde euch gerne sagen, wie alt genau sie ist, aber leider habe ich es vergessen und Wikipedia streikt gerade. Jedenfalls ist sie insgesamt an die 14km lang. Wir haben uns dann nur die südlichen Haupteingänge angesehen und sind ein Stück auf der Mauer gelaufen, einmal drum herum hätte alleine einen ganzen Tag in Anspruch genommen. Gab auch Fahrräder und kleine Autos, aber das wäre ein kalter Spaß geworden.
Wir sind dann lieber die Nord-Süd-Hauptstraße entlanggelaufen, vorbei an riesigen Einkaufszentren, den Trommel- und Glockentürmen, den ganzen Weg bis zum Nordtor. Ich muss sagen, vom Flair her gefällt mir die Innenstadt Xi'ans sogar besser als Beijing. Ein fantastisches Beispiel der Koexistenz von Altem und Neuem. Interessant war allerdings zu sehen, dass sich unmittelbar neben all der Pracht auch kurz vor dem Zerfall stehende Häuser fanden.
Nach zwei Stunden spazieren, auch abseits der Hauptstraßen, war es dann dunkel und wir bekamen langsam Hunger. Wir landeten schließlich im historischen muslimischen Viertel, mit dem Glockenturm (oder Trommelturm? Weiß nicht mehr, welcher welcher ist) im Hintergrund. Ein grandioser Anblick bei Nacht!
Zum Essen sind wir dann schließlich im Pizza Hut eingekehrt. Ja, richtig gelesen, keine Xi'anschen Spezialitäten, sondern Pizza Hut. Und das ist in China 'serious business'. Ein Türsteher hat uns geöffnet, nach der Anzahl der Personen gefragt und dann in sein Headset gesprochen. Kurz darauf bedeutete er uns mit einer Gestik wie ein Kellner im Fünf-Sterne-Restaurant, in den zweiten Stock zu gehen. Dort wurden wir von einer Kellnerin empfangen und zu unserem Tisch geleitet. Wir entschieden uns für Kartoffelsuppe (gibt’s sowas bei uns im Pizza Hut auch?) und natürlich Pizza. Also, Pizza Hut ist in China etwas für gehobene Ansprüche, auch preislich in etwa auf westlichem Niveau.
Mittwoch Morgen machten wir uns dann auf zur Hauptattraktion, der Tonarmee des ersten Kaisers von China!
Vom Hauptbahnhof aus ging es mit dem Bus bestimmt eine Stunde lang Richtung Osten. Als wir ankamen dachte ich mir erstmal „Hier? Hier ist NICHTS!“. Kam mir aber wohl nur so vor, da im Winter natürlich relativ wenig los ist. Was da im Sommer abgehen muss lässt die extensive Souvenirshop- und Restaurantlandschaft erahnen: Ein Laden neben dem anderen, hunderte von Metern lang. Und alle verkaufen sie mehr oder weniger das Gleiche – was man in Xi'an selbst zudem viel billiger bekommt. Und natürlich wurden wir von nahezu jedem/jeder Verkäufer/in belabert. Aber da muss man durch. Sobald man dann die Tonkrieger vor Augen hat ist das sowieso egal. Es war toll, dieses Weltwunder endlich mal mit eigenen Augen zu sehen, anstatt immer nur im Fernsehen und auf Bildern. Und ich kann sagen, es ist beeindruckend. Keine Figur ist wie die andere, alle haben verschiedene Gesichter, Gestik, Mimik, Haltung, etc.
Aber fast noch erstaunlicher als die Figuren selbst ist die Unmenge an Arbeit, die die Archäologen noch vor sich haben. Insgesamt gibt es glaube ich ca. 10.000 Krieger und gerade mal so 2000-3000 wurden ausgegraben und wieder zusammen gesetzt. Und dieser Prozess ist eine Sisyphusarbeit sondergleichen. Es ist wirklich kaum zu beschreiben, aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte und deswegen werde ich da einfach eins hochladen.
Wie gesagt war nicht sehr viel los, dementsprechend angenehm war es, sich das ganze anzuschauen. Kein Gedränge, kein Lärm, nur gelegentliche Verkäufer. Und klirrende Kälte. Wir mussten uns immer wieder mit dem Fotografieren abwechseln, weil einem nach einer Weile einfach die Finger steif wurden und schmerzten.
Es hat bestimmt so drei Stunden gedauert, sich das alles anzugucken. Danach ging es wieder mit dem Bus Richtung Stadt.
Danach waren wir dann glaube ich in einigen der Einkaufszentren. Von den Dimensionen her in etwa mit dem Löhr-Center o.ä. vergleichbar, nur dass es davon gleich mehrere gab – teilweise auch unterirdisch!
Am Dönerstag haben wir uns dann noch die Große Wildganspagode und den umgebenden Park angesehen. Daraufhin sind wir dann nochmal in die Altstadt, Souvenirs kaufen. Einmal habe ich mit einem alten Muslimen gehandelt, war super lustig. Die Leute haben sich um uns gesammelt, so sehr ging das ab. Es wurde aber zu keinem Zeitpunkt aggressiv oder unhöflich und wir konnten uns schließlich auch einigen.
Als wir fertig eingekauft hatten mussten wir auch schon zurück zum Hotel und dann zum Flughafen.
Zurück in Kunming hatten wir denn auch schon nur noch den Freitag zusammen, am Samstag in der Früh' ging Papas Flug zurück. Natürlich haben wir die Nacht durchgemacht und nochmal ordentlich gezockt und Filme geguckt. :D
Ab Samstag war ich dann also wieder alleine. Bis auf Tim, aber der gammelte ja sowieso immer nur in seinem Zimmer herum.
Eigentlich wäre ein paar Tage später auch schon das nächste Highlight angestanden. Ich wollte mit Thomas und Cage das chinesische Neujahr über zum heiligen Berg Emei. Am Dienstag hätte es losgehen sollen und die Zugtickets waren auch schon gekauft. Aber leider bin ich Sonntags krank geworden mit Fieber und Erkältung. Letztere sollte sich fast bis zum Ende der Ferien hinziehen. Damit fiel dieser Trip dann also ins Wasser, was ich heute immer noch sehr schade finde.
Bis auf das chinesische Neujahr, an dem in Kunming bis auf ständige (größtenteils private) Feuerwerke nicht viel los war, gab es für mich den Rest der Ferien über also nicht wirklich viel zu tun. Ürsprünglich hatte ich ja noch überlegt nach Japan zu fliegen, dass dann aber aufgrund der Reise zum Emei-Berg auf Sommer verschoben – dann kam Fukushima...aber die Story kennen wir ja schon.
Die letzten zwei Ferienwochen wurde es dann schon wieder richtig sonnig und warm. Ich hatte immer wieder überlegt Tagesausflüge zu unternehmen, war dann aber letztendlich zu faul. Jetzt bereue ich es natürlich, denn ich würde mir gerne noch den ein oder anderen Tempel ansehen, aber momentan ist Regenzeit. :/
So, damit wären wir dann also im neuen Semester angelangt.
Tim ist im Laufe des März ausgezogen. Somit waren Björn und ich also wieder allein – wenn man seine Freundin nicht mitrechnet. Erwähnte ich die schonmal? Chinesin. Hat ihn irgendwann mal in Kundu aufgegabelt. Fürchterliche Person. Gott sei dank lässt die sich in letzter Zeit selten hier blicken. Genug gesagt. ^^
In der Schule hab ich eine Stufe übersprungen, weil es mir zu leicht war – und die Grammatiklehrerin ein Albtraum. Bei der braucht man vier Hefte (weiß schon nicht mehr für was alles), jede Stunde gibt’s ein Diktat und Lektionstexte müssen auswendig aufgesagt werden können. Und von einem Kollegen hab ich später noch gehört, dass man bei Fehlverhalten in die Ecke gestellt wird...also bitte, wo sind wir denn hier?
Mein jetziger Grammatiklehrer passt da viel besser zu mir. In der dritten Stunde bei ihm meinte er „also wenn ihr Durst habt, könnt ihr trinken; wenn ihr hungrig seid, könnt ihr essen; wenn ihr müde seid, könnt ihr schlafen; aber bitte nicht telefonieren im Unterricht!“ So lob' ich mir das doch!
Hörverständnis habe ich zum Glück nicht mehr, die Tingshuo-Lehrerin (听说,wörtl. 'Hörensagen', keine Ahnung wie man es übersetzen soll) geht mir dafür mittlerweile aber mächtig auf den Senkel mit ihrer penetranten Stimme und ihrem ständigen „ein bisschen schneller!“.
Die Leseverständnislehrerin, ich würde sie mal auf Mitte 60 schätzen, ist dafür umso angenehmer.
Mitschüler habe ich auch einige neue. Darunter sind drei Mädels aus Deutschland, wobei eine Thailänderin ist und die letzten neun Jahre in Deutschland gelebt hat. Denen musste ich direkt mal beim Einrichten des Internets helfen, da sie einige Probleme damit hatten. Es hat sich am Ende herausgestellt, dass einfach die Kabel an Modem und Router falsch eingesteckt waren, Begründung: „Ja wir haben das einfach mal so eingesteckt wie wir dachten, dass es richtig ist“ - typisch!
Auch in meiner Klasse ist ein älterer japanischer Herr, mit dem ich mich ab und zu mal auf japanisch unterhalte...oder es zumindest versuche. Schon bitter, jetzt hat sich mein Chinesisch stark verbessert, dafür leidet mein Japanisch darunter.
Chris ist jetzt auch in meiner Klasse. Aber meistens ist entweder er nicht da, oder ich. :D Aber wir spielen ja immer noch zusammen Fußball und gehen nach Kundu, von daher sehen wir uns oft genug.
Dann ist da noch Ercan (sprich: Ertschan, nicht Erkan), ein Österreicher türkischer Abstammung. Der ist zwar nicht in meiner Klasse, aber ich versteh mich sehr gut mit ihm. Gehen des öfteren zusammen Mittagessen und reden dann über Gott und die Welt. Der Mann war auch schon überall, ist noch mehr gereist als Simon – ist allerdings auch schon 30. Hat drei Jahre in Russland gelebt und spricht perfekt Russisch, außerdem Englisch, Französisch und Türkisch. In ihm habe ich auch so etwas wie einen Leidensgenossen gefunden, da er auch immer mal wieder gesundheitliche Probleme hier hat (andererseits gibt es kaum einen Ausländer, bei dem das nicht der Fall wäre) und auch mal wieder gerne in einem deutschen (oder eben österreichischen) Supermarkt einkaufen würde, mit gutem Käse und Wurst und und und.
Ja, so lebte es sich dann die letzten Monate dahin.
Bei der ersten Runde Fußball im neuen Semester habe ich mir dann direkt den linken großen Zeh angehauen, was mich für Wochen fußballtechnisch außer Gefecht setzen sollte. Dazu gleich mehr.
Das erste Aprilwochenende war dank eines Totenfestes am Montag und Dienstag ein verlängertes und so sind wir dann mal wieder mit Thomas und Cage verreist. Dieses Mal waren auch Thomas Mutter und seine Nichte dabei. Das Ziel war Luoping in der nordöstlichsten Ecke Yunnans. Wir sind Samstagabends um acht mit dem Zug los gefahren und nach ca. zweieinhalb Stunden angekommen. Die Hotelauswahl für die Nacht war entsprechend der späten Stunde nicht allzu berauschend. So fiel die Wahl auf eine sehr spartanische Bleibe direkt am Busbahnhof der Stadt – was sich morgens um halb sechs leider lautstark bemerkbar machte. Dafür ließ sich nach dem Frühstück umso schneller ein Fahrer finden. Der fuhr uns dann zum 'Neun-Drachen-Fluss'. Die ganze Gegend um Luoping ist ganz so, wie man sich das ländliche China vorstellt oder es in Dokumentationen sieht. Jede Menge sehr kleiner Dörfer mit teils heruntergekommenen Häusern, durch die nur eine kleine Straße führt und wo die Zeit immer etwas langsamer fortzuschreiten scheint. Hier ist das Leben noch sehr einfach, ich schätze die Menschen dort haben nicht mal alle Strom und/oder heißes Wasser.
Nachdem wir also durch einige solcher Dörfer gefahren waren kamen wir am Neun-Drachen-Fluss an. Der Name kommt von den neun Wasserfällen, die sich innerhalb weniger Kilometer ergießen. Das ganze in wunderschöner Landschaft. Wir hatten an jenem Tag Glück mit dem Wetter. Morgens war es noch bewölkt und diesig, doch genau in dem Moment, als wir dort ankamen, brach die Sonne durch die Wolken. Und als wir ein paar Stunden später fertig waren, zog es sich wieder zu.
Zurück in Luoping ließen wir uns vom Fahrer ein gutes Hotel empfehlen, was wirklich in Ordnung war dieses Mal (mit Heizdecke für jedes Bett und abends konnte ich sogar Bundesliga live gucken). Danach gingen wir mit ihm Essen und 'verpflichteten' ihn auch gleich für den nächsten Tag.
Der Montag begann wie der Sonntag: bewölkt und neblig. Und sollte es dieses Mal auch bleiben. Das war für den Großteil des Tages weniger hinderlich. Zunächst ging es wieder durch diverse Dörflein zu einer langen Schlucht, durch die wir mit einem Schiff fuhren. Da hat das Wetter wie gesagt weniger gestört, da interessierten ja eher die Felswände. Danach wollten wir uns dann aber noch die riesigen Rapsfelder, für die Luoping (zumindest chinaweit) berühmt ist, von einem erhöhten Punkt aus ansehen. Leider war es aber so neblig, dass wir nur einen kurzen, sehr begrenzten Blick zwischen zwei Nebelbanken erhaschen konnten. Bitter.
Am frühen Abend ging es dann zurück nach Kunming. Ich saß natürlich mal wieder neben einem Chinesen, der die ganze verdammte Fahrt über ununterbrochen entweder mit mir oder Cage gelabert hat. Einen kranken Westler hatten wir auch in unserem Abteil, der eine ganze Bank für sich beanspruchte. Die Schaffner sahen es natürlich nicht ein, ihm ein Bett in den völlig leeren Schlafwagen anzubieten. Zug fahren in China sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, es passiert immer etwas Interessantes.
So, langsam aber sicher lässt mein Erinnerungsvermögen nach. Es war entweder eine Woche oder zwei Wochen danach, dass ich Cage bat, mir mit meinem Laptop behilflich zu sein. Ich hatte ja im September schon einmal das Problem, dass das gute Stück zu heiß wurde. Das war nun wieder der Fall. Er ging zwar beim Zocken nicht einfach aus, aber die Temperaturen der Grafikkarte waren dennoch im ungesunden Bereich. Ich dachte, dass die Lüfter vielleicht einfach verstaubt wären, also suchte ich nach einer Dose Druckluft. Sowas gibt es hier aber nicht, warum auch immer. Also bat ich Cage in Erfahrung zu bringen, ob es in Kunming ein offiziell autorisiertes ASUS-Reparaturcenter gibt. Wir fragten dann einfach in einem Laden nach und tatsächlich gab es eines ganz in der Nähe. Samstags waren wir das erste Mal dort, um den Laptop einfach nur säubern zu lassen. Das hat so zwei Stunden gedauert. Ich habe die Temperaturen noch vor Ort getestet und es schien besser. Später zuhause sollten mich weitere Tests dann natürlich lügen strafen. Also am Sonntag wieder hin und gesagt die sollen sich das mal genauer angucken. Ok, das würde ein paar Stunden dauern, sie würden sich melden, wenn es so weit ist. Der Sonntag verging ohne weiteren Kontakt. Montag nach der Schule bin ich also wieder hingegangen. Die Temperaturen wären noch nicht besser. Dienstag nach der Schule hin. Die Temperaturen waren nicht besser, sie würden sich melden. Ich war die ganze Woche lang ohne Laptop. Etwas schlimmeres kann es, vor allem für mich, kaum geben. Hätte ich nicht noch die Playstation gehabt, wäre ich wohl bekloppt geworden. Zuhause wäre das nicht so ein Problem gewesen, da hätte ich ja auch noch den PC als Ersatz gehabt. Aber hier, wo der Laptop außerdem meine Verbindung nach Hause darstellt, war das nicht gerade prickelnd.
Am Sonntag darauf ging ich mit Cage in ein Krankenhaus wegen meines Zehs. Ich hatte zwischenzeitlich mal wieder Fußball gespielt und die Schmerzen kamen sofort wieder. Ich hatte Bedenken, dass der Zeh vielleicht gebrochen sein könnte oder sonst irgendwas, also wollte ich sicher gehen.
Chinesische Krankenhäuser sind, wie alles in China, anders. Nach der Anmeldung wird man erstmal zur Kasse gebeten, dann kann man einen Doktor konsultieren. Und 'zur Kasse bitten' meine ich wörtlich, es gibt Kassenschalter wie am Eingang zu einer Sehenswürdigkeit. Erinnert ihr euch noch an die Geschichte von dem Mann, der mit einem Herzanfall in die Notaufnahme kam und beinahe gestorben wäre, weil er kein Geld dabei hatte und die Ärzte deshalb nicht operieren wollten? Es lebe der Kommunismus! Oder war es doch Kapitalismus?
Beim Gespräch mit dem Arzt ist man dann nicht unbedingt in einer privaten, vertraulichen Umgebung. Da kann es sein, dass einfach Leute hineinplatzen, die gar nicht dran sind und dem Arzt dazwischen reden. Der schickt die dann aber auch nicht echauffiert raus, sondern antwortet und macht dann mit seinem eigentlichen Patient weiter. Die Tür ist auch immer offen.
Die Untersuchung spielte sich dann wie folgt ab:
- Ich erklärte wo und wie es schmerzt
- Arzt: „Hm...sie sollten in nächster Zeit kein Fußball spielen!“ Danke für diese weise Einsicht, oh großer Konfuzius...
- Arzt: „Wollen sie ein Röntgenbild machen?“
- Ich: „Auf jeden, Alter!“
- also wieder zur Kasse, einmal Röntgen mit Pommes, Getränk ohne Eis bitte
- mit dem 'Kassenzettel' 200m ins Nachbargebäude, warten, Röntgenaufnahme, warten, Ergebnis kommt, Orthopäde guckt es sich an, „Kein Problem!“
- zurück zum ersten Arzt, zeigen ihm das Bild und übermitteln Meinung des Orthopäden
- Arzt zeigt auf eine winzige schwarze Stelle auf dem Bild: „Was ist mit dieser Stelle hier? Können sie da nochmal nachfragen? Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten.“
- also wieder zum Orthopäden, nochmal gefragt, „Bewegen Sie mal ihren Zeh...hm...Nein, das ist nichts, kein Problem!“
- zurück zum Arzt, hat der mir 'ne Medizin verschrieben und meinte ich solle jeden Tag heiße Wickel um den Zeh machen.
Ich habe es dann bei der Medizin belassen und mittlerweile ist es auch wieder in Ordnung. Aber Leute, das war vielleicht ein Aufwand. Von Organisation haben die noch nichts gehört. Cage gab dann auch zu, dass das chinesische Gesundheitssystem nicht gerade optimal wäre.
Zurück zum Laptop, bevor wir im Krankenhaus ankamen, rief Cage für mich beim Reperaturcenter an. Die meinten sie würden noch auf ein Teil warten, was nicht mehr produziert werden würde. Ich weiß bis heute nicht genau, um was es sich da handelte, Cage versuchte es mit 'Matrix' zu übersetzen.
Es war dann glaube ich am darauffolgenden Dienstag, dass ich einen Anruf bekam, ich könne meinen Laptop abholen. Endlich! Wenigstens hat es sich gelohnt und die Temperaturen sind seitdem um einiges besser. Diese komische Matrix haben sie dann vor ein paar Tagen erst eingebaut bzw. ausgetauscht, was aber im Grunde nichts mehr gebracht hat.
Wenigstens war das alles kostenlos und ich habe sogar einen Schutzfilm für den Bildschirm und die Tastatur dazu bekommen.
Und weiter geht’s.
Am ersten Maiwochende stand wieder ein Ausflug mit Thomas, seiner Mutter und Nichte und Cage an.
Dieses Mal ging es an den Fuxian See, eineinhalb Stunden mit dem Bus von Kunming entfernt. Der See ist der tiefste Chinas und der zweitgrößte Asiens...oder war es der tiefste Asiens und der zweitgrößte Chinas? Der zweittiefste Asiens und der größte Chinas? Vielleicht war es aber auch der zweittiefste Chinas und der größte Asiens. Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls war/ist er sehr tief und sehr groß. Auf dem Grund soll es wohl sogar eine versunkene Stadt geben.
Das Wetter war jedenfalls astrein...außer natürlich am zweiten Tag um die Mittagszeit, als wir auf einen Berg direkt am Strand stiegen und jede Menge Fotos gemacht haben. Da war es bewölkt, danach natürlich wieder sonnig. Tyyyypisch! Aber insgesamt war es sonnig und warm, Badewetter eben. Ich bin aber nicht sehr viel geschwommen. Erstens war das Wasser eiskalt und zweitens bin ich einfach so lange nicht mehr 'richtig' geschwommen (ist schon was anderes als in einem Hallenbad planschen), dass es super anstrengend war. Aber einfach nur im Sand chillen war auch ok. Der Strand ist übrigens künstlich angelegt.
Das Hotel war mal wieder nicht so der Hammer. Für sechs Leute hatten wir zwei Zweibett-Zimmer und die Matratze war die härteste auf der ich jemals geschlafen habe. Viel Unterschied zu einem Stein war da nicht mehr. Aber man war ja schon einiges gewohnt.
Am zweiten Abend haben wir uns ein paar Bier gekauft und uns an ein ruhiges Plätzchen am Strand gesetzt. Zuerst saßen wir auf einem Baum und wollten vorbei laufende Leute erschrecken. Hat aber leider nicht so ganz geklappt. Später wollten Thomas und Cage dann unbedingt in eines der überall festgemachten Tretboote steigen. Das erwies sich aber als nicht wirklich einfach und sie haben es schließlich aufgegeben.
Über Nacht bin ich dann krank geworden und am Montag Morgen wusste ich nicht, zu welcher Seite es mir zuerst raus kommen würde. Es war wohl irgendwas im Abendessen, wobei die anderen jedoch keine Probleme hatten. Thomas Mutter hatte zum Glück Medizin für Magenprobleme dabei, sodass mir nach einer Weile zumindest nicht mehr schlecht war. Bauchschmerzen und Durchfall hatte ich allerdings noch bis Mittwoch.
Ganz vergessen: Am ersten Abend wurde Thomas Nichte während des Essens vom Hund des Restaurantbesitzers gebissen. War im Endeffekt nicht wirklich schlimm, aber es gab natürlich ganz schön Palaver, unter anderem, weil der Besitzer keine Verantwortung dafür übernehmen wollte.
Das war also unser bisher letzter gemeinsamer Ausflug. Ich hoffe es kommt noch einer hinzu.
Zwei Wochen später war ich schon wieder auf Achse. Dieses Mal ging es mit dem Flugzeug nach Xiamen. Dort besuchte ich Timo, einen Kommilitonen und Kumpel aus Trier. Wenn Kunming subtropisch ist, dann ist Xiamen, im Südosten Chinas gelegen, tropisch. Schwül-heiß und sonnig. Ratet mal, wie das Wetter während meines Aufenthalts dort war. Richtig: bewölkt und regnerisch. Wie hätte es auch anders sein können? Von den Temperaturen her war das allerdings ganz angenehm. Als ich am Donnerstagabend in Xiamen aus dem Flugzeug stieg, lief ich nämlich erstmal gegen eine Wand, so schwül war es. Von Freitag bis Montag war es dann aber sehr angenehm. Dafür aber eben ganz selten mal Sonne. So bestand das Wochenende dann auch hauptsächlich aus Fußball. Fußball spielen an der Uni, Fußball spielen auf der Playstation (die ich extra mitgenommen hatte), beim Zocken den letzten Bundesliga-Spieltag über Internetradio hören. Eigentlich wollten wir zumindest einen Tempel besichtigen, was wir dann aber letztendlich doch nicht gemacht haben. War aber nicht schlimm, hat auch so jede Menge Spaß gemacht. Vor allem das Fußballspielen an der Uni war für mich eine willkommene Abwechslung zum Kicken in Kunming, haben die dort doch zwei große und zwei kleine Fußballplätze, alles mit Kunstrasen, während wir uns ja mit Beton begnügen müssen. Auch die Uni selbst ist sehenswert. Wurde glaube ich auch zum schönsten Campus Chinas gewählt. Und die Mensa erst, der Hammer. Drei Stockwerke, jeweils spezialisiert auf Reisgerichte, Nudelgerichte und nochwas was mir grade nicht mehr einfällt. Und das ganze ist wie in einem Restaurant, man bestellt was und das wird dann frisch zubereitet. Nicht wie in Kunming, wo man sich aus separaten, teils schon kalten, Teilgerichten was zusammenmischt. Seit Xiamen war ich hier nicht mehr in der Mensa, so schlecht ist die im Vergleich.
Timo wohnt dort übrigens im 30. Stock eines Wohnhauses, mit netter Aussicht auf eine gegenüber liegende Insel. Ich hab bei ihm im Zimmer auf der Fensterbank geschlafen. Klingt super ungemütlich, war es aber keineswegs und ich hab echt gut geschlafen.
Am Sonntag habe ich es dann geschafft im Bus mein Portemonnaie zu verlieren. Da es doch relativ warm war trug ich eine kurze Schlabberhose, mehr brauche ich dazu glaube ich nicht zu sagen. Wir haben dann die Freundin von Timos Mitbewohner, die Germanistik studiert und dementsprechend gut Deutsch spricht, gebeten beim Busunternehmen anzurufen. Und tatsächlich kam abends ein Anruf, dass ein Geldbeutel abgegeben wurde. Für all das Pech, was ich hier in den Monaten zuvor hatte, mit Magenproblemen und Laptop und und und, hatte ich hier doch tatsächlich einmal Glück. Ausgleichende Gerechtigkeit nenne ich sowas. Das Büro des Busunternehmens war allerdings relativ weit weg, sodass Timo und ich am Montag hin und zurück bestimmt mehr als drei Stunden unterwegs waren. Im strömenden Regen...ohne Schirm. Dafür mit der Star Wars Edition von Trivial Pursuit, was er bei einem Straßenverkäufer gefunden hatte. So konnten wir uns im Bus wenigstens die Zeit vertreiben. Danach war mein Besuch auch schon wieder rum und ich bin abends zurück nach Kunming geflogen.
Das war nun mein persönlich letzter Ausflug bisher. Wollte ursprünglich vielleicht noch nach Tibet oder Hongkong, aber irgendwie ist mir einfach die Lust vergangen und ich fiebere dem 16. Juli entgegen. Da fliege ich nämlich nach Hause. Wird verdammt nochmal Zeit (ich glaube das sagte ich schon einmal)! Vorher will ich ja nochmal ein paar Tage in Beijing verbringen, da sehe ich dann ja nochmal einiges. Die Große Mauer sollte man nämlich vielleicht schon mal besichtigt haben, wenn man in China war.
Die letzten paar Wochen waren meiner Unlust entsprechend dann auch relativ ereignislos. Mal zur Schule gehen, mal nicht. Mal Kino, mal Karaoke, mal Fußball, mal Kundu, usw.
Damit möchte ich dann auch den längsten Blogeintrag der Welt (kann mal jemand die Redaktion vom Guinness Buch der Rekorde anrufen?) abschließen. Hab jetzt über zwei, drei Wochen hinweg immer mal wieder daran geschrieben und letzten Montag versprochen, ihn noch diese Woche fertig zu stellen, was ich hiermit eingehalten habe.
Es wird auf jeden Fall noch mindestens ein abschließender Eintrag kommen. Bis dahin, bleibt sauber! Ach ja, hab grade keine Zeit dazu, aber morgen kommen ENDLICH auch ein paar ausgewählte Fotos dazu. Besser spät als nie sag ich da nur.

18.6.11 15:07
 


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