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Aus aktuellem Anlass...

Ich weiß, ich weiß. Ich bin euch immer noch den Ferienbericht schuldig. Der gammelt auch schon seit zwei oder drei Wochen so halbfertig vor sich hin.
Aber im Moment gibt es da doch wichtigeres - leider.

Eine kurze Einleitung zum folgenden Eintrag:
Ich habe das Ganze vorletzte Nacht geschrieben, als ich aus welchem Grund auch immer kein Internet hatte und zu aufgewühlt zum Schlafen war.
Ich nehme eins schonmal vorweg: Es hört sich wirklich schlimm an und der oder die ein oder andere mag sich denken "Um Himmels Willen Junge, komm lieber nach Hause". Aber es ist mittlerweile schon wieder besser und es wird sich alles schon regeln.
Ich hab das Ganze dennoch so belassen wie es war, weil es einfach sehr gut widerspiegelt, wie ich mich seit Freitag gefühlt habe.

Also dann, auf los geht's los:

 

 

der 11.03.2011 wird wohl vielen genauso sehr in Erinnerung bleiben wie der 11.09.2001 – wieso eigentlich immer der 11.?
Ich hatte erst am Freitagabend und eher zufällig von der Katastrophe erfahren.
Ich war eigentlich schon auf dem Sprung, wollte zu einer Party an der Uni und danach wie immer mit Chris nach Kundu. Ich wollte vorher nur nochmal schnell meine Aufstellung bei Comunio checken und war zu dem Zweck auf einer Sport-Webseite. Dort las ich dann die kleine Schlagzeile 'Dortmunds Kagawa nicht von Erdbeben betroffen'.
Nun sind Erdbeben in Japan ja wirklich nichts Ungewöhnliches und ich dachte mir, es handele sich nur um ein etwas stärkeres als normal. Als ich dann aber auf Spiegel online nachsah wurde ich schnell eines besseren belehrt. Und als ich dann las, dass das Epizentrum nur 130km östlich der Stadt Sendai lag und die gesamte Ostküste Japans von einem Tsunami verwüstet wurde, war mir gar nicht mehr zu feiern zumute.
In Sendai verbrachten nämlich zwei meiner Kommilitonen, Alex und Thilo, ihren Auslandsaufenthalt. Mit erstem stand ich die letzten Wochen per Email in Kontakt und wir hätten uns vielleicht mal in Tokyo treffen wollen.

Ich hatte dann für den Abend alles abgesagt, denn zu jenem Zeitpunkt war Sendai fast völlig von der Außenwelt abgeschnitten und niemand wusste, wie es den beiden ging. In so einer Situation hätte ich mich nicht guten Gewissens amüsieren können.
Ich habe dann im Grunde das ganze Wochenende damit verbracht, Nachrichten zu lesen und auf ein Lebenszeichen der beiden zu warten.
Sonntag schrieb mir Alex dann eine Mail und mittlerweile dürften alle Trierer Studenten wieder in Deutschland sein.

So, damit hätte die Sache für mich erledigt sein können, aber leider muss ich sagen, dass mir das Ganze mehr zu schaffen macht, als mir lieb sein kann.
Es mag daran liegen, dass Japan immer noch mein Lieblingsland ist, wenn nicht gar mein Mekka - auch wenn ich mich vorletztes Jahr für China als Ziel meines Auslandsaufenthaltes entschieden hatte.
Ich hatte eigentlich fest geplant, im Laufe der zehn Monate hier mal für zwei, drei Wochen rüber zu fliegen. Und nachdem es in den Winterferien nicht geklappt hat, weil ich drei Wochen lang krank war, hatte ich vor gehabt im Mai oder Juni zu fliegen. Ich hatte mich wahnsinnig darauf gefreut. Jetzt kann ich es wohl vergessen und muss es irgendwann in den nächsten Jahren machen, teuer von Deutschland aus.
Es tut also doppelt weh, zum Einen, weil mir Japan am Herzen liegt und ich irgendwie mit der Bevölkerung mitleide. Und zum Anderen, weil es mir je nachdem wie das mit den AKWs läuft vielleicht auf Jahre verwehrt sein wird endlich mal dahin zu kommen.
Natürlich ist das im Gegensatz zu dem tatsächlichen Leid, was den Japanern momentan widerfährt, nahezu lächerlich.
Es ist wirklich schwer zu beschreiben, aber alle die mich kennen und wissen, wie sehr mir das am Herzen lag und liegt, werden verstehen, dass das meiner Moral einen ganz schönen Schlag versetzt hat.
Es ist sowieso noch einmal ein gehöriger Unterschied, ob man so eine schwere Naturkatastrophe von zu Hause aus mitbekommt oder während man in der Fremde ist...finde ich jedenfalls.

In etwa die gleiche Kerbe schlug dann die Nachricht von Tim, dass die Freundin von Stefan Linnig, einem alten Schulfreund von uns, letzte Woche bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. Ich hab ihn Jahre nicht mehr gesehen und kannte sie überhaupt nicht außer von Fotos auf wer-kennt-wen, aber in solchen Momenten ist man einfach unfassbar anfällig für derartige Meldungen.
Tim meinte die beiden wären erst vor kurzem zusammen gezogen und wollten nächste Woche für drei Monate nach Amerika fliegen. Und jetzt ist das alles vorbei, einfach so.
Da fragt man sich doch dann wieder „wofür das Alles?“, wenn im nächsten Augenblick alles egal sein kann, sei es durch einen Tsunami oder ein Auto, über das man die Kontrolle verliert.
Und wenn man solche Gedanken hat und dann auch noch 10.000km von Familie und Freunden entfernt ist, dann fühlt man sich schon irgendwie einsam und hilflos.
Es kommen auch noch so kleine Dinge dazu wie z.B., dass meine blöde Kreditkarte nicht funktioniert, der Laptop zu heiß wird und ich ihn hier nicht reparieren lassen kann, oder dass ich langsam echt die Schnauze voll davon hab, jeden Tag von irgendwem blöd angegafft zu werden. Und während ich das hier schreibe, habe ich schon seit neun Stunden aus irgendeinem Grund kein Internet. In zwei Stunden kommt Bayern gegen Inter und ich kann es wohl nicht gucken.
Das sind alles so kleine Dinge, aber die kommen dann immer geballt oder sammeln sich an und dann kommt eben noch ein Knaller hinzu.

Es war Sonntag oder Montag dann wirklich so schlimm, dass ich die Nachricht von Alex las, dass sie in ein paar Stunden nach Deutschland zurück fliegen, und mir dachte „in dem Flieger säß ich jetzt auch gerne“.
Man darf es gar nicht sagen, aber ich habe mir sogar für den Bruchteil einer Sekunde gewünscht, dass diese fürchterliche radioaktive Wolke doch gen China wandern könnte – nur ein bisschen oder für eine kurze Zeit. Dann hätte ich einen Grund, um hier sofort alle Zelte abzubrechen und den nächsten Flug nach Hause zu nehmen.

Das hört sich schlimm an, ist es auch irgendwie. Aber ich sitze hier nicht den ganzen Tag herum und heule oder so.
Es ist schon so etwas wie eine Krise. Ich war die letzten beiden Tage auch nicht in der Schule, weil ich mich einfach nicht motivieren konnte. Tagsüber geht es, aber als ich mir vorhin wieder dachte „du hast einfach keine Lust mehr“, hab ich dann diesen Eintrag geschrieben, weil ich mir dachte es hilft vielleicht.

„Ich hab keine Lust mehr“: Dieser Gedanke ist so ziemlich das schlimmste, was einem hier passieren kann. Ich hatte ihn ja schon ziemlich zu Beginn meines Aufenthaltes, aber damals war es anders. Es war die Angst vor dem Unbekannten denke ich, Angst davor, in einem fremden Land fernab der Heimat mehr oder weniger alleine zurecht kommen zu müssen. Aber das Neue, Aufregende hat dann doch überwogen.
Dieses Mal ist es aber anders. Ich weiß es nicht genau, vielleicht ist es Ernüchterung gemischt mit Heimweh und allem was ich oben beschrieben habe.
Ohne das Erdbeben in Japan wäre das wohl nicht passiert.

Wie gesagt, auf Japan habe ich mich wahnsinnig gefreut. Das hat wohl auch einige meiner Sorgen und Wehwechen übertüncht, einfach die pure Vorfreude auf so einen banalen und doch besonderen 'Urlaub'.
Aber jetzt ist das sozusagen weggebrochen. Und ich kann es auch nicht einfach ersetzen.

Noch ein Punkt, der mir gerade eingefallen ist (tut mir leid, wenn der ganze Eintrag vielleicht ein bisschen wirr ist, aber genauso geht es momentan in meinem Kopf zu). Ich habe hier ja mittlerweile auch jede Menge nette Leute getroffen. Und dass man über Internet ständig Kontakt mit den daheim Gebliebenen halten kann ist toll und es lebe das digitale Zeitalter blubblubblub. Aber ich will die Leute (Euch! ^^) auch mal wieder sehen. Nicht über Skype, sondern im gleichen Raum, Aug' in Aug', quasi zum Anfassen.
Ich bewundere Leute wie Chris, die solche Gedanken gar nicht zu kennen scheinen. Als er vor drei Wochen aus Frankreich zurück kam meinte er, er hätte China vermisst – ok, wörtlich waren es „Fußball spielen und chinesische Mädels“. Irgendwie finde ich es aber auch traurig, wenn man sein Heimatland so gar nicht vermisst. Insofern bewundere ich ihn also, beneide ihn aber auch nicht darum.

Ich will das hier also wirklich nicht abbrechen, aber in den nächsten Tagen muss irgendetwas passieren. Etwas Positives natürlich, etwas was meine Geister wieder belebt. Oder ich muss für ein paar Tage weg, nach Hongkong oder so. Ein Ausflug hat mir letztes Mal auch die Freude an China wieder gegeben. Manchmal ist es auch nur eine Kleinigkeit, ich hoffe ich komme so schnell wie möglich drauf, was es ist. Oder aber es geht in ein paar Tagen von alleine weg und kommt bis wenigstens Juni nicht mehr wieder. Das wäre natürlich am einfachsten.
Eins steht damit jedenfalls fest: Die Frage, ob ich mir vorstellen könne, in China zu leben, kann ich in Zukunft zu 200% mit 'Nein' beantworten!

 

So, det war's.
Wie gesagt, mittlerweile geht es schon wieder besser und die wichtigere Frage ist momentan, ob die die Situation im Atomkraftwerk Fukushima I noch unter Kontrolle bekommen. Und wenn nicht, was dann passiert.
Die Leute kaufen ja überall wie bekloppt Jod (und Geigerzähler), auch an der Ostküste Chinas. Dass die Radioaktivität uns hier erreicht, ist allerdings extrem unwahrscheinlich, da die Winde in Japan um diese Jahreszeit eigentlich immer von Westen her wehen, was sie ja bisher auch getan haben. Bis auf das eine Mal vor drei Tagen, als der Wind plötzlich drehte und die Atomwolke Tokyo streifte. Aber das verbuchen wir einfach mal unter 'Vorführeffekt'.
Sollte sich an dieser Situation allerdings wider erwarten etwas ändern und China gefährdet sein, bin ich hier natürlich weg.
Hoffen wir einfach das Beste, was bedeuten würde, dass keine weitere Radioaktivität austritt und ich zum Sommerbeginn vielleicht doch noch rüber kann.

Noch was ganz Anderes: Das Bayern-Spiel konnte ich gestern Abend noch gucken, als ich wieder Internet hatte. Hätte ich mir allerdings auch sparen können. Gut, dass Björn im Moment verreist ist, ich bin nämlich ziemlich laut geworden und es war schon nach Mitternacht.

Naja, mal sehen was die nächsten Tage für uns bereit halten. Vielleicht meine Ferienerinnerungen, aber rechnet eher mit weiteren zwei bis drei Wochen Verzögerung...wie immer halt. :D

17.3.11 19:23
 


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