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Ick lebe noch!

Und das in doppelter Hinsicht, wie ihr sehen werdet.

Dieses Mal ist der letzte Eintrag schon fast einen Monat her. Irgendwie habe ich zur Zeit keine rechte Lust zu schreiben, und je länger ich damit warte, desto mehr muss ich natürlich schreiben und umso weniger Lust habe ich.

Aber jetzt konnte ich mich endlich mal dazu durchringen, da ich gerade in der richtigen Stimmung dafür war.

Fangen wir erst einmal mit dem Aktuellsten an:

Heute ist Donnerstag und ich war diese Woche noch überhaupt nicht in der Schule!

Am Montag weiß ich schon gar nicht mehr warum, aber jedenfalls habe ich Montagabend wie so oft in dem Restaurant an der Ecke gegessen und mal was neues ausprobiert...hätte ich vielleicht sein lassen sollen. Denn kaum hatte ich nach dem Verzehr André über ICQ noch geschildert, wie toll es doch ist, dass man sich hier für 90 Cent den Bauch vollschlagen kann, da wurde es mir auch schon komisch. So um neun Uhr herum habe ich mich dann mitsamt meinen Klamotten ins Bett gelegt, weil ich so unfassbaren Schüttelfrost hatte. Um zwei Uhr nachts bin ich dann wieder aufgestanden, weil ich es vor Herzstechen, Gliederschmerzen, etc. nicht mehr ausgehalten hatte. Am nächsten Morgen war meine erste Aktion dann der Gang aufs Klo – das erste von sechs bis sieben Malen an jenem Tag.

Hatten mich also nach fast vier Monaten China doch endlich die Salmonellen erwischt wie es scheint, und das auch noch in 'meinem' Restaurant.

Zum Glück hielt die schwere Phase mit Durchfall und Fieber nur den Dienstag an, länger hätte ich einen solch massiven Flüssigkeits- und Mineralienverlust ohne ärztliche Hilfe wohl nicht ausgleichen können.

Mittwoch ging es dann also wieder einigermaßen, bin heute aber auch noch zu Hause geblieben, da mein Schlafrhythmus die letzten Tage komplett aus den Fugen geraten ist – und sicher ist sicher. In Deutschland hätte ich mich ja auch für den Rest der Woche krank schreiben lassen.

Mittwochmittag hat Björn dann mal wieder den Vogel abgeschossen.

Am Dienstagmorgen hatte er bei mir an der Tür geklopft und gefragt „keine Schule heute?“, was ich bestätigte mit der Begründung ich wäre krank und ihn bat mir ein Brot mitzubringen. An besagtem Mittwochmittag dann trafen wir uns in der Küche das erste Mal seitdem – und er sagte nichts. Ich also „Ja, mir geht’s besser, danke der Nachfrage.“

„Dir ging's schlecht?“

„Ähm...ja? Ich hatte Salmonellen“

„Oh, übel. Wusste ich ja nicht, hab dich gestern den ganzen Tag nicht gesehen.“

Dass ich ihm das noch am Morgen zuvor gesagt hatte und vielleicht aus genau diesem Grund mein Zimmer kaum verlassen hatte/konnte (was sonst so gut wie nie der Fall ist), kam ihm natürlich nicht in den Sinn. Der Junge hat echt manchmal die Sensibilität einer Bockwurst.

So saß ich also diese Woche mehr oder weniger zwangsweise untätig 'rum – eigentlich ganz angenehm zur Abwechslung, da man sonst immer den Drang verspürt irgendwas zu unternehmen...warum eigentlich?

Hatte ich also ein bisschen Zeit zum Nachdenken...bisschen zuviel vielleicht. So vor knapp zwei Wochen, als wir mal ein paar Tage schulfrei hatten und ich nichts großartig vor hatte, packte mich nämlich zum ersten Mal seit wir hier eingezogen sind das Heimweh. Und besonders heute tat es das wieder. Die (Vor-)Weihnachtszeit macht es mir wohl auch nicht gerade leichter. Denn so sehr es einen in Deutschland nerven mag, der Trubel auf den Straßen, in den Medien, und Geschenke und pipapo, so sehr geht es mir jedenfalls hier ab. Das ist mal wieder eins von den Dingen, bei denen man erst weiß, was sie wert sind, wenn man sie (zumindest vorübergehend) nicht mehr hat.

Die geschmückten Straßen und Häuser, die Weihnachtsmärkte, der Duft von Zimt und Glühwein, das wohlige Gefühl, wenn man aus der Kälte ins warme Haus kommt, in ein von Kerzen und Lampen nur halb beleuchtetes Zimmer und einen warmen Tee mit ein paar Lebkuchen genießt.

Das mag jetzt unfassbar kitschig klingen, aber genau das ist es doch, was diese Zeit ausmacht.

Hier gibt es nichts davon, absolut nichts. Vielleicht sind ein paar Geschäfte und Restaurants ein bisschen weihnachtlich dekoriert und im Carrefour läuft Jingle Bells. Das war es dann aber auch.

Keine Weihnachtsmärkte, kein Zimt, kein Glühwein – und vor allem keine warmen Zimmer wenn man nach Hause kommt, dank fehlender eingebauter Heizung und Isolierung.

Womit ich beim zweiten Punkt dieses etwas nachdenklichen Eintrags angelangt wäre.

Ich werde oft gefragt, sei es von Chinesen oder anderen Austauschstudenten hier oder von Daheimgebliebenen, ob ich mir denn vorstellen könnte in China zu leben, auf Dauer.

Habe ich vor diesem Auslandsjahr immer gesagt „vielleicht, man weiß ja nie“, so neige ich momentan mehr zu „ich glaube eher nicht“. Mal ganz abgesehen von der Sprache, die irgendwann mit Sicherheit kein großes Problem mehr darstellen würde, glaube ich nicht, dass ich mich hier jemals wirklich 'zu Hause' fühlen könnte, wobei gerade Kunming glaube ich dafür schon relativ gute Voraussetzungen innerhalb Chinas schafft. Es fällt mir gerade ziemlich schwer, das in Worte zu fassen, da ich an vieles gleichzeitig denke und nicht weiß wo ich anfangen soll.

Meine Zweifel reichen von etwas Banalem wie der Art, wie man immer mal wieder gemustert wird auf der Straße (erwähnte ich ja schon des öfteren), bis zu so unglaublich essentiellen Dingen wie der Mentalität der Menschen. Ich habe bisher nur ganz wenige Chinesen getroffen, mit denen ich etwas gemeinsam hätte, im Gegenteil: Bei den meisten denke ich mir „mit denen willst du nichts gemeinsam haben“. Kundu mag da vielleicht kein perfektes Beispiel sein, aber gerade da denke ich es mir so oft und deswegen brauch ich nach zwei, drei Wochenenden dort hintereinander unbedingt eine Pause. Natürlich lernt man da jede Menge Leute kennen, aber die meisten haben eben so einen beschränkten Horizont, sind so vulgär, man merkt richtig, wie sie in dieser Nacht ihr ansonsten so leeres Leben zu überspielen versuchen – genau wie in einem Roman eines chinesischen Autors, den ich vor kurzem gelesen habe.

So manch ein Leser mag sich jetzt vielleicht denken „Aha, der feine Europäer meint wohl er ist was besseres“ und hat damit vielleicht gar nicht so unrecht. Ich erinnere mich an einen Erfahrungsbericht, in dem der Verfasser schrieb, dass er etwa hundert (oder waren es hunderte?) Chinesen kennen lernen musste um darunter einen guten Freund zu finden.

So falsch kann ich also gar nicht liegen.

Denn wie soll man sich auch mit jemandem anfreunden, dessen Antwortenrepertoire auf die Aussage „ich komme aus Deutschland“ nur aus stupidem Gefasel wie „Deutschland ist toll!“, „Der deutsche Fußball ist toll!“ und „Hitler ist toll/ Deutschland ist gut im Krieg führen!“ besteht? Bei den Frauen sah es bisher im Übrigen leider auch nicht sehr viel besser aus...wie denn auch? Denn wie immer möchte ich dazu anmerken, dass der Großteil der ignoranten Chinesen nicht an seiner Ignoranz Schuld ist, sondern die Bildungspolitik, die es ihnen eben nicht erlaubt intelligenter zu sein, so hart das auch klingen mag.

Das macht das ganze aber auch nicht besser. Und genau deshalb denke ich, dass ich mich hier immer wie ein Fremdkörper fühlen würde. Selbst wenn ich hier zwanzig Jahre leben würde, könnte ich keine so guten Freunde wie zu Hause finden.

Ich meine ihr kennt mich, es geht mir nun wirklich nicht darum ständig hochintelligente Gespräche führen zu können. Aber für die Witze, die man so macht und worüber man redet, da bedarf es schon einer gewissen Weltoffenheit. Das ist echt schwer in Worte zu fassen, aber ihr wisst schon, was ich meine.

Ich glaube, ich kann nun auch so ein bisschen nachvollziehen, wie sich ein Einwanderer in Deutschland fühlen muss. Es muss wirklich unglaublich schwer sein, diese Kerbe für sich zu schlagen, in der man irgendwie zurecht kommt. Ich könnte es wohl nicht, und jetzt da ich eine ungefähre Ahnung davon habe, wie das sein muss, habe ich großen Respekt vor denen, die es tatsächlich geschafft haben, sei es hier, in Deutschland oder sonst wo.

Oh, und noch was ganz wichtiges. Selbst wenn ich hier irgendwann mal wirklich eine Frau finden würde, mein/e Kind/er würde ich hier niemals zur Schule schicken. Das wäre ja noch schöner, wenn ich das System hier groß und breit verurteile und meinen Kindern dann erlauben würde, sich genau diese Scheuklappen aufsetzen zu lassen.

Hach ja, es hat jetzt unglaublich lange gedauert das zu schreiben und irgendwie ist das noch nicht alles oder nicht genau das, was ich eigentlich schreiben wollte, aber ich denke ich habe die grundlegende Message rübergebracht.

9.12.10 16:19
 


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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ahmet (13.12.10 19:42)
schreibst eh nur weilsch dir das schon ganze zeit sage
und ich dabei jedes mal ziemlich unfein mit einem "fick dich" abgespeißt werde... soviel zum thema sensibel wie ne bockwurst

ausserdem wette ich dass dein erster kommentar nächstes jahr zu weihnachten ist "boah geht mir das aufn sack" XDDD

Hitler ist toll/ Deutschland ist gut im Krieg führen!
---> dazu sag ich einfach nix sonst kommen die deutschen spione bei mir vorbei xDDDD

und heul nit rum dass man 100 chinesen kennen lernen muss für einen guten freund.. dafür gibts auch mehr chinesen und die quote is noch besser als bei chat roulette

Ich meine ihr kennt mich, es geht mir nun wirklich nicht darum ständig hochintelligente Gespräche führen zu können. -- alter wenn ich an unsere fa becker etc denk xDD


Markus (15.12.10 19:30)
Hey, keine Kraftausdrücke in meinem Block...außerdem warst du auch nicht sehr viel feiner. :D

NEVEEEEER!!!!

Ich komm doch schon seit Jahren bei dir vorbei...^^

Ja, nur kann man die nicht einfach wie bei chat roulette wegklicken. Aber Gott sei dank is mir bisher auch noch kein nackter begegnet. xD

Und das gehört noch zu den harmloseren Dingen...siehe meinen Kommentar zu deinem zweiten Kommentar.


flo (21.12.10 00:40)
als wenn du jemals nen intelligentes gespräch mit uns geführt hättest ^^


Markus (24.12.10 19:04)
FJEDN ALLA!!! xD

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