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Ihr kriegt mich nie!

Wieso sagt mir keiner, dass die Datumsangaben völlig falsch sind? ^^

So, der nächste Eintrag enthält einige unschöne Wahrheiten über China, weswegen ich ihn über nen Proxy einstelle, damit die Inet-Spitzel das auch ja nicht mitbekommen. xD

 

30.08.

Verglichen mit der Wohnung der Zhangs [Name geändert] kam mir das Hostel im Nachhinein wie die letzte Baracke vor. Sie befand sich im 12. Stock eines von mehreren Gebäuden in einem modernen Wohnkomplex und war selbst noch einmal zweistöckig. Björn und ich hatten unser Zimmer im unteren Stockwerk, direkt nebenan ein westliches Badezimmer mit pornöser Dusche (da fällt mir ein ich hab von der Wohnung gar keine Fotos gemacht...DUH!), welches wir für uns alleine hatten. Außerdem ein ziemlich großes Wohnzimmer mit Couches, Fernseher und nettem Ausblick.

Am ersten Morgen hat uns Tina (ihren richtigen chinesischen Namen weiß ich gar nicht) ein westliches Frühstuck gemacht mit Brot, Marmelade, Spiegelei, etc. Dabei hat sie uns einiges erzählt (sie erzählt gerne...), von wegen sie wolle uns ja nicht gleich am Anfang die Illusionen nehmen, aber wir würden von China enttäuscht sein. Da fällt mir ein, das hatte sie sogar schon am Abend zuvor von der Fahrt zum Flughafen zur Wohnung gesagt, und zwar als ich sagte, dass das Studium der Sinologie die Sprache, Geschichte und Kultur Chinas beinhaltet. Daraufhin hatte sie nämlich gemeint, Kultur gäbe es hier nicht mehr viel und es interessiere auch keinen (bezogen auf Chinesen).

Das führte sie dann beim und nach dem Frühstück weiter aus. Ich hatte ja hier auch schon mal erwähnt, dass viel Kulturgut zerstört worden ist, aber Tina ließ echt kein gutes Haar an ihrem eigenen Volk. Die meisten seien nur auf Profit aus und handeln nur wenn es für sie selbst von Vorteil ist. Wenn sie dann etwas Schlechtes tun hieße es „aber die anderen machen es doch auch“ (lustigerweise auch das Lieblingsmotto der Regierung) oder „ich habe ja keine andere Wahl“. Das belegte sie dann mit anschaulichen und erschreckenden Beispielen:

So gibt es z.B. vor der Notaufnahme in Krankenhäusern extra noch eine Schranke, an der man blechen muss um reinzukommen – sogar die Krankenwagen! Oder die Tatsache, dass man ohne Bares nicht behandelt wird, da kann man noch so gut versichert sein.

Sie erzählte von einem Mann, der bei einer Familienfeier zum chinesischen Neujahrsfest einen Herzinfarkt erlitt. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht und der diensthabende Arzt ließ nicht etwa umgehend eine Not-OP vorbereiten, sondern fragte die Angehörigen des Mannes, ob sie Geld hätten. Da aber viele Chinesen über die Feiertage kein Bargeld zuhause haben, konnten sie den Arzt nicht bezahlen. Hätte das nun nicht zufällig ein Unbeteiligter mitbekommen, der dann für die Kosten aufkam, hätte der Arzt den Mann an Ort und Stelle verrecken lassen. Den Hippokratischen Eid kennen die hier nicht, nur Geld zählt.

Die Geschichte hatte ja nun wenigstens ein Happy End und zeigt, dass es auch anders geht: Der Mann wurde wieder gesund und als die Familie dem Retter danken und ihm das Geld zurück zahlen wollte, bestand dieser darauf, dass sie das Geld behalten.

Eine andere Story: In China gibt es viele Minderheiten. Heißt also, dass sie nicht den Han (den eigentlichen Chinesen könnte man sagen, obwohl das mit Vorsicht zu genießen ist), sondern anderen Volksstämmen angehören, mit eigener Kultur und Traditionen und oft auch eigener, dem Hochchinesisch nur entfernt verwandten Sprache. Diese Minderheiten drohen nun zu verschwinden, da ihnen von der Regierung eben jene hochchinesische Sprache und Kultur aufgezwungen wird.

Im konkreten Beispiel ging es um eine Minderheit (Name vergessen), in der es üblich war/ist, dass sich Brüder immer gemeinschaftlich um eine Frau kümmern, also quasi polygamistisch – ich hoffe, ich hab das auch so richtig in Erinnerung. ^^ Dadurch, dass ihnen aber moderne westliche Werte und Moralvorstellungen 'angeraten' werden und sie sich mit den Han vermischen (müssen), droht dieses alte System auseinanderzubrechen und die Menschen ihre Identität zu verlieren.

Aber genug der Schauermärchen, jedenfalls meinte Tina, dass China jeden verändert – nicht unbedingt zum Guten – ,dass sie einige Westler kenne, die sich hier eher negativ verändert hätten und dass auch wir uns verändern würden (was ich vehement abstritt).

Dann hatten wir noch eine kleine Diskussion über die Zukunft des Kommunismus. Sie war der Meinung, dass das Regime für immer bestehen wird und ließ sich auch nicht von dieser Ansicht abbringen. Eine Basis für Veränderung und der Wille in der Bevölkerung würden gänzlich fehlen, dafür hätten die Kader gesorgt. Gegenbeispiele meinerseits – unsere eigene Vergangenheit, Romane und Filme wie Fahrenheit 451, Equilibrium, Matrix, etc. - konnten sie ebenfalls nicht umstimmen. Wenn alle Chinesen so stur sind, dachte ich mir, zu wissen, dass etwas falsch läuft aber sich lieber zuhause verkriechen und nur leise vor sich hin schimpfen anstatt was zu tun, dann kann das wirklich nichts werden. Die, die nicht so sind, verlassen wohl das Land und können dann auch nichts mehr tun. Bitter.

Ich bin mir auch immer noch nicht so ganz sicher, was ich von Tina nun genau halten soll. Sicher, sie hat uns unglaublich viel geholfen, ohne sie und ihren Mann hätten wir uns hier nicht so schnell zurecht gefunden. Aber diese Einstellung, ihr ewiges Lachen – sie lachte wirklich ständig und über alles, auch wenn sie im gleichen Atemzug „it's really awful“ sagte – haben mich die Woche über dann doch ziemlich aufgeregt.

Aber nun genug davon, ich komme irgendwie kaum voran.

Ich werde jetzt mal mehr zusammen fassend schreiben...oder es jedenfalls versuchen.

Also an diesem Montag ging sie gleich mit uns eine chinesische Handykarte kaufen, später fuhr ihr Mann uns zur nächsten Polizeistation, wo wir uns anmelden mussten. Abends sind wir dann in ein Restaurant gegangen, wie jeden folgenden Abend der Woche auch. Vor allem Herr Zhang wollte uns so viele Spezialitäten wie möglich zeigen, also haben wir kein einziges Mal zu Hause gegessen.

Am ersten Abend gingen wir also 'Hot Pot' essen. Sehr lecker, sehr gemeinschaftlich...und SEHR scharf. Ich hab geweint und mir lief der Rotz nur so aus der Nase. Man bekommt einen großen Pott mit Sud auf eine Flamme gestellt und bestellt dann diverse rohe Zutaten. Diese schmeißt man dann in den Topf oder tunkt sie mit den Stäbchen rein, wartet kurz und isst sie dann. Wie gesagt, sehr lecker, aber als erst mein zweites richtig chinesisches Essen schon ein Sprung ins kalte Wasser. Interessant war auch zu sehen, dass sich in unserer Nähe auffällig viele (weibliche) Kellner aufhielten und uns immer Tee nachgossen usw. An dem Abend meinte Tina noch das wäre normal, aber als sich das die darauffolgenden Tage stets wiederholte – vor allem in einem Restaurant, wo der Service angeblich nicht so gut sein sollte – korrigierte sie sich: „Why are they so attentive today? When I went with Estelle (Französin oder so) last time they didn't really care...aaaaah, I see, it's because you are boys!“ :D

Heute nicht ganz so viel, da das extrem anstrengend zu schreiben war.

 So far

24.9.10 18:53
 


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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Flo / Website (26.9.10 15:14)
Bleib ruhig ausführlich. Liest sich gut und ist spannend. viel Spaß noch


Markus (26.9.10 17:47)
Danke Bro. Is aber auch anstrengend zu schreiben und langsam schwinden meine Erinnerungen. xD


flo / Website (26.9.10 21:10)
dann fass die erste zeit bis jetzt doch relativ kurz zusammen und dann ab jetzt ausführlich
oder nen videotagebuch :D

du brauchst auf jeden fall nen space für bilder..
geht imageshack nit über proxy?


Markus (29.9.10 17:59)
Doch geht, aber ich muss ma gucken wie hoch mein Upload ist.

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