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Da war doch was...

Nihao ihr Westler,

endlich mal Zeit und Muße ein Blog einzurichten.

Ich werde in den nächsten Tagen versuchen nach und nach die Ereignisse der letzten Wochen nachzuarbeiten um dann hoffentlich bald auf dem aktuellen Stand zu sein. Dann fang ich am besten gleich mal ohne Umschweife an.

 

Donnerstag, 26.08.2010

Tag der Abreise. Meine Eltern fuhren früh morgens mit mir zum Frankfurter Flughafen. Die Tage zuvor hatte sich mir schon der Magen zusammen gezogen, als ich mich nach und nach von Freunden und Bekannten verabschiedet hatte. Eigentlich hatte mir die Aussicht auf zehn Monate Fremde nicht so viel Sorgen bereitet wie gedacht, aber als wir dann das Haus verlassen hatten, uns ins Auto setzten und los fuhren, wollte ich am liebsten wieder aussteigen und alles abblasen. Diesen Drang konnte ich unterdrücken, die Tränen aber nicht.

In diesem Moment wurde mir erst so richtig klar, dass ich dieses Haus, in dem ich den überwiegenden Teil meines Lebens verbracht hatte (seit 1994), für fast ein ganzes Jahr nicht sehen würde. Und mit dem Haus meine Eltern, Freunde, Verwandten, mein Zimmer, alles was man für selbstverständlich und normal ansieht.

Ich war nie sehr weit von zuhause weggegangen, immer nur in die Nachbarländer, und immer nur für höchstens zwei Wochen. Auch während des Semesters kam ich alle zwei, drei Wochen nach Hause, oft genug mehrere Wochenenden hintereinander.

Und jetzt sollte ich auf einmal bis nächsten Juli 10.000 Kilometer weit weg sein.

Ich bin ja kein reisefreudiger Mensch, ich ziehe zwei gemütliche Wochen zuhause jedem Urlaub vor, das ist angenehmer in meinen Augen; Urlaub ist für mich irgendwie immer mit Stress verbunden.

Umso härter traf es mich jetzt, sogar während ich das hier schreibe muss ich mit mir kämpfen – ist auch erst drei Wochen her.

Am Flughafen angekommen ging es dann aber, die Aufregung überspielte erstmal alles andere. Dort trafen wir dann auch Björn, den ich über das Stipendium kennen gelernt hatte und mit dem ich zusammen nach China flog. Beim Einchecken bei Etihad Airways stellte sich heraus, dass unser Gepäck etwas zu schwer war. Der Angestellte meinte „Wir sind da kulant, aber in China sind die hart, damit sie Bescheid wissen.“ Später sollte sich heraus stellen, dass denen das dort genauso egal ist.

Um 10:30 war es dann soweit – einchecken. Die letzte Möglichkeit alles noch abzusagen und nach Hause zu gehen. Aber das wäre zu diesem Zeitpunkt völliger Schwachsinn gewesen. Also verabschiedete ich mich von Mama und Papa. Ich konnte mich dieses Mal beherrschen, Mama weinte, Papa wie immer knallhart (Spaß ).

11:15. Endlich hob das Flugzeug ab. Wir flogen zuerst über Abu Dhabi nach Beijing, wo wir drei Tage bleiben sollten um dann nach Kunming, unserem eigentlichen Ziel, weiter zu reisen. So ein Langstreckenflug ist doch recht angenehm – wenn man nicht gerade schlafen will. Jeder hatte einen eigenen LCD-Screen und Kopfhörer und man konnte Filme und Serien gucken, Musik hören und sogar Spiele zocken. Ich hab mir im Laufe der Reise Iron Man 2, Shrek 4 und Kick Ass reingezogen (wohl gemerkt: alles top aktuelle Filme zu dem Zeitpunkt) und zum einschlafen Bach gehört.

Das Essen war auch nicht schlecht, war ja mein erster langer Flug, also hab ich da keine Vergleichswerte, aber mir hat es jedenfalls geschmeckt. In Abu Dhabi hatten wir nur zwei Stunden Aufenthalt und danach direkt weiter nach Beijing.


27.08.

Ankunft in Beijing um 8:00 morgens...oder so, weiß nicht mehr genau.

Erste Überraschung: Absolut lockere Einreise. Ich dachte wir würden erstmal ordentlich ausgefragt und unser Gepäck komplett durchsucht...nö. Einmal Pass und Visum gecheckt, Gepäck geholt und fertig.

Also erstmal ein bisschen Geld gewechselt, 270€, Wechselkurs 7,931 (nich so top, aktuell bei ca. 8,6), machte 2081,37 Yuan. Stand ich da also mit meinen 20 Hundertern (größter Schein, wegen Falschgeldgefahr gibt es keine größeren) und musste die irgendwie in mein Portemonnaie stopfen. Dann sind wir runter zu den Taxis, ich hatte ein Hostel gebucht und da mussten wir jetzt irgendwie hin. Hatte aber Wegbeschreibung und Karte ausgedruckt, sollte also kein Problem sein. Der Reiseführer in Buchform hatte vor der 'Taxi-Mafia' gewarnt, die horrende Preise verlangt, man solle nur mit den Gewerkschaftstaxis fahren. Nur wie erkennt man Betrüger? Als wir an den Taxis ankamen, sprach uns sofort einer an „Wo wollt ihr hin?“ Als wir es ihm zeigten meinte er „300 Kuai“ ('Kuai' ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Yuan). Dreihundert Kuai sind etwa 35€, für deutsche Verhältnisse ok bei zwei Personen mit soviel Gepäck wie wir es hatten. Aber für China viel zu teuer, das wussten wir. Damit war dann schonmal klar, dass es sich hier um eben diese Mafiosi handelte, die ahnungslosen Touristen das Geld aus der Tasche ziehen wollen.

Als wir dann einen Moment lang etwas ratlos da standen, sprach uns ein ordentlich aussehender Taxifahrer hin. Wir erklärten ihm wo es hingehen sollte und ich fragte nach dem Preis. Daraufhin sagte er „Da biao“ - Taxameter. Das war das Zauberwörtchen, also stiegen wir ein. Ich saß vorne, für den Fall, dass irgendwas auf Chinesisch gesprochen werden musste. Björn hatte erst ein Jahr Chinesisch gelernt, und das auch nur als studienbegleitende Fremdsprache, also nicht wie ich im Hauptfach. Bis wir in der Innenstadt waren wurde aber kein Wort gesagt. Ich wusste nicht worüber ich mit dem Fahrer hätte reden sollen und er dachte wohl wir könnten kaum Chinesisch.

Was mir sofort auffiel war die Fahrweise der Chinesen. Wenn es Regeln gibt, dann werden sie gekonnt ignoriert. Überholt wird wo Platz ist, egal ob rechts oder links; Spuren sind offenbar nur zur Deko da, gebremst wird erst kurz vor dem Zusammenstoß; Reißverschlussverfahren Fehlanzeige, jeder ist sich selbst der nächste. Und gehupt wird was das Zeug hält. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Hupen hierzulande hauptsächlich dazu da ist, um im Verkehrschaos auf sich aufmerksam zu machen – im Sinne von „Achtung, ich komme, macht Platz!“

Nach ganzen 45 Minuten und über 30km (alles Beijing!) waren wir am Ziel – für 110 Yuan, knapp ein Drittel dessen was die Mafia von uns wollte. Dann haben wir schnell unser Zimmer bezogen um uns endlich unserer Gepäcklast entledigen zu können. Das Bad und der Boden hätten ruhig etwas sauberer sein können, aber ansonsten war es ganz in Ordnung. Witzigerweise durfte man Klopapier nicht ins Klo werfen, weil das sonst hätte kaputt gehen können. Also ab in den Mülleimer damit. Lecker! Das war in dem Moment aber auch egal, denn zunächst gab es nur mal eines: Müdigkeit, unendliche Müdigkeit. Ich hatte gehofft den Jetlag umgehen zu können, indem ich die letzte Nacht in Deutschland durchgemacht hatte und dafür im Flugzeug mehr schlief...so war jedenfalls der Plan – Naja, Versagt!

Wir wollten eigentlich gleich die Umgebung erkunden, aber es ging einfach nicht.

Also haben wir uns ein bisschen hingelegt, war ja auch erst elf Uhr morgens. Um vier sind wir dann wieder aufgewacht, viel später als geplant. Und kaum erholt gefühlt. Dennoch haben wir uns aufgerafft, um wenigstens noch ein bisschen was zu sehen an dem Tag.

Den Standort des Hostels konnte man wirklich als optimal bezeichnen. Es befand sich mitten in einem belebten Viertel, das genauso aussah, wie man sich die Chinatowns immer vorstellt. Alles ein bisschen eng, alle Häuser aus Ziegelsteinen, viele Straßenverkäufer und Stände, Restaurants, Geschäfte, nachts Festbeleuchtung. Ganz in der Nähe eine Prunkstraße, die zu einem großen Tor und dahinter zum Tian'anmen-Platz und zur Verbotenen Stadt führt. Weiter als bis zu besagtem Tor sind wir aber an diesem Abend nicht gekommen, hätte sich von der Zeit her auch gar nicht mehr gelohnt. Wir haben uns lieber noch ein bisschen im Viertel umgesehen und Wasser gekauft, denn in China darf man kein Leitungswasser trinken. Am Anfang haben wir es nicht einmal zum Zähneputzen genutzt, mittlerweile aber schon.

Björn ist dann noch etwas Essen gegangen, ich war dafür zu müde und habe mich gleich hingelegt.

Soviel für heute,

greetz Markus

20.9.10 15:46


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