Startseite
  Über...
  Archiv
  Bilder
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Letztes Feedback



http://myblog.de/makai

Gratis bloggen bei
myblog.de





Fußball und stereotype Chinesen

Zwei Dinge, die mich wirklich aufregen an den Chinesen, ist zum einen die ewige Rumspuckerei. Von Jung bis Alt, egal ob Mann oder Frau, ständig rotzen die Leute auf die Straße. Und dabei holen sie es 'von ganz unten' hoch, das hört sich immer an als hätten die Krebs oder so. Es macht natürlich nicht jeder, im Schnitt wahrscheinlich sogar eher weniger als mehr, aber genug damit es einem Westler unangenehm auffällt.

Die andere Sache, die mich manchmal nervt, ist, dass man oft angestarrt wird. Nun leben in Kunming schon relativ viele Ausländer, sodass man eigentlich meinen könnte, die Menschen hier wären daran einigermaßen gewöhnt, aber dem ist wohl nicht so. Und es kommt ja auch immer darauf an, wie man angeguckt wird. Bei den Mädchen und jungen Frauen ist es ja mehr Neugier oder auch Interesse (der durchschnittliche chinesische Mann ist dann doch nicht wirklich gutaussehend ), aber bei den Typen und/oder alten Menschen fühlt man sich dann doch wie ein Tier im Zoo oder als hätte man ein ekelhaftes Ekzem im Gesicht.

Es gibt aber auch Situationen, wo ich mir das Lachen verkneifen muss, wie z.B. vor ein paar Tagen:

Nach dem Fußballspielen wollte ich mir an meinem Stammrestaurant an der Ecke was zu Essen mitnehmen. Nun hatte ich noch Trikot und Shorts an und es war alles voll, sodass ich im Stehen warten musste. Die ungläubigen Blicke der Leute waren zum Totlachen, ich hatte auch noch ein Baguette, das aus dem Rucksack herausragte. Die Story haben die bestimmt alle in ihrem Bekanntenkreis verbreitet.

A propos Fußball, wir (Björn, Chris, Hanno und ich) haben uns ja vor zwei Wochen (8.10.) das Spiel China gegen Syrien angetan.

Es hat geregnet wie aus Kübeln, wir haben erst einmal etwa zwei Stunden gebraucht um überhaupt das Stadion zu erreichen. Alle Straßen waren hoffnungslos verstopft, weswegen uns kein Taxi mitnehmen wollte und wir letztendlich den Bus nehmen mussten, der natürlich sowieso überfüllt war. Ein paar Stationen vor unserem Ziel sind wir dann ausgestiegen, weil wir es nicht mehr aushielten und zu Fuß auch nicht viel langsamer waren.

Nach kurzer Suche fanden wir das Stadion und kauften uns Karten auf der Gegentribüne, genau in der Mitte für unfassbare 4,50 Euro – was für ein Wucher.

Am Eingang zu unserem Block wurden wir dann gebeten uns unserer Schirme zu entledigen, ergo sie wegzuschmeißen...ne, das ist sehr nett bei Nonstop-Regen. Zum Glück war das Stadion komplett überdacht und mein Schirm war nach dem Spiel auch noch in der Ecke, in die ich ihn zuvor geschmissen hatte.

Das Stadion fasst so an die 30.000 Zuschauer würde ich sagen, anwesend waren aber vielleicht gerade mal 3000, wenn überhaupt – sehr schwach. Die haben dafür aber richtig gut Stimmung gemacht.

Das Spiel selbst war dann eine einzige Schlammschlacht, es gab mehr Pfützen als Rasen und dementsprechend viele Pässe oder engagierte Antritte sind denn auch stecken geblieben. China gewann am Ende verdient mit 2:1.

Natürlich gab es dort keine Stadionwurst oder Bier, nur komische Kekse und sonstigen Süßkram und Wasser...und auch die Vuvuzelas haben hier leider die WM überlebt.

Aber alles in allem war es ganz lustig und in der Nacht krönte unsere Nationalelf das ganze dann mit dem 3:0 gegen die Türkei. :D

Samstagabend sind wir dann ausnahmsweise mal wieder nach Kundu gegangen. Ich hatte zuerst gar keine Lust drauf, bin dann aber später nachgekommen. Zwei Chinesen, die Björn irgendwo kennen gelernt hatte, waren auch dabei: Thomas, ein Deutschlehrer, mitte 30 (und noch bei Mutti wohnhaft, wie sich später heraustellte), bei dem ich immer noch nicht weiß was ich von ihm halten soll, und Cage, ein Student, etwa unser Alter, auch ziemlich komisch, aber im Grunde ein netter Kerl. War wieder ein lustiger Abend, in einem Nachtclub wurden wir von Hostessen geradezu belagert. Der Preis für den schmierigsten Spruch des Abends ging dann an Thomas, als er zu mir meinte „Du darfst sie ruhig anfassen“ und dabei einer der Hostessen genüsslich auf den Po klatschte.

Da ist es mir so ein biiiiisschen vergangen, und genau deswegen denke ich verabscheue ich den Typ eher als dass ich ihn mag. Denn vom Charakter her wäre er ein perfekter Kader und/oder ein hohes Tier in einer Firma bzw. ein perfektes Beispiel für das, was man den Chinesen oft vorwirft. Vordergründig freundlich und hilfsbereit, aber lass ihn ein paar Bier trinken und die Fassade bröckelt.

Vorgestern waren er und Cage wieder dabei und morgens um vier waren die beiden, Björn und ich Reisnudelsuppe essen. Cage ist eher ein ruhiger Typ, aber Thomas hat uns (unbewusst) seine schlechte Seite gezeigt. Er hat geredet und geredet, wie toll Deutschland ist (er hat auch dort studiert) und deutsche Autos und wie er den Deutschen hier die gleiche Hilfe zukommen lassen will, die ihm dort widerfahren ist, und wie er Kontakt zum deutschen Konsul hat und blablabla. Hat sich ganz groß aussehen lassen, von wegen er sei der beste Deutschlehrer in der Gegend, ich dachte mir die ganze Zeit nur „Junge, komm mal runter, vorhin meintest du noch, du bringst den Leuten stundenlang das ABC bei und viele raffen es trotzdem nicht“.

Es kam aber noch besser, er kam dann darauf zu sprechen, dass die Franzosen hier gar nicht so beliebt wären (Yunnan war französische Kolonie), Deutsche wären viel besser, Hitler hätte damals vielen Chinesen geholfen und die erste Autobahn und ach und hie und da. Es wurde echt lächerlich, ich wäre am liebsten aufgestanden und gegangen.

Und von wegen Franzosen und unbeliebt, die verkaufen Waffen an Taiwan. Und der Sarkozy hat ja dem Dalai Lama die Hand geschüttelt, das ginge ja gar nicht. Als wir dann meinten, dass Frau Merkel das auch getan hat, meinte er nur „ja, das war ja nur einmal, aber der Sarkozy immer wieder“...was für ein Bullshit.

Dann meinte er noch, dass hier viele Leute sagen, man solle bloß nicht bei Carrefour einkaufen gehen, weil das ja ein französischer Laden ist – das wir da auch einkaufen gehen könnten ist ihm wohl nicht in den Sinn gekommen.

Und natürlich mag er auch die Japaner nicht, und er erzählte uns, wie es in Großstädten immer wieder Paraden mit antijapanischem Inhalt gibt, und es schien als fände er das ziemlich gut.

Ironischerweise hatte ich am Nachmittag des gleichen Tages eine Unterhaltung mit Chris, von wegen wie sinnlos es für unsere Generation(en) ist bzw. wäre, einander für etwas zu hassen von dem wir nur aus Büchern und Filmen wissen. Ich frage mich, was Thomas wohl darauf geantwortet hätte, wahrscheinlich etwas ähnlich stichhaltiges wie bei Merkel und dem Dalai Lama.

Also eigentlich müsste ich den Mann hassen, aber er ist halt eindeutig ein Opfer der kommunistischen Propaganda, von daher ist es zumindest nur zum Teil seine Schuld, dass er so ist wie er eben ist. Für nächsten Freitag sind wir in seinem Büro zum Hotpot Essen eingeladen, Chris sollen wir auch Bescheid sagen...aber hey, ist der nicht Franzose? Sowas aber auch...


Doch nun zu etwas völlig anderem: Ich hab mir 'nen neuen Fernseher und PS3 Slim in weiß gekauft...sieht Hammer aus. :D Hab für die PS3 zwar in etwa das bezahlt, was sie auch in Deutschland kostet, aber hey. Leider warte ich nun immer noch auf Fifa11. Hab extra Lieferung per Fedex bestellt, damit es schneller geht, aber jetzt ist es schon bald eine Woche her und immer noch nix, auch die Tracking Number bringt keine Ergebnisse. Naja, hab denen mal geschrieben, mal sehen was sie sagen.

Was war sonst noch so...ach ja. Das Ganze letzte Wochenende, von Donnerstag bis Montag Nacht, hatte ich die Wohnung für mich, weil Björn in Beijing auf einem Treffen des DAAD (da haben wir unser Stipendium her) war. Ich hätte auch hinfliegen können, aber das ganze wäre ziemlich durchgeplant gewesen. Und außerdem wollte ich mir die Chance auf ein paar ruhige Tage nicht entgehen lassen. War denn auch sehr erholsam...mehr oder weniger jedenfalls, denn ich war jeden Tag mit Chris unterwegs, Freitag in Kundu, Samstag Essen, Sonntag dann PS3 kaufen. Der Junge kann einfach keinen Tag still sitzen. Ok, die Festplatte seines PCs hat den Geist aufgegeben, da wüsste ich dann auch nix mit mir anzufangen. ^^

Donnerstag und Freitag dieser bzw. letzter Woche haben wir jeweils Fußball gespielt. Am Freitag war Chris das erste Mal dabei. Wir sind ein bisschen früher hin als die anderen, weil Chris meinte er habe seit Jahren nicht gespielt und müsse erstmal wieder ein Gefühl für den Ball bekommen. Das bekam er dann auch ziemlich schnell, war aber auch genauso fix aus der Puste, nämlich schon nach 15 Minuten aufwärmen...tja, hätte er mal lieber eher das Rauchen sein gelassen.

Ich hab an dem Tag leider den Gomez gegeben, indem ich drei Megachancen verballert hab, zweimal davon aufs leere Tor. Die sind aber auch echt zu klein, vielleicht gerade mal einen halben Meter hoch, mit Kreide auf die Wand gemalt. Da muss ich mit meiner Luca-Toni-Technik – 'egal wie, Hauptsache drin' – erstmal drauf klar kommen. Aber wenigstens hab ich am Ende Chris schön den letzten Treffer des Tages aufgelegt.

Übrigens hat an den beiden Tagen auch eine Amerikanerin mitgespielt, die gar nicht mal so schlecht war und auch gar nicht mal so schlecht aussah.

Dann noch ein paar Takte zum Essen. Wir waren in letzter Zeit häufig mit vielen Leuten zu Mittag essen. Einmal waren wir Jiaozi essen, das sind mit Fleisch und/oder Gemüse gefüllte Teigtaschen. Die tunkt man in eine Soja-Essig-Scharfes-Zeug-Soße und isst die dann so ohne weitere Beilage. Sehr lecker kann ich nur sagen, wir hatten zwei Varianten, einmal einfach nur gekocht und dann noch in der Pfanne gebraten mit knuspriger Kruste.

Dann waren wir noch ein paar Mal mit den Koreanern unserer Klasse essen. Beim ersten Mal hab ich mir von einem etwas typisch Koreanisches empfehlen lassen. Es entpuppte sich als sehr salzige Tofusuppe mit Muscheln und Reis. Eigentlich bin ich nicht so der Tofufan, aber in der Suppe war das gar nicht mal so schlecht.

Beim zweiten Mal in der letzten Woche hatten wir richtiges Asiafeeling, denn wir saßen an einem niedrigen Tisch im Schneidersitz, komplett mit Schuhe ausziehen und Sitzkissen – sehr cool. Ich hatte Curry. Ich hatte schon bedenken, dass es extrem scharf wäre, war dann aber im Endeffekt sogar etwas zu mild für meinen Geschmack.

24.10.10 15:25


Werbung


Eintrag, für den mir kein Titel eingefallen ist

So, nun ein wirklich zusammenfassender Eintrag, damit es gleich darauf mit Aktuellem weiter gehen kann.

Ich glaube ich war zuletzt bei unserem letzten Abend bei den Zhangs.

In der kommenden Woche waren wir also damit beschäftigt uns  mehr oder weniger alleine in Kunming zurecht zu finden. Professor Chang ging gleich am zweiten Tag mit uns zur nächsten Polizeistation zur Anmeldung und half uns dabei einen Internetanschluss zu bestellen, welcher schon am darauffolgenden Tag installiert wurde. Es war nicht ganz einfach dem Professor zu erklären, dass wir keine Kabel, sondern W-Lan wollten. Als der Internettyp zusammen mit dem Professor Mittwochmorgens kam, war ich alleine zuhause, weil Björn in der Schule war (eigentlich hatte der Unterricht schon am 01.09. begonnen, was uns aber natürlich keiner gesagt hatte).

Irgendwie habe ich aber geschafft dem Professor das ganze zu erklären und so haben wir nun W-Lan, wie es sich gehört.

Anfangs hatte der Chang übrigens die Angewohnheit, einfach in die Wohnung reinzukommen wann und wie es ihm passte. Wir dachten schon wir müssten mit ihm mal darüber reden, aber mittlerweile klingelt er zuerst.

Donnerstags bin ich dann zum ersten Mal in den Unterricht gegangen. Wir haben jeden Tag von halb neun bis zwölf und mittwochs nur bis zehn Uhr. Kann man sich also nicht beschweren.

Der Unterricht selbst ist auch ok, eigentlich genauso wie ich ihn schon von meiner chinesischen Lehrerin Deutschland kenne. Die Grammatik ist im Grunde nur Wiederholung für mich, da ich das meiste schon im Grundstudium gelernt habe. Allerdings gibt es auch gar nicht so viel mehr Grammatik, ich frage mich was die Leute in den höheren Kursen machen. Naja, ich hätte wohl auch in einen höheren Kurs gehen können, aber die Lehrerinnen in meiner Stufe und die Mitschüler sind echt in Ordnung, von daher ist es schon ok so.

Das einzige, was ich absolut nicht ausstehen kann, ist Hörverständnis. Wir haben drei verschiedene Kursarten: Grammatik, Aussprache (was aber irgendwie fast das gleiche wie Grammatik ist) und eben Hörverständnis. Bei letzterem sitzen wir 90 Minuten da, hören uns irgendwelche Dialoge in grandioser Hörkassettenqualität an, sprechen das ganze dann wie Roboter nach und beantworten Fragen dazu. Immer das gleiche Schema, Lektion für Lektion – grauenhaft. Am Anfang waren wir nur drei Leute in dem Kurs, weil es allen anderen zu schwer war und die in eine niedrigere Stufe gegangen sind. Da war es umso schlimmer, weil man ständig dran kam und sich fast durchgehend konzentrieren musste. Letzte Woche sind Gott sei dank ein paar Schüler hinzu gekommen, wodurch es um einiges erträglicher geworden ist, da man beim Nachsprechen auch mal unauffällig vor sich hinmurmeln kann.

Ansonsten kann ich mich aber wie gesagt wirklich nicht beklagen. Es stört auch niemanden, wenn man öfters mal einen Tag lang fehlt. Erst ab drei Tagen hintereinander soll man der Vertrauenslehrerin Bescheid geben – was man auch im Voraus machen kann, wenn man z.B. übers Wochenende verreisen will. Ich schätze mal solange man nicht drei Tage die Woche fehlt und die Klausuren mitschreibt wird man hier keine Probleme bekommen.

Meine Mitschüler sind wie schon erwähnt mehr als erträglich und ich habe auch in anderen Klassen Leute gefunden, mit denen ich richtig gut auskomme. Da wäre z.B. Hanno, ein weiterer Deutscher. Mit ihm und den Vietnamesen aus seinem Wohnheim gehe ich immer Fußball spielen. Außerdem gehe ich mit ihm, Lena (Österreich) und Florent (Frankreich) oft Mittag essen.

Dann hätten wir Liam, einen Australier, ein echt netter Kerl, den man einfach mögen muss. Inzwischen spielt er auch mit uns Fußball, ich glaube aber dennoch, dass er schwul ist – was ja nicht schlimm ist, einfach nur eine Feststellung. Jedenfalls kam er letztens in Pyjamahosen in die Schule und als ich einmal in seiner WG war für 'nen DVD-Abend, saß er auch im Pyjama da und war einen Schal am Stricken...wobei ihm Ralph/Ralf (Österreich) half, der offensichtlich besser darin war und ebenfalls den ganzen Abend im Pyjama und mit einem Handtuch um den Kopf da saß. Wie gesagt, ist mir ja egal, wie die beiden drauf sind, nette Menschen sind sie allemal.

Zuletzt möchte ich an dieser Stelle noch Chris(tophe) erwähnen, ebenfalls ein Franzose, mit dem ich mich auch sehr gut verstehe. Er ist 26 und hat schon einiges erlebt, ist auch schon seit zwei Jahren in China, hat aber erst jetzt so wirklich angefangen die Sprache zu lernen (ist deswegen auch in Björns Klasse). Er isst lieber westliches Essen als chinesisches, was ich ziemlich witzig finde. Es gibt ein Café/Restaurant in der Nähe der Uni, was auf den simplen Namen „French Café“ hört und in dem Chris Stammgast ist. Die machen auch wirklich gutes westliches Essen und ich war jetzt auch schon einige Male dort, aber auf Dauer ist es schon ziemlich teuer – für chinesische Verhältnisse jedenfalls. Spaghetti Bolognese zum Beispiel kostet da 30 Yuan, eine Gemüsesuppe (die RICHTIG gut schmeckt) 16 und eine Cola 10, das sind also etwa 6,22€ für ein ordentliches Essen. Klar, in Deutschland würde man dafür locker 12-15 bezahlen, aber wenn man bedenkt, dass man hier in chinesischen Restaurants schon für unter einen Euro richtig satt wird, dann ist das schon viel. Ich mache mir aber trotzdem nie wirklich Gedanken um den Preis wenn ich im French Café esse.

Aber ich schweife ab, auf jeden Fall meinte Chris, wenn er nicht schon ein Zimmer hätte und das auch nicht schon für die nächsten vier Monate bezahlt wäre, würde er bei Björn und mir einziehen. Vielleicht ist unser drittes Zimmer ja in vier Monaten noch oder wieder frei, dann wäre das ja immer noch möglich. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen, denn Chris interessiert sich nicht nur für Fußball, sondern zockt auch gerne. Er hat sich in Shanghai eine Wii gekauft und wird auch gerne für die ein oder andere Fifa-Session vorbei kommen, sobald ich es denn habe. Immerhin wohnen wir schon jetzt nur sieben Minuten Fußweg voneinander entfernt.

A propos Fußball und Kondition: Was ich bisher ganz vergessen habe zu erwähnen ist, dass wir hier ja auf 1800 Metern Höhe liegen und dementsprechend wenig Sauerstoff in der Luft haben. So haben Björn und ich in den ersten Tagen auch schon nach einer halben Stunde rumlaufen zu Schnaufen angefangen, obwohl wir erst kurz vorher aufgestanden waren. Es war als würde man ständig in voller Militärmontur rumlaufen, unfassbar anstrengend. Jetzt hab ich mich aber schon daran gewöhnt. Und wenn ich zurück komme und wieder beim Cage Soccer mitmache habt ihr einen echten Olic.

Auch essenstechnisch habe ich mich so langsam hier eingelebt. Die ersten paar Tage hatten wir ein bisschen Probleme mit dem Einkaufen, weil wir mit dem Zeug, was es in chinesischen Supermärkten gibt, so gar nicht klar kamen. Aber dann haben wir einen Carrefour bei uns in der Nähe gefunden und dort gibt es einiges an importiertem Essen. Die Preise entsprechen denn auch in etwa denen bei uns und der Käse (richtiger Käse in Scheiben oder am Stück) ist sogar um einiges teurer, abgesehen von so Sandwichscheiben. Auch der abgepackte Schinken oder die Salami schmecken natürlich nicht so gut wie zuhause (der Bacon ist dafür klasse), aber es reicht fürs Frühstück oder ein schnelles Sandwich zwischendurch. Niemals kaufen sollte man die Würste, von denen es hier jede Menge verschiedene gibt und die alle wie lecker Leberwurst aussehen. Ich weiß nicht genau wie die gemacht werden, ich schätze aber mal ähnlich wie Fischstäbchen: Man nehme die Fleischreste der letzten Woche und presse alles zusammen...leider schmeckt das Ergebnis bei weitem nicht so gut wie besagtes Fischprodukt.

Sooo, das soll als Zusammenfassung erst einmal reichen. Ich werde ab jetzt nur noch aktuelle Einträge verfassen und vielleicht hier und da noch eine ältere Erinnerung einfließen lassen, immer wenn mir halt noch was einfällt.

17.10.10 18:56


Crying at the Discotheque

'Kurzer' aktueller Einschub, bevor es mit den 'alten' Erinnerungen weiter geht. ^^

Ich habe ja im Moment Ferien und war passend dazu direkt mal krank, Fieber und Durchfall/Bauchschmerzen.

Nun war ich schon kurz davor zum Arzt zu gehen, als ich Samstagabend einen Apfel aß und es mir danach schlagartig besser ging. Sonntag hatte ich dann auch keine Probleme mehr und so bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich wohl eine leichte Form von Skorbut hatte. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, hatte ich seit meinem Abflug nicht mehr wirklich Obst gegessen und auch keine Fruchtsäfte getrunken. Immer nur Reis und Fleisch und gekochtes Grünzeug und dazu meistens Wasser getrunken. Kein Wunder, wenn da die Vitamine fehlen.

Also hol ich mir ab jetzt immer Äpfel und Bananen und irgendwelche Säfte und dann läuft das.

Ich hab mir denn auch keine Pause gegönnt und bin noch am Sonntagabend mit Björn, dessen Sprachpartner Chuck (Chinese, die geben sich immer ausländische Namen) und noch Zweien von unserer Schule (Chris, ein Franzose und Xinni, eine Thailänderin) weggegangen.

Zuerst sind wir in eine Bar nahe der Uni gegangen und haben uns bei einem Bierchen gemütlich ein bisschen unterhalten. Wobei ich gar nicht so gemütlich saß, die Tische und Stühle im ersten Stock waren extrem niedrig – und dabei ist das eine Bar von und für Westler.

Danach haben wir uns dann ein bzw. zwei Taxis genommen und uns nach Kundu fahren lassen, dem bereits erwähnten Amüsierviertel.

Dort angekommen lotste Björn uns zu einem Schuppen, in dem er schonmal gewesen war und der ganz gut wäre. Der Laden gefiel mir auch ganz gut, es gab nur ein Problem: Wir waren so ziemlich die ersten Gäste, und es war schon halb elf oder so.

Egal, wir haben uns also hingesetzt und eine Runde Gin Tonic bestellt (mit Runde meine ich eine Flasche für alle, dazu Tonic in Dosen und jeder mixt sich selbst...20 Euro für alle zusammen glaube ich). Joa...eine Zeit lang war es dann so ein bisschen langweilig, weil nicht wirklich viele Leute kamen und die Stimmung somit ausblieb.

Schließlich wurde dann aber der Billardtisch frei und ich habe gegen einen Ami gespielt. Es lief am Anfang extrem gut, ich hab souverän eine Kugel nach der anderen versenkt und als ich noch eine plus die Schwarze hatte, waren es beim ihm noch ganze fünf. Dann erstmal absolut nichts getroffen und ihn rankommen lassen, hab dann am Ende aber gewonnen. Insgesamt hab ich ihn 3:0 abgezogen und einige richtig schöne Stöße dabei gehabt, mit Bande und wat weiß ich. Zwischendurch hatte er mal eine Freundin spielen lassen, an deren Niveau ich mich dann irgendwie angepasst hatte, aber ansonsten war ich sehr zufrieden mit meiner Leistung. :D

Nach meinem Triumph habe ich dann Björn das Feld überlassen (der gegen 'ne Frau verlor, pfff...) und mich wieder dem Alkohol gewidmet. Unser Chinese war mittlerweile kurz eingenickt – um halb zwölf...schon bitter – und so gegen zwölf, halb eins entschließen wir uns dann, die Location zu wechseln.

Wir sind also in einen Club ganz in der Nähe gegangen.

Die Musik im Laden davor war ja schon laut, aber hier musste man sich anschreien und hat sein Gegenüber dennoch nicht verstanden. Die Bedienung wusste nicht mal bei Chuck was er ihr sagen wollte, als es ums Bestellen der Getränke ging.

Und dann kam der Knaller, wir haben Shot-Gläser bekommen, eine Kanne mit Eis darin und ein Dutzend Dosen Bier, welches dann in die Kanne und von da wiederum in die Gläser gefüllt wurde. Kurzum: Wir haben Bier aus Schnapsgläsern getrunken! Ich dachte ich werd' nicht mehr, wir sind doch hier nicht im Kindergarten! Da wir ein Glas zu viel hatten, hab ich mir das dann noch zusätzlich genommen, damit ich überhaupt was davon hatte.

Wenigstens war der Laden gerammelt voll und die Musik war auch gar nicht so schlecht.

Nachdem wir eine Weile da so rumstanden, dachte ich mir „komm, reden is' hier sowieso nicht, jetzt wird gedanct“. Also Xinni gefragt ob sie tanzen will und ab dafür.

Merke: Frauen, egal aus welchem Land und was sie zuvor gesagt haben mögen, wollen immer tanzen. Punkt.

Timo (Kumpel aus Trier für die, die es nicht wissen) hatte mir mal erzählt, dass es in China unmöglich sei, sich auf der Tanzfläche zu blamieren, da die meisten Chinesen ziemlich abspacken würden (zu gut Deutsch: sie können es nicht). Wie recht er doch hatte, jedenfalls auf die Männer trifft das oft zu. Da fiel sogar Björn kaum auf, der schon ziemlich betrunken war und auch dementsprechend tanzte.

Ein bisschen später hab ich dann bemerkt, wie so ein Chinese Xinni ziemlich aufdringlich angetanzt hat. Und da mir ihre Gestik verriet, dass ihr das so gar nicht recht war, hab ich ihn kurzerhand angetippt und ihm mit einer eindeutigen Handbewegung deutlich gemacht, dass er sich verziehen soll. Das hat er dann auch umgehend gemacht.

Ich denke man kann sich vorstellen wie un-fass-bar cool ich mir vorkam. Ich hätte wohl genauso gut eine auf's Maul bekommen können. Aber der Typ war kleiner als ich (wie fast alle hier) und ich hatte mein 'Ich bin Westler, leg dich nicht mit mir an'-Gesicht aufgesetzt, von daher war das Risiko nicht allzu groß denke ich. :D

Wir blieben dann noch in jener Disco bis die Musik aus und das Licht an ging. War so halb sechs Uhr morgens.

Als wir rauskamen mussten wir auf Björn warten, der auf einmal 'ne Chinesin an sich hängen hatte. Nach kurzer Diskussion haben wir ihn dann mit ihr alleine gelassen und ein Taxi nach Hause genommen.

Am Metallurgy Institute angekommen, dachten Chuck und ich, dass es wohl gar keine so gute Idee war, Björn zurück zu lassen, da er doch sehr betrunken war und wir außerdem den Verdacht hatten, dass die Chinesin ein leichtes Mädchen war. Also rief ich ihn an, fragte ob alles in Ordnung wäre und sagte, dass er in ein Taxi steigen und sie irgendwie los werden sollte. Das hatte dann auch letztendlich funktioniert und Björn meinte am nächsten Morgen, dass es wohl besser so gewesen wäre.

Am nächsten Tag waren wir denn auch entsprechend fertig und haben nicht wirklich viel gemacht.

Dienstag bin ich auch wieder erst um drei aufgestanden, Björn war nicht da.

Als er abends wieder kam (war wandern mit irgendwelchen Chinesen), fragte er ob ich noch was vorhätte, Chris wolle wieder in einen Club gehen.

Ich hatte eigentlich nicht soooo viel Lust, dachte mir aber was soll's.

Also wieder mit Chris und Xinni nach Kundu.

Dieses mal waren wir in einen Club namens „Apple-Bar“ gegangen, wo die Empfangsdamen und -herren aus welchem Grund auch immer in blauen Mao-Anzügen rumliefen.

Es war auch ziemlich teuer dort und es hatte wieder eine ganze Weile gedauert, bis wir was zu trinken hatten. Dafür gab es aufwändig gestalteten Obstteller dazu und ein Rahmenprogramm mit Livegesang und jonglierenden Barkeepern.

Nach kurzer Zeit wurde ich von einer Chinesin angesprochen, von wegen ich wäre „very handsome“. Es war mal wieder ziemlich laut und als nächstes hatte ich nur etwas mit 'motel' verstanden. Ich dachte mir nur ok, die lässt ja nichts anbrennen. Da ich mir aber nicht sicher war, fragte ich noch zweimal nach. Schließlich buchstabierte sie dann: m-o-d-e-l.

Fast das gleiche, aber sie fragte mich ob ich nicht modeln wolle!

Das war noch witziger als mein erster Gedanke, weil einfach völlig unerwartet.

Ich sagte ich hätte so etwas noch nie gemacht, aber wenn die Bezahlung stimmt, warum nicht. Wir tauschten also Kontaktdaten aus und sie fragte danach auch noch Chris – Björn nicht, eine Runde Mitleid bitte. Sie blieb dann auch noch eine ganze Weile an unserem Tisch, gab uns eine Runde Bier aus und wir unterhielten uns. Es stand auch noch ein Chinese bei uns, ich wusste aber nicht genau wieso und irgendwann war der auch wieder weg. Mu Yan (die Chinesin) meinte, als sie auch ging, dass sie uns am kommenden Morgen gegen halb zwölf anrufen würde.

Wir sind kurz darauf auf gegangen und wieder in die Disko vom Vortag. Dieses Mal gab's das Bier immerhin schon in größeren Whiskeygläsern. Vielleicht bekommen wir da ja irgendwann mal richtige Biergläser, wenn es so weiter geht.

Naja, wir haben dann wieder getanzt und bla, war aber nicht so lustig wie am Sonntag.

Obwohl einmal musste ich sau lachen, als mir so ein oder zwei Typen in Anzug und Mantel auf der Tanzfläche aufgefallen sind, die mit Händen in den Jackentaschen da standen und einfach überhaupt nicht ins Bild passten. Und nein Ahmet, es waren bestimmt keine Regierungsspitzel, dafür sahen die viel zu affig aus. :P

Es ward dann doch wieder fünf Uhr als wir nach Hause kamen und ich kam wieder nicht vor sechs ins Bett.

Um Elf klingelte dann mein Wecker und ich wartete im Halbschlaf auf Mu Yans Anruf. Der kam denn auch umgehend und Chris und ich trafen uns mit ihr um ein Uhr in der Stadt.

Wir aßen zuerst zu Mittag und nahmen dann ein Taxi zu dem Designerstudio, für das wir arbeiten sollten. Dort trafen wir dann noch einen Amerikaner, der auch 'rekrutiert' worden war.

Dann sollten wir unsere Größen aufschreiben, aber keiner von uns wusste genau was er ankreuzen sollte, da in China ja alles etwas anders ist.

Mu Yan erklärte uns dann, dass am Freitag eine Modenschau wäre, eine Stunde von Kunming entfernt. Es würde von morgens acht Uhr bis abends dauern und wir müssten fünf Mal auf den Laufsteg mit jeweils 2 bis 3 Mal Kleidung wechseln.

Das wichtigste war aber immer noch nicht geklärt, und zwar unsere Bezahlung. Sie versuchte die Managerin zu erreichen, die war allerdings gerade im Krankenhaus und so würde sie uns am nächsten Tag Bescheid geben.

Als wir dort fertig waren bin ich noch ein bisschen in der Stadt rumgelaufen und habe einen bestimmten Elekronikladen gesucht, zwecks Fernseherkauf.

Ich fand ihn schließlich und ging in den zweiten Stock – alles voller Fernseher, die Abteilungen in Media Markt oder Saturn sind ein Witz dagegen.

Ich wurde natürlich wieder direkt angesprochen, sofort waren zwei bis drei Verkäufer an mir dran, die aber wohl eher an mir als Westler denn als Kunde interessiert waren.

Sie boten mir einen Sitzplatz und eine Flasche Wasser an und begannen sich mit mir zu unterhalten, wo ich herkäme und so weiter und so fort.

Übrigens habe ich in den letzten Tagen wer weiß wie oft „德国好极了!“ (deguo haojile!; Deutschland ist super!) oder ähnliches gehört. Wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt, ist man sofort der King.

Ich habe dann ganze zwei Stunden bei denen verbracht, weil es einfach Spaß gemacht hat, sich mit denen zu unterhalten und ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Mit einem, Jing Hong, habe ich mich besonders gut verstanden, er sprach auch ziemlich gut Englisch. Zwischendurch hab ich mir von ihm dann auch ein oder zwei Fernseher zeigen lassen. Am Ende haben wir sogar Telefonnummern ausgetauscht...so kann's gehen. Leider meinte er, dass er am Samstag nach Shenzhen zurück geht, aber da er erwähnte, dass er in Zukunft bei dem Laden hier arbeiten würde (war wohl ein Azubi), denke ich doch mal, dass er irgendwann zurück kommt.

Zum Abschied fragte er ob er mich umarmen dürfe, was ich irgendwie lustig und liebenswert zugleich fand.

Danach bin ich dann nach Hause und war wieder unglaublich ausgelaugt, aber sehr gut drauf.

Während ich diesen Eintrag geschrieben hatte, hat mir Mu Yan leider mitgeteilt, dass die Veranstaltung morgen aufgrund des schlechten Wetters ins Wasser fällt (es regnet jetzt seit knapp 20 Stunden ununterbrochen). Aber gut, dafür kann ich dann morgen Abend Fußball gucken gehen, die chinesische Nationalmannschaft spielt hier in Kunming gegen Syrien. Absolutes Topspiel! xD

7.10.10 13:31


Aktiviere Zeitraffer...

Wollte eigentlich gestern schon weiter schreiben, aber heeey, ich bin lieber krank geworden, passend zum Ferienbeginn. :/

Aber dafür endlich der erste etwas zusammenfassendere Eintrag. ^^

 

01.09.-05.09

Wir waren wieder auf Wohnungssuche. Irgendwas passt ja immer nicht, aber hier sind es immer mehrere Dinge. Entweder zu dreckig, zu unmöbliert, keine westliche Toilette, zu weit weg von irgendwas, im x-ten Stock usw. Schließlich betrachteten wir eine Wohnung auf dem Campus einer Hochschule – oder so, ich weiß immer noch nicht genau, welcher Einrichtung unseres Systems dieses 'Metallurgy Institute' entspricht. Die Wohnung gehörte einem Professor jener Schule, der dann auch unser Landlord und somit unser Ansprechpartner bei Problemen wäre, was Tina für positiv erachtete. Im Gegensatz zu den bisherigen Apartments war dieses denn auch überraschend sauber, vor allem die Wände sahen gut aus. Der Professor erklärte uns allerdings, dass das Rohrsystem nicht das allerneueste wäre und wir beim großen Geschäft mit einem Eimer Wasser nachhelfen müssten. Dafür hätten wir für Küche und Bad kostenlose Solarenergie und alternativ Gas, sollte die Sonnenkraft nicht ausreichen.

Alles in allem gefiel uns die Wohnung sehr gut und wir versprachen uns zu melden.

Abends gingen wir natürlich wieder essen. Und zwar in ein Pekingente-Restaurant. Laut Tina wäre die Ente hier sogar besser als die 'richtigen' in Beijing, und viele Geschäftspartner hätten ihr das auch schon bestätigt.

Was mich anbelangt, so kann ich nicht beurteilen ob es dort besser ist als in Beijing selbst, aber auf jeden Fall war es für mich persönlich der kulinarische Höhepunkt der Woche. Außer der Ente (keine ganze Ente natürlich ^^) selbst hatten wir noch jede Menge anderer Gerichte auf dem Tisch, darunter Eselsfleisch, was auch ganz gut geschmeckt hat.

Am Donnerstag haben wir zunächst Bettwäsche gekauft, in einem Laden, der eigentlich mehr ein Großhandel ist und an Hotels verkauft. Aber dank Tinas Beziehungen war das kein Problem.

Merke: In China geht nichts über Beziehungen.

Danach sind wir zum Maklerbüro vom Vortag gegangen. Wir hatten uns für die Wohnung des Professors entschieden und ließen uns eine Kopie des Mietvertrages geben, damit Tinas Mann ihn sich abends mal ansehen konnte. Außerdem legten wir die Wohnungsübergabe für Samstag fest.

Nach getaner 'Arbeit' sind wir dann mit dem Bus in die Innenstadt gefahren und Tina zeigte uns 'Kundu', das Nachtclubviertel Kunmings. Der Name setzt sich zusammen aus dem Zeichen kun von Kunming und du für Hauptstadt, bedeutet also soviel wie 'Hauptstadt Kunmings'. :D

Nachmittags holten wir noch unsere Gesundheitszeugnisse ab. Natürlich gab es keine Ungereimtheiten und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Untersuchungen auch eher oberflächlicher Natur waren.

Das Abendessen war irgendwie sehr westlich. Es gab so eine Art Fleischbällchen (selbstverständlich mit Knochen), Kartoffel...pfannenmatsch...schwer zu beschreiben, auf jeden Fall lecker, Mais und Erbsen und gebratene Kidneybohnen. Tina schrieb uns später die Namen dieser Gerichte auf, da es die in nahezu jedem Restaurant geben soll.

Freitags...tja...um ehrlich zu sein weiß ich nicht mehr so genau, was am Freitag abging. So schlecht ist es also schon um mein Erinnerungsvermögen bestellt.

Was ich noch weiß ist, dass wir zu einer Bank gegangen sind, um Geld abzuheben, da wir die Kaution und fünf Monatsmieten im Voraus UND die Provision für die Maklerin in Bar bezahlen mussten – zusammen schlappe 1500 Euro. Und natürlich wurde meine (bzw. Papas) Kreditkarte aus irgendeinem Grund nicht akzeptiert. Der Automat behauptete, die Pin wäre falsch, obwohl sie es zu 100% nicht war. Als ich es am nächsten Tag mit meiner EC-Karte probierte, funktionierte das komischerweise problemlos (dafür aber 4 Euro Gebühren pro Abbuchung...).

Was wir an dem Tag sonst noch gemacht haben weiß ich grad echt nicht mehr. Also weiter zu Samstag.

Tag der Wohnungsübergabe. Schon als wir vor der Wohnung standen, bemerkten wir etwas, was am Mittwoch nicht zu hören war: In der Fabrik gegenüber wurde gearbeitet. Und die Maschinen waren nicht gerade leise. Hatte der Professor wohl vergessen zu erwähnen...

Wir hatten aber die Möglichkeit uns umzuentscheiden, noch war ja nichts unterschrieben. Wir hielten es jedoch nicht für zu störend, also setzte Björn seinen Karl-Heinz unter den Mietvertrag. Eigentlich war das sinnlos, weil er ja kaum Chinesisch spricht und ich bisher mit Professor Chang auch eigentlich meistens geredet hab. Aber gut, so habe ich wenigstens nicht die Verantwortung. :P

Jedenfalls erklärte uns der Professor dann noch wie man von Solar auf Gas und umstellt und wie man die Tür verschließt. Das stellte sich nämlich als gar nicht so einfach heraus, da die Tür zwei Schlösser hat. Aber alles halb so wild, im Normalfall schließt man ja doch nur eines ab.

Ach ja, den etwas veralteten Fernseher (ich tippe 70er) erklärte er uns auch noch, und wie man den DVD-Player daran anschließt...um dann schwarz-weiß DVDs gucken zu können. Top. Da musste auf jeden Fall ein neues Gerät her.

Am Sonntag luden Tina und ihr Mann uns bei unserer neuen Wohnung ab. Wir hatten das Bettzeug und diverse Putzutensilien mitgebracht und machten uns gleich an die Arbeit. Oder so dachten wir uns das jedenfalls, aber dann standen wir erst einmal vor der Waschmaschine und wussten nicht weiter. Ich konnte zwar mit Hilfe eines Wörterbuchs die Bedeutungen der einzelnen Tasten entziffern, viel geholfen hatte uns das allerdings auch nicht. Es gab keinen Regler für die Temperatur, und Programme wie Fein-/Buntwäsche auch nicht. Also irgendwas eingestellt und los.

Als die Maschine durch war, sahen die Laken und Decken irgendwie weniger weiß aus als vorher, aber nach dem zweiten Waschgang war das schon besser.

Die Wäsche hängt man in China übrigens generell draußen auf. Jede Wohnung hat zu diesem Zweck irgendwo außen so eine Art Balkon, wo eine Stange hängt an die man die Wäsche dran hängt. Gut, den Balkon hat nicht jeder (nur Bonzen wie wir :D), aber eine Stange gibt’s immer irgendwo.

Als wir mit Putzen und Waschen fertig waren sind wir wieder zurück zu Tinas Wohnung und haben kurz darauf das vorerst letzte gemeinsame Abendessen mit den Zhangs eingenommen.

2.10.10 20:20


Whatever...

So, ab morgen habe ich eine Woche Ferien, da kann ich dann denke ich endlich auf den aktuellen Stand kommen. ^^

Ach ja, ich habe übrigens die Namen unserer 'Gönner' geändert, also wenn ihr euch fragt, wer diese Tina ist oder wer diese Zhangs sind, wisst ihr Bescheid.

 

31.08.

An jenem Tag waren wir zum ersten Mal an der Uni. Auf dem Weg dorthin ist mir wieder einmal der Verkehr aufgefallen. Die Hauptstraßen in Kunming haben vier Spuren: zwei für Autos, LKWs, etc., eine extra für Busse und eine für Fahrräder und E-bikes. Letztere gibt es sogar an jeder Straße, außer vielleicht in kleinen Nebenstraßen und Gassen. Von diesen E-bikes fahren unfassbar viele herum. Eigentlich sehr löblich, was mir an den Dingern aber gar nicht gefällt ist, dass man sie überhaupt nicht hört. Ich hatte schon die eine oder andere Situation, in der ich beinahe von hinten umgefahren wäre, weil ich einfach nichts gehört habe.

Aber zurück zur Uni. Dolles Ding, allerdings eher westlich geprägt, von der Architektur her jedenfalls. Als wir uns dann anmeldeten stellte sich aber leider heraus, dass die International School nicht auf dem Campus selbst ist, was ich ein bisschen schade fand. Ist zwar auch nur ein paar hundert Meter weiter, aber dennoch.

Uns wurde dann noch gesagt, dass wir zu dem in der Infobroschüre angegebenen Krankenhaus gehen sollten um die Gesundheitsuntersuchung zu machen. Auf unsere Frage, ob die unser teuer und zeitaufwendig in Deutschland angefertigtes Zeugnis akzeptiert würden, antwortete sie sie wisse es nicht.

Nach den Formalitäten trafen wir uns wieder mit Tina, die uns ein bisschen in der Umgebung der Uni herumführte. Wenn ich mich recht entsinne, haben wir dann auch direkt angefangen nach einer Wohnung zu suchen.

Hier gibt es überall Immobilienmakler – wirklich überall. Teilweise geht man an einem vorbei, biegt um die nächste Ecke und steht schon vor dem nächsten. Die darf man sich natürlich auch nicht wie bei uns vorstellen, das sind immer relativ kleine Büros, da ist mein Zimmer hier fast größer.

Tina hat für uns das Reden übernommen, ohne sie hätten wir das wohl kaum gebacken bekommen. Die erste Wohnung, die wir uns ansahen war...erschreckend. Zwei Zimmer, Bad, ein kurzer Flur, eine kleine Kochnische (deren Fenster zur Treppe außen zeigte, sodass die vorbeigehenden Leute reingucken konnten). Kaum möbliert, das Bad nicht sehr sauber, kurzum: Mist. Dafür war sie dann auch viel zu teuer, ich glaube 1800 Yuan (209€. Gut, sie lag günstig, fünf Minuten zur Uni und im Zentrum, aber hey.

Die zweite Wohnung war da schon um einiges besser, unweit der ersten. Drei Zimmer, Küche, Bad, Wohnzimmer, relativ sonnig. Aber: Zehnter Stock oder so, kein Aufzug und keine westliche Toilette, sondern nur so ein chinesisches Plumpsklo. Das Bad war auch nur so 5m² groß, alles ziemlich gedrängt, man hätte sich direkt zwischen Waschbecken und Klo geduscht, ohne jegliche Abtrennung. Das geilste war, Björn meinte, damit könne man ja noch leben...ähm, NEIN?!

Dann war erstmal Schluss mit Wohnung gucken.

Wir sind dann noch in ein Musem gegangen und haben uns eine kostenlose Daueraustellung über Yunnans früheste Geschichte angesehen. War sogar ziemlich interessant, es ging um ein Königreich, von dessen Existenz man erst vor kurzem erfahren hatte und welches man nun versuchte in die Geschichte einzuordnen.

Danach sind wir dann erstmal wieder nach Hause und später dann noch zu besagtem Krankenhaus.

Natürlich hat man unsere deutschen Dokumente nicht akzeptiert. Man will ja an uns Ausländern verdienen, wir haben es ja. Also mussten wir 50 Euro hinblättern und den ganzen Scheiß nochmal machen. Nur was in Deutschland mehrere Wochen und Besuche bei zwei bis drei Ärzten in Anspruch nahm, wurde hier innerhalb von 30 Minuten in ein und demselben Gebäude abgehandelt. Sehtest, Röntgen (ohne Schutzweste!), Ultraschall, Blutabnahme (Pflaster? Braucht keiner! Immerhin war es eine frische Nadel...). Am geilsten war die Urinprobe. Die Annahmestelle war im zweiten Stock, das nächste Stille Örtchen im dritten. Und selbstverständlich haben die nicht so praktische verschließbare Döschen wie bei uns, sodass ich beim runtergehen aufpassen musste, dass ich nichts verschütte.

Am Ende der ganzen Chose war ich ziemlich angepisst.

Wir sind dann wieder nach Hause und haben ein bisschen Boston Legal geguckt. Tina ist ein Fan der Serie und hat einige Staffeln auf DVD. Ich find sie auch nicht schlecht, also haben wir im Laufe der Woche zwei komplette Staffeln angesehen. :D

Abends sind wir dann Hühnchen essen gegangen. Aber nicht so ein schönes, knuspriges wie bei uns, was man sich dann selbst auseinander nimmt. Wir haben eine Riesenplatte hingestellt bekommen mit Hühnchenteilen. Natürlich war der ganze Spaß wieder sehr scharf, also haben wir noch ein Schälchen Sojasoße zur sprichwörtlichen Entschärfung des ganzen bekommen. Meistens hing das Fleisch auch noch am Knochen. Knorpel und sonstiges sind hier in China ganz normal, so ein richtig zartes Filet hab ich bisher noch nicht gesehen, hier wird nahezu alles verwertet. So habe ich denn auch an einem schwarzen Hühnerfuß rumgeknabbert (also richtig mit Krallen und so ^^). Tina meinte bei Geschäftsessen bekommt das immer nur der Chef. Es hat allerdings nicht viel hergegeben. Lecker war das Essen aber dennoch.

Wieder zurück wollte ich mal ein bisschen das Internet ausprobieren. Also Starcraft II gestartet und BAM „Ihr Account wurde gesperrt. Bitte wenden Sie sich an den Support.“ Geil, sobald man sich mit einer chinesischen IP einloggt wird der Account gesperrt, könnte ja ein Hacker sein. Finde ich eigentlich gut, hat auch nicht lange gedauert das ganze wieder zu entsperren. Ich bin aber mal gespannt, ob das gleiche passiert, wenn ich wieder nach Deutschland zurück komme.

29.9.10 18:10


Ihr kriegt mich nie!

Wieso sagt mir keiner, dass die Datumsangaben völlig falsch sind? ^^

So, der nächste Eintrag enthält einige unschöne Wahrheiten über China, weswegen ich ihn über nen Proxy einstelle, damit die Inet-Spitzel das auch ja nicht mitbekommen. xD

 

30.08.

Verglichen mit der Wohnung der Zhangs [Name geändert] kam mir das Hostel im Nachhinein wie die letzte Baracke vor. Sie befand sich im 12. Stock eines von mehreren Gebäuden in einem modernen Wohnkomplex und war selbst noch einmal zweistöckig. Björn und ich hatten unser Zimmer im unteren Stockwerk, direkt nebenan ein westliches Badezimmer mit pornöser Dusche (da fällt mir ein ich hab von der Wohnung gar keine Fotos gemacht...DUH!), welches wir für uns alleine hatten. Außerdem ein ziemlich großes Wohnzimmer mit Couches, Fernseher und nettem Ausblick.

Am ersten Morgen hat uns Tina (ihren richtigen chinesischen Namen weiß ich gar nicht) ein westliches Frühstuck gemacht mit Brot, Marmelade, Spiegelei, etc. Dabei hat sie uns einiges erzählt (sie erzählt gerne...), von wegen sie wolle uns ja nicht gleich am Anfang die Illusionen nehmen, aber wir würden von China enttäuscht sein. Da fällt mir ein, das hatte sie sogar schon am Abend zuvor von der Fahrt zum Flughafen zur Wohnung gesagt, und zwar als ich sagte, dass das Studium der Sinologie die Sprache, Geschichte und Kultur Chinas beinhaltet. Daraufhin hatte sie nämlich gemeint, Kultur gäbe es hier nicht mehr viel und es interessiere auch keinen (bezogen auf Chinesen).

Das führte sie dann beim und nach dem Frühstück weiter aus. Ich hatte ja hier auch schon mal erwähnt, dass viel Kulturgut zerstört worden ist, aber Tina ließ echt kein gutes Haar an ihrem eigenen Volk. Die meisten seien nur auf Profit aus und handeln nur wenn es für sie selbst von Vorteil ist. Wenn sie dann etwas Schlechtes tun hieße es „aber die anderen machen es doch auch“ (lustigerweise auch das Lieblingsmotto der Regierung) oder „ich habe ja keine andere Wahl“. Das belegte sie dann mit anschaulichen und erschreckenden Beispielen:

So gibt es z.B. vor der Notaufnahme in Krankenhäusern extra noch eine Schranke, an der man blechen muss um reinzukommen – sogar die Krankenwagen! Oder die Tatsache, dass man ohne Bares nicht behandelt wird, da kann man noch so gut versichert sein.

Sie erzählte von einem Mann, der bei einer Familienfeier zum chinesischen Neujahrsfest einen Herzinfarkt erlitt. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht und der diensthabende Arzt ließ nicht etwa umgehend eine Not-OP vorbereiten, sondern fragte die Angehörigen des Mannes, ob sie Geld hätten. Da aber viele Chinesen über die Feiertage kein Bargeld zuhause haben, konnten sie den Arzt nicht bezahlen. Hätte das nun nicht zufällig ein Unbeteiligter mitbekommen, der dann für die Kosten aufkam, hätte der Arzt den Mann an Ort und Stelle verrecken lassen. Den Hippokratischen Eid kennen die hier nicht, nur Geld zählt.

Die Geschichte hatte ja nun wenigstens ein Happy End und zeigt, dass es auch anders geht: Der Mann wurde wieder gesund und als die Familie dem Retter danken und ihm das Geld zurück zahlen wollte, bestand dieser darauf, dass sie das Geld behalten.

Eine andere Story: In China gibt es viele Minderheiten. Heißt also, dass sie nicht den Han (den eigentlichen Chinesen könnte man sagen, obwohl das mit Vorsicht zu genießen ist), sondern anderen Volksstämmen angehören, mit eigener Kultur und Traditionen und oft auch eigener, dem Hochchinesisch nur entfernt verwandten Sprache. Diese Minderheiten drohen nun zu verschwinden, da ihnen von der Regierung eben jene hochchinesische Sprache und Kultur aufgezwungen wird.

Im konkreten Beispiel ging es um eine Minderheit (Name vergessen), in der es üblich war/ist, dass sich Brüder immer gemeinschaftlich um eine Frau kümmern, also quasi polygamistisch – ich hoffe, ich hab das auch so richtig in Erinnerung. ^^ Dadurch, dass ihnen aber moderne westliche Werte und Moralvorstellungen 'angeraten' werden und sie sich mit den Han vermischen (müssen), droht dieses alte System auseinanderzubrechen und die Menschen ihre Identität zu verlieren.

Aber genug der Schauermärchen, jedenfalls meinte Tina, dass China jeden verändert – nicht unbedingt zum Guten – ,dass sie einige Westler kenne, die sich hier eher negativ verändert hätten und dass auch wir uns verändern würden (was ich vehement abstritt).

Dann hatten wir noch eine kleine Diskussion über die Zukunft des Kommunismus. Sie war der Meinung, dass das Regime für immer bestehen wird und ließ sich auch nicht von dieser Ansicht abbringen. Eine Basis für Veränderung und der Wille in der Bevölkerung würden gänzlich fehlen, dafür hätten die Kader gesorgt. Gegenbeispiele meinerseits – unsere eigene Vergangenheit, Romane und Filme wie Fahrenheit 451, Equilibrium, Matrix, etc. - konnten sie ebenfalls nicht umstimmen. Wenn alle Chinesen so stur sind, dachte ich mir, zu wissen, dass etwas falsch läuft aber sich lieber zuhause verkriechen und nur leise vor sich hin schimpfen anstatt was zu tun, dann kann das wirklich nichts werden. Die, die nicht so sind, verlassen wohl das Land und können dann auch nichts mehr tun. Bitter.

Ich bin mir auch immer noch nicht so ganz sicher, was ich von Tina nun genau halten soll. Sicher, sie hat uns unglaublich viel geholfen, ohne sie und ihren Mann hätten wir uns hier nicht so schnell zurecht gefunden. Aber diese Einstellung, ihr ewiges Lachen – sie lachte wirklich ständig und über alles, auch wenn sie im gleichen Atemzug „it's really awful“ sagte – haben mich die Woche über dann doch ziemlich aufgeregt.

Aber nun genug davon, ich komme irgendwie kaum voran.

Ich werde jetzt mal mehr zusammen fassend schreiben...oder es jedenfalls versuchen.

Also an diesem Montag ging sie gleich mit uns eine chinesische Handykarte kaufen, später fuhr ihr Mann uns zur nächsten Polizeistation, wo wir uns anmelden mussten. Abends sind wir dann in ein Restaurant gegangen, wie jeden folgenden Abend der Woche auch. Vor allem Herr Zhang wollte uns so viele Spezialitäten wie möglich zeigen, also haben wir kein einziges Mal zu Hause gegessen.

Am ersten Abend gingen wir also 'Hot Pot' essen. Sehr lecker, sehr gemeinschaftlich...und SEHR scharf. Ich hab geweint und mir lief der Rotz nur so aus der Nase. Man bekommt einen großen Pott mit Sud auf eine Flamme gestellt und bestellt dann diverse rohe Zutaten. Diese schmeißt man dann in den Topf oder tunkt sie mit den Stäbchen rein, wartet kurz und isst sie dann. Wie gesagt, sehr lecker, aber als erst mein zweites richtig chinesisches Essen schon ein Sprung ins kalte Wasser. Interessant war auch zu sehen, dass sich in unserer Nähe auffällig viele (weibliche) Kellner aufhielten und uns immer Tee nachgossen usw. An dem Abend meinte Tina noch das wäre normal, aber als sich das die darauffolgenden Tage stets wiederholte – vor allem in einem Restaurant, wo der Service angeblich nicht so gut sein sollte – korrigierte sie sich: „Why are they so attentive today? When I went with Estelle (Französin oder so) last time they didn't really care...aaaaah, I see, it's because you are boys!“ :D

Heute nicht ganz so viel, da das extrem anstrengend zu schreiben war.

 So far

24.9.10 18:53


Und weiter

Die Fotos müssen noch ein bisschen warten, hab hier nur 10Mb Speicherplatz und imageshack wird geblockt, mal sehen wie ich das mache. ^^

 

 

28.08.

Nach extrem erholsamem Schlaf – im Hostel war es angenehm ruhig – bin ich so um neun aufgewacht und hatte unfassbaren Hunger. Klar, hatte ich seit dem Frühstück im Flugzeug am Tag zuvor doch nichts mehr gegessen. Was macht also ein ob dem chinesischen Esssensangebot verunsicherter Westler? Rrrrrischtisch, er sucht sich den nächsten McDonalds und bestellt sich ein schönes großes Big Mac-Menü für umgerechnet 2,80€.

Derart gestärkt konnte es dann auch endlich richtig losgehen.

Also auf zum großen Torturm vom Vortag. Ich vergaß übrigens zu erwähnen, dass dahinter nochmal einer kommt. Am Fuße desselben wurden wir dann auch direkt von einer netten Dame darauf aufmerksam gemacht, dass man ihn für ein geringes Entgelt besteigen konnte. Also rauf, Fotos gemacht und die Ausstellung drinnen begutachtet. Im zweiten Stock hat uns dann so ein Typ angelabert, von wegen er sei Kunststudent und möchte uns seine Werke zeigen. Ich dachte mir direkt: Der will uns seine 'Kunst' andrehen.

Dem war tatsächlich so, seine Bilder (wenn sie denn wirklich von ihm waren) stellten verschiedene Sinnsprüche des Konfuzius dar. Natürlich wäre jedes davon einzigartig und er würde es so nie wieder malen (klaaaar). Björn hatte sich dennoch dazu entschieden eins zu kaufen. Sie waren auch eigentlich nicht so schlecht und nicht sehr teuer, aber ich hab es lieber sein gelassen, allein schon weil der Typ zu viel gelabert und zu sehr auf gut Freund gemacht hat.

Danach sind wir wieder runter vom Turm und weiter zum Tian'anmen-Platz. Die Halle der Volkshelden haben wir uns nur von außen gegeben. Auf dem Weg wurden wir schon wieder angesprochen, dieses Mal von zwei jungen Frauen die behaupteten Studentinnen zu sein und mit uns labern und einen trinken gehen wollten. Damals dachte ich noch die Lügen, sie sahen aus wie 16 oder 17. Mittlerweile weiß ich aber, dass die einfach alle so klein und jung aussehend sind.

Jedenfalls sind wir auf das Angebot nicht eingegangen, denn erstens hatten wir schon von sowas gehört, die schleppen einen in eine teure Bar und man muss dann bezahlen, und zweitens sahen die echt nicht gut aus. Und Drittens hatten wir nicht wirklich Zeit, wir wollten schließlich in die Verbotene Stadt.

So sind wir also weiter zum Tian'anmen-Platz, haben dort ein bisschen demonstriert und sind dann über die Straße bzw. drunter durch zum Tian'anmen selbst, dem Eingang zum Kaiserpalast. In der Unterführung wurde ich schon wieder von einem selbsternannten Kunststudenten angesprochen, er hätte in einem kleinen Seiteneingang des Palastes eine Ausstellung, da käme man auch einfacher in die Stadt rein weil dort nicht so viel los wäre, blablabla. Schnell abgewimmelt und zum Tor des himmlischen Friedens rein, der Weg rechts und links gesäumt von Sicherheitsbeamten.

Es ist mir schon damals aufgefallen und es sollte sich danach bestätigen: In China stehen nahezu überall Polizisten und Wachleute, an jeder Straßenkreuzung, an längeren Straßen in regelmäßigen Abständen in ihren lustigen kleinen Ständen. Im Eingangsbereich jeder noch so kleinen Bankfiliale steht ein Posten mit Helm und Schutzweste, jeder Campus, jeder größere zusammenhängende Wohnblock ist abgegrenzt und wird 24 Stunden lang bewacht. Es soll den Menschen wohl ein Gefühl von Sicherheit geben, denn mehr ist es nicht. Klar, im Notfall ist es gut, so einen Typen in der Nähe zu haben, aber wirklich schützen können die niemanden. Aufgehalten wird auch nur, wer wirklich nicht ins Bild zu passen scheint, ansonsten sitzen die den ganzen Tag nur rum und geben ankommenden Autos irgendwelche Karten, deren Sinn sich mir bis heute nicht erschlossen hat. Um den Tian'anmen-Platz herum exerzieren übrigens den ganzen Tag Soldaten in Polizeiuniform.

Aber ich schweife minimal ab, zurück zur Verbotenen Stadt.

Ich überlege gerade, was ich darüber schreiben soll. Nicht allzu viel, denn es würde diesem umwerfenden Bauwerk niemals gerecht werden. Ich denke Bilder oder Videos schaffen das eher. Was ich sagen kann ist, dass es zurecht als 'Stadt' bezeichnet wird, es ist einfach unglaublich groß. Wir waren drei oder vier Stunden darin unterwegs und haben vielleicht gerade mal 60% davon gesehen. A propos 60, soviele Yuan hatte auch der Eintritt gekostet, angemessen denke ich, auch wenn man für eine Ausstellung noch extra hätte bezahlen müssen.

Vor dem Kartenschalter wurden wir auch von einer Frau angesprochen, die uns eine Führung anbot. Björn wollte es machen, und es wäre vielleicht wirklich interessant gewesen, aber mir war die Frau echt zu klein, ich hätte mich ständig bücken müssen um sie zu verstehen. Außerdem standen an den meisten Gebäuden und Ausstellungsstücken erklärende Schilder. Und zu guter Letzt erkunde ich so ein riesiges Gebilde lieber auf eigene Faust.

Wie gesagt, ich möchte hier gar nichts groß beschreiben, würde auch zu lang und langweilig werden.

Um vier Uhr oder so war schon Schließung, also sind wir raus. Ich musste schmunzeln, als ich auf der Straße eine junge, gut aussehende Chinesin sah, die gerade versuchte einen westlichen Touristen davon zu überzeugen sich ihre Bilder anzusehen.

Wir sind dann außen um die Verbotene Stadt herum, um in den dahinter liegenden Jingshan-Park zu gelangen. Unterwegs wurden wir natürlich von jedem Rikscha-Fahrer angesprochen und von einem Typen, der Tagesausflüge zur Großen Mauer anbietet (was wirklich interessant und ordentlich klang).

Zum Jingshan selbst kann ich wieder nicht viel sagen, hab genug Bilder dazu. Aber die Aussicht von der Pagode an der Spitze aus war wirklich fantastisch, genau wie die Luft. Überhaupt war der Himmel die ganzen drei Tage lang überraschend klar, von Smogbelastung haben wir nichts gemerkt. Während wir da oben eine Pause einlegten, dachten wir uns wie gerne wir Beijing vor hundert oder hundertfünfzig Jahren gesehen hätten, als es noch mehr solche Plätze wie die Verbotene Stadt oder jenen Park gab.

Heute ist das meiste davon verloren und es wurde vieles gebaut, was überhaupt nicht in die Szenerie passt. Leider haben sich die Chinesen, nachdem während der Kulturrevolution sowieso schon vieles zerstört wurde und verloren ging, bis vor ein paar Jahren kaum um die Erhaltung ihres Kulturerbes gekümmert. Altstädte, wie man sie in Europa zuhauf sieht, sucht man in China meist vergeblich. Wirklich sehr schade, ich hoffe, dass die Bemühungen das, was noch übrig ist, zu erhalten weiter verstärkt werden.

Nachdem wir uns ein wenig erholt hatten wollte ich unbedingt die berühmte Einkaufsstraße Wangfujing sehen. Es war nicht allzu weit weg, also gingen wir hin. Ich wurde nicht enttäuscht, ein riesiges Kaufhaus am anderen, alles in schillerndem Neonlicht. Allerdings nicht ganz so lang, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Da es mittlerweile Abend war mussten wir uns Gedanken ums Essen machen. Wir sind also in eine Seitenstraße der Wangfujing gegangen, die wieder dieses nette Chinatown-Flair hatte. Restaurant an Restaurant, alle hatten nur ein paar Tische und drei oder vier Gerichte. Wir hatten mal wieder keine Ahnung, also folgten wir der Aufforderung einer netten Kellnerin, setzten uns an einen Tisch und bestellten gebratene Nudeln und Qingdao-Bier (gebraut nach deutschem Reinheitsgebot, da ehemalige Kolonie :D). Hat nicht schlecht geschmeckt, war aber übelst ölig. Das Öl diente nicht etwa als Soße, sondern die Nudeln badeten geradezu darin.

Als wir fertig waren, liefen wir noch ein bisschen in dieser Straße herum und bestaunten die exotischen Köstlichkeiten (Skorpione und Seestern, mmmh).

Danach gingen wir langsam zum Hostel zurück, nutzten noch ein bisschen das kostenlose Internet und gingen dann pennen.


29.08.

Unser Flug nach Kunming ging abends um neun, also hatten wir noch den ganzen Tag Zeit. Wir überlegten, ob wir uns den Sommerpalast oder den [hab den Namen vergessen]-Park ansehen sollten und entschieden uns für letzteren, da man dort hinlaufen konnte und wir somit flexibler waren. Darüber hinaus dachten wir, dass so ein Park zum Abschluss einfach gechillter wäre.

Naja, auf der Hauptachse war einiges los, aber auf den Seitenwegen war es dann tatsächlich schön friedlich. Immer wieder sah man tanzende oder singende Chinesen, überwiegend ältere Leute, ich hab mich wie in einer Doku gefühlt.

Der Haupttempel diente dem Kaiser übrigens dazu, für eine gute Ernte zu beten und es gibt in jenem Park einen extra 'Palast der Enthaltsamkeit', in dem der Kaiser die Tage vor dem Opferritual verbracht hatte. Leider war dieser wegen Sanierungsarbeiten nicht zugänglich.

So toll die chinesische Architektur auch ist, von Gärten haben die nicht so viel Ahnung. Der Park war zwar sehr grün, aber das meiste war doch relativ ungepflegt und der Rosengarten war eine echte Enttäuschung. Da lobe ich mir doch Versailles und Co.

Als wir genug gesehen hatten gingen wir über diverse Nebenstraßen zurück zu unserem Viertel, immer auf der Suche nach einer guten Gelegenheit zum Essen. Das Problem war meistens, dass wir einfach nicht wirklich wussten, was es gab und Bestellen ist wirklich schwierig, weil die Zeichen der Gerichte nicht alltäglich sind.

Wir sind dann schließlich in der abgekartetsten Gegend in das siffigste 'Restaurant' gegangen, wo kein Schwein drin saß (immer ein schlechtes Zeichen). Ok, es war auch keine Essenszeit, aber dennoch. Das Bestellen erwies sich wie erwartet als schwierig, wir hatten im Endeffekt viel mehr als wir essen konnten und wissen teilweise bis heute nicht, was genau es war. Auf jeden Fall Kartoffeln mit Fleisch und Soße, Reis und etwas, das uns mittlerweile als 'Hot Pot' bekannt ist und was es überall in Kunming gibt. Es war wirklich nicht das sauberste Restaurant und wir hatten bedenken, dass wir später im Flugzeug ständig das Klo besetzen würden, aber glücklicherweise sollte das nicht der Fall sein. Wir waren denn auch die Attraktion, nach und nach füllte sich der Raum mit Leuten, die nicht wirklich zum Essen kamen. Es verirren sich wohl nicht oft Touristen in diese Gegend.

Nach dem Essen gingen wir zurück zum Hostel, chillten noch ein bisschen in der Lounge und nahmen dann unser Gepäck und ein Taxi zum Flughafen. Der Taxifahrer war redseliger und sympathischer als der am Freitag, und so konnten wir uns etwas mit ihm unterhalten („Ihr kommt aus Deutschland? Dann kennt ihr doch Schumacher – ich bin Schumacher“, meinte er bezogen auf seine Fahrweise).

Am Flughafen standen wir dann ewig für das Einchecken an, irgendwie haben es chinesische Angestellte nicht so mit Schnelligkeit. Die Kassierer im Carrefour hier in Kunming brauchen auch immer ewig. Nachdem sie dann unser um bestimmt 10 Kilo zu schweres Gepäck anstandslos angenommen hatten, genehmigten wir uns noch ein Häagen-Dazs (Preise wie bei uns) und stiegen ins Flugzeug.

Um ein Uhr nachts kamen wir in Kunming an und wurden dort schon von Tina [Name geändert] und ihrem Mann erwartet, bei denen wir die nächste Woche per bed-and-breakfast verbringen sollten.

 

21.9.10 21:08


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung