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Der längste Blogeintrag der Welt?

Edit: Argh, hab aus Versehen den Uploadvorgang abgebrochen und jetzt hat er alle Absätze rausgenommen. Hab jetzt grad keine Zeit, das zu beheben. Mache ich morgen. Aber so ein Blocktext ist ja auch ganz nett. xD

Edit2: So, jetzt sollte es auch angenehm zu lesen sein. ^^ Und wem es noch nicht aufgefallen ist: Es gibt jetzt die Kategorie 'Bilder'!

Kinder, wie die Zeit vergeht. Wie lange habe ich jetzt nichts mehr geschrieben? Drei Monate oder so? Noch genau vier Wochen und ich bin schon wieder zu Hause. Wird auch verdammt nochmal Zeit! Meine Moral ist nach der Sache mit Japan ja Gott sei dank wieder gestiegen – mit näher rückendem Ende wird das Ganze sowieso etwas leichter – aber dass ich einfach genug habe ändert das nicht.
Wie sicher die meisten von euch wissen, hat sich meine Lernmotivation von der ganzen Sache bis heute nicht erholt und wird es wohl auch nicht mehr. Wenn ich drei Mal die Woche zur Schule gehe ist das schon eine gute Quote. Es liegt auch einfach daran, dass ich den chinesischen Lehrstil satt habe. Im Grunde dreht sich alles ums auswendig Lernen, wie schon zu Zeiten des Konfuzius. Und wenn ich mal ein oder zwei Tage fehle, habe ich irgendwie auch nichts großartig verpasst. Da fällt es natürlich umso schwerer, sich morgens zum Aufstehen zu motivieren. Im Grunde sitze ich meine Zeit hier also nur noch ab. Ist natürlich ein relativ angenehmes Absitzen, kann mir schon schlimmere Szenarien vorstellen.
So, kommen wir nun zum Geschäftlichen sozusagen.
Ich hab mittlerweile sechs Monate an Schulden abzuarbeiten; und ich habe vor das Ganze in einem Schwung zu erledigen. Den Genuss des folgenden Eintrags empfehle ich in Raten und nur unter ärztlicher Aufsicht, da er doch ziemlich lang ist.
Fangen wir also im Januar an, wie es sich gehört.
Die erste Woche waren Abschlussklausuren. Ich weiß bis heute nur das Ergebnis der Grammatikarbeit (83%, wäre ich nicht noch von Silvester übernächtigt gewesen wäre wohl mehr drin gewesen ^^).
In der ersten Ferienwoche war außer einer koreanischen Geburtstagsfeier nicht viel los. Tim hatte sich auch mal ein paar Salmonellen abgeholt und war die ganze Woche außer Gefecht. Den Rest der Ferien war er glaube ich kein einziges Mal mehr auswärts essen, so sehr hatte er den chinesischen Küchen danach misstraut.
Am Samstag, den 15. Januar war es dann soweit: Papa beehrte Kunming und mich mit seiner erlauchten Anwesenheit. Björn war schon am Donnerstag abgereist und hatte netterweise sein Zimmer zur Verfügung gestellt.
Natürlich war es fast die ganzen Zwei Wochen, in denen er hier war, schweinekalt und bewölkt. Aber das war uns egal, wir haben den Fernseher und die Playstation in mein Zimmer verfrachtet und immer schön geheizt, damit uns die Finger beim FIFA zocken nicht einfrieren – und wir haben viel gezockt in den 14 Tagen. Hatten ja auch einiges an Nachholbedarf.
Wenn wir mal nicht zu faul waren – oder uns das Weizen ausging - sind wir auch mal vor die Tür gegangen. Die ersten paar Tage sind wir hier und da herumgelaufen, haben uns die Uni angesehen, den See in der Nähe, einen Tempel. Auf der Suche nach jenem Tempel hatten wir zeitweise die Orientierung verloren, was aber gar nicht so schlecht war, da wir dadurch viele verschiedene Gesichter Kunmings entdeckten.
Donnerstag glaube ich waren wir dann mit Thomas im Minderheitendorf. Dort sind von allen 25 Minderheiten, die es in der Provinz Yunnan gibt, kleine Dörfer aufgebaut und die Leute laufen in traditioneller Kleidung rum, führen traditionelle Tänze auf, gehen traditionellem Handwerk nach. Die leben da natürlich nicht wirklich, das ist ihr Beruf. Allerdings gehören alle wirklich der jeweiligen Minderheit an. Das wurde z.B. deutlich, als Thomas bei einer Aufführung meinte, er verstehe kein Wort von dem Gesang, weil es im Dialekt der Minderheit war.
Es war einfach toll und wir hatten sogar Glück mit dem Wetter: kalt und teilweise windig, aber den ganzen Tag Sonne und blauer Himmel.
Erwähnte ich die schönen Frauen dort?
Samstag war ein bisschen shoppen angesagt, da wir am nächsten Tag zum Steinwald und in der darauffolgenden Woche nach Xi'an wollten, wo es nochmal ein gutes Stück kälter sein sollte. Also haben wir dicke Winterjacken (zwei zum Preis von einer, 35€ oder so :D), Handschuhe und Mützen gekauft.
Sonntagmorgen gings dann mit dem Zug zum Steinwald – Unesco Weltnaturerbe, falls ihr es nicht wusstet. War natürlich wieder bewölkt und morgens unfassbar kalt. Wurde aber im Laufe des Tages besser und sogar richtig angenehm von den Temperaturen her.
Tjoa, was kann man über den Steinwald sagen.
Ein relativ großes Gebiet mit den verschiedensten (teilweise unglaublichen) Karstformationen, die im Laufe der Jahrhunderte durch Wind, Wetter und Wasser geformt wurden. Auf jeden Fall sehenswert.
Abends sind wir dann mit einem Reisebus zurück nach Kunming und waren zur Feier meines Geburtstags noch essen. Simon und seine koreanische Freundin waren auch dabei und Cage hat etwas später auch noch vorbei geschaut.
Am Dienstag sind wir dann also nach Xi'an geflogen. Wir hatten uns extra in ein 4-Sterne-Hotel eingemietet, da wir absolut sicher gehen wollten, dass wir bei Temperaturen von 0 bis -8°C rund um die Uhr warmes Wasser und eine ordentliche Heizung haben. Die Zimmer waren denn auch ok, und für zwei Tage auch nicht zu teuer.
Achso, für diejenigen, denen der Name Xi'an so gar nichts sagt: schämt euch! :P
Xi'an ist die ehemalige Hauptstadt Chinas und kulturell mindestens genauso bedeutend wie Beijing. Also haben wir uns im Hotel einen Stadtplan besorgt und ab dafür.
Die kulturelle Bedeutung war auch kaum zu übersehen, denn die historische Innenstadt (was es in China selten genug gibt), ist umgeben von einer beeindruckenden, vollständig erhaltenen Stadtmauer. Ich würde euch gerne sagen, wie alt genau sie ist, aber leider habe ich es vergessen und Wikipedia streikt gerade. Jedenfalls ist sie insgesamt an die 14km lang. Wir haben uns dann nur die südlichen Haupteingänge angesehen und sind ein Stück auf der Mauer gelaufen, einmal drum herum hätte alleine einen ganzen Tag in Anspruch genommen. Gab auch Fahrräder und kleine Autos, aber das wäre ein kalter Spaß geworden.
Wir sind dann lieber die Nord-Süd-Hauptstraße entlanggelaufen, vorbei an riesigen Einkaufszentren, den Trommel- und Glockentürmen, den ganzen Weg bis zum Nordtor. Ich muss sagen, vom Flair her gefällt mir die Innenstadt Xi'ans sogar besser als Beijing. Ein fantastisches Beispiel der Koexistenz von Altem und Neuem. Interessant war allerdings zu sehen, dass sich unmittelbar neben all der Pracht auch kurz vor dem Zerfall stehende Häuser fanden.
Nach zwei Stunden spazieren, auch abseits der Hauptstraßen, war es dann dunkel und wir bekamen langsam Hunger. Wir landeten schließlich im historischen muslimischen Viertel, mit dem Glockenturm (oder Trommelturm? Weiß nicht mehr, welcher welcher ist) im Hintergrund. Ein grandioser Anblick bei Nacht!
Zum Essen sind wir dann schließlich im Pizza Hut eingekehrt. Ja, richtig gelesen, keine Xi'anschen Spezialitäten, sondern Pizza Hut. Und das ist in China 'serious business'. Ein Türsteher hat uns geöffnet, nach der Anzahl der Personen gefragt und dann in sein Headset gesprochen. Kurz darauf bedeutete er uns mit einer Gestik wie ein Kellner im Fünf-Sterne-Restaurant, in den zweiten Stock zu gehen. Dort wurden wir von einer Kellnerin empfangen und zu unserem Tisch geleitet. Wir entschieden uns für Kartoffelsuppe (gibt’s sowas bei uns im Pizza Hut auch?) und natürlich Pizza. Also, Pizza Hut ist in China etwas für gehobene Ansprüche, auch preislich in etwa auf westlichem Niveau.
Mittwoch Morgen machten wir uns dann auf zur Hauptattraktion, der Tonarmee des ersten Kaisers von China!
Vom Hauptbahnhof aus ging es mit dem Bus bestimmt eine Stunde lang Richtung Osten. Als wir ankamen dachte ich mir erstmal „Hier? Hier ist NICHTS!“. Kam mir aber wohl nur so vor, da im Winter natürlich relativ wenig los ist. Was da im Sommer abgehen muss lässt die extensive Souvenirshop- und Restaurantlandschaft erahnen: Ein Laden neben dem anderen, hunderte von Metern lang. Und alle verkaufen sie mehr oder weniger das Gleiche – was man in Xi'an selbst zudem viel billiger bekommt. Und natürlich wurden wir von nahezu jedem/jeder Verkäufer/in belabert. Aber da muss man durch. Sobald man dann die Tonkrieger vor Augen hat ist das sowieso egal. Es war toll, dieses Weltwunder endlich mal mit eigenen Augen zu sehen, anstatt immer nur im Fernsehen und auf Bildern. Und ich kann sagen, es ist beeindruckend. Keine Figur ist wie die andere, alle haben verschiedene Gesichter, Gestik, Mimik, Haltung, etc.
Aber fast noch erstaunlicher als die Figuren selbst ist die Unmenge an Arbeit, die die Archäologen noch vor sich haben. Insgesamt gibt es glaube ich ca. 10.000 Krieger und gerade mal so 2000-3000 wurden ausgegraben und wieder zusammen gesetzt. Und dieser Prozess ist eine Sisyphusarbeit sondergleichen. Es ist wirklich kaum zu beschreiben, aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte und deswegen werde ich da einfach eins hochladen.
Wie gesagt war nicht sehr viel los, dementsprechend angenehm war es, sich das ganze anzuschauen. Kein Gedränge, kein Lärm, nur gelegentliche Verkäufer. Und klirrende Kälte. Wir mussten uns immer wieder mit dem Fotografieren abwechseln, weil einem nach einer Weile einfach die Finger steif wurden und schmerzten.
Es hat bestimmt so drei Stunden gedauert, sich das alles anzugucken. Danach ging es wieder mit dem Bus Richtung Stadt.
Danach waren wir dann glaube ich in einigen der Einkaufszentren. Von den Dimensionen her in etwa mit dem Löhr-Center o.ä. vergleichbar, nur dass es davon gleich mehrere gab – teilweise auch unterirdisch!
Am Dönerstag haben wir uns dann noch die Große Wildganspagode und den umgebenden Park angesehen. Daraufhin sind wir dann nochmal in die Altstadt, Souvenirs kaufen. Einmal habe ich mit einem alten Muslimen gehandelt, war super lustig. Die Leute haben sich um uns gesammelt, so sehr ging das ab. Es wurde aber zu keinem Zeitpunkt aggressiv oder unhöflich und wir konnten uns schließlich auch einigen.
Als wir fertig eingekauft hatten mussten wir auch schon zurück zum Hotel und dann zum Flughafen.
Zurück in Kunming hatten wir denn auch schon nur noch den Freitag zusammen, am Samstag in der Früh' ging Papas Flug zurück. Natürlich haben wir die Nacht durchgemacht und nochmal ordentlich gezockt und Filme geguckt. :D
Ab Samstag war ich dann also wieder alleine. Bis auf Tim, aber der gammelte ja sowieso immer nur in seinem Zimmer herum.
Eigentlich wäre ein paar Tage später auch schon das nächste Highlight angestanden. Ich wollte mit Thomas und Cage das chinesische Neujahr über zum heiligen Berg Emei. Am Dienstag hätte es losgehen sollen und die Zugtickets waren auch schon gekauft. Aber leider bin ich Sonntags krank geworden mit Fieber und Erkältung. Letztere sollte sich fast bis zum Ende der Ferien hinziehen. Damit fiel dieser Trip dann also ins Wasser, was ich heute immer noch sehr schade finde.
Bis auf das chinesische Neujahr, an dem in Kunming bis auf ständige (größtenteils private) Feuerwerke nicht viel los war, gab es für mich den Rest der Ferien über also nicht wirklich viel zu tun. Ürsprünglich hatte ich ja noch überlegt nach Japan zu fliegen, dass dann aber aufgrund der Reise zum Emei-Berg auf Sommer verschoben – dann kam Fukushima...aber die Story kennen wir ja schon.
Die letzten zwei Ferienwochen wurde es dann schon wieder richtig sonnig und warm. Ich hatte immer wieder überlegt Tagesausflüge zu unternehmen, war dann aber letztendlich zu faul. Jetzt bereue ich es natürlich, denn ich würde mir gerne noch den ein oder anderen Tempel ansehen, aber momentan ist Regenzeit. :/
So, damit wären wir dann also im neuen Semester angelangt.
Tim ist im Laufe des März ausgezogen. Somit waren Björn und ich also wieder allein – wenn man seine Freundin nicht mitrechnet. Erwähnte ich die schonmal? Chinesin. Hat ihn irgendwann mal in Kundu aufgegabelt. Fürchterliche Person. Gott sei dank lässt die sich in letzter Zeit selten hier blicken. Genug gesagt. ^^
In der Schule hab ich eine Stufe übersprungen, weil es mir zu leicht war – und die Grammatiklehrerin ein Albtraum. Bei der braucht man vier Hefte (weiß schon nicht mehr für was alles), jede Stunde gibt’s ein Diktat und Lektionstexte müssen auswendig aufgesagt werden können. Und von einem Kollegen hab ich später noch gehört, dass man bei Fehlverhalten in die Ecke gestellt wird...also bitte, wo sind wir denn hier?
Mein jetziger Grammatiklehrer passt da viel besser zu mir. In der dritten Stunde bei ihm meinte er „also wenn ihr Durst habt, könnt ihr trinken; wenn ihr hungrig seid, könnt ihr essen; wenn ihr müde seid, könnt ihr schlafen; aber bitte nicht telefonieren im Unterricht!“ So lob' ich mir das doch!
Hörverständnis habe ich zum Glück nicht mehr, die Tingshuo-Lehrerin (听说,wörtl. 'Hörensagen', keine Ahnung wie man es übersetzen soll) geht mir dafür mittlerweile aber mächtig auf den Senkel mit ihrer penetranten Stimme und ihrem ständigen „ein bisschen schneller!“.
Die Leseverständnislehrerin, ich würde sie mal auf Mitte 60 schätzen, ist dafür umso angenehmer.
Mitschüler habe ich auch einige neue. Darunter sind drei Mädels aus Deutschland, wobei eine Thailänderin ist und die letzten neun Jahre in Deutschland gelebt hat. Denen musste ich direkt mal beim Einrichten des Internets helfen, da sie einige Probleme damit hatten. Es hat sich am Ende herausgestellt, dass einfach die Kabel an Modem und Router falsch eingesteckt waren, Begründung: „Ja wir haben das einfach mal so eingesteckt wie wir dachten, dass es richtig ist“ - typisch!
Auch in meiner Klasse ist ein älterer japanischer Herr, mit dem ich mich ab und zu mal auf japanisch unterhalte...oder es zumindest versuche. Schon bitter, jetzt hat sich mein Chinesisch stark verbessert, dafür leidet mein Japanisch darunter.
Chris ist jetzt auch in meiner Klasse. Aber meistens ist entweder er nicht da, oder ich. :D Aber wir spielen ja immer noch zusammen Fußball und gehen nach Kundu, von daher sehen wir uns oft genug.
Dann ist da noch Ercan (sprich: Ertschan, nicht Erkan), ein Österreicher türkischer Abstammung. Der ist zwar nicht in meiner Klasse, aber ich versteh mich sehr gut mit ihm. Gehen des öfteren zusammen Mittagessen und reden dann über Gott und die Welt. Der Mann war auch schon überall, ist noch mehr gereist als Simon – ist allerdings auch schon 30. Hat drei Jahre in Russland gelebt und spricht perfekt Russisch, außerdem Englisch, Französisch und Türkisch. In ihm habe ich auch so etwas wie einen Leidensgenossen gefunden, da er auch immer mal wieder gesundheitliche Probleme hier hat (andererseits gibt es kaum einen Ausländer, bei dem das nicht der Fall wäre) und auch mal wieder gerne in einem deutschen (oder eben österreichischen) Supermarkt einkaufen würde, mit gutem Käse und Wurst und und und.
Ja, so lebte es sich dann die letzten Monate dahin.
Bei der ersten Runde Fußball im neuen Semester habe ich mir dann direkt den linken großen Zeh angehauen, was mich für Wochen fußballtechnisch außer Gefecht setzen sollte. Dazu gleich mehr.
Das erste Aprilwochenende war dank eines Totenfestes am Montag und Dienstag ein verlängertes und so sind wir dann mal wieder mit Thomas und Cage verreist. Dieses Mal waren auch Thomas Mutter und seine Nichte dabei. Das Ziel war Luoping in der nordöstlichsten Ecke Yunnans. Wir sind Samstagabends um acht mit dem Zug los gefahren und nach ca. zweieinhalb Stunden angekommen. Die Hotelauswahl für die Nacht war entsprechend der späten Stunde nicht allzu berauschend. So fiel die Wahl auf eine sehr spartanische Bleibe direkt am Busbahnhof der Stadt – was sich morgens um halb sechs leider lautstark bemerkbar machte. Dafür ließ sich nach dem Frühstück umso schneller ein Fahrer finden. Der fuhr uns dann zum 'Neun-Drachen-Fluss'. Die ganze Gegend um Luoping ist ganz so, wie man sich das ländliche China vorstellt oder es in Dokumentationen sieht. Jede Menge sehr kleiner Dörfer mit teils heruntergekommenen Häusern, durch die nur eine kleine Straße führt und wo die Zeit immer etwas langsamer fortzuschreiten scheint. Hier ist das Leben noch sehr einfach, ich schätze die Menschen dort haben nicht mal alle Strom und/oder heißes Wasser.
Nachdem wir also durch einige solcher Dörfer gefahren waren kamen wir am Neun-Drachen-Fluss an. Der Name kommt von den neun Wasserfällen, die sich innerhalb weniger Kilometer ergießen. Das ganze in wunderschöner Landschaft. Wir hatten an jenem Tag Glück mit dem Wetter. Morgens war es noch bewölkt und diesig, doch genau in dem Moment, als wir dort ankamen, brach die Sonne durch die Wolken. Und als wir ein paar Stunden später fertig waren, zog es sich wieder zu.
Zurück in Luoping ließen wir uns vom Fahrer ein gutes Hotel empfehlen, was wirklich in Ordnung war dieses Mal (mit Heizdecke für jedes Bett und abends konnte ich sogar Bundesliga live gucken). Danach gingen wir mit ihm Essen und 'verpflichteten' ihn auch gleich für den nächsten Tag.
Der Montag begann wie der Sonntag: bewölkt und neblig. Und sollte es dieses Mal auch bleiben. Das war für den Großteil des Tages weniger hinderlich. Zunächst ging es wieder durch diverse Dörflein zu einer langen Schlucht, durch die wir mit einem Schiff fuhren. Da hat das Wetter wie gesagt weniger gestört, da interessierten ja eher die Felswände. Danach wollten wir uns dann aber noch die riesigen Rapsfelder, für die Luoping (zumindest chinaweit) berühmt ist, von einem erhöhten Punkt aus ansehen. Leider war es aber so neblig, dass wir nur einen kurzen, sehr begrenzten Blick zwischen zwei Nebelbanken erhaschen konnten. Bitter.
Am frühen Abend ging es dann zurück nach Kunming. Ich saß natürlich mal wieder neben einem Chinesen, der die ganze verdammte Fahrt über ununterbrochen entweder mit mir oder Cage gelabert hat. Einen kranken Westler hatten wir auch in unserem Abteil, der eine ganze Bank für sich beanspruchte. Die Schaffner sahen es natürlich nicht ein, ihm ein Bett in den völlig leeren Schlafwagen anzubieten. Zug fahren in China sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, es passiert immer etwas Interessantes.
So, langsam aber sicher lässt mein Erinnerungsvermögen nach. Es war entweder eine Woche oder zwei Wochen danach, dass ich Cage bat, mir mit meinem Laptop behilflich zu sein. Ich hatte ja im September schon einmal das Problem, dass das gute Stück zu heiß wurde. Das war nun wieder der Fall. Er ging zwar beim Zocken nicht einfach aus, aber die Temperaturen der Grafikkarte waren dennoch im ungesunden Bereich. Ich dachte, dass die Lüfter vielleicht einfach verstaubt wären, also suchte ich nach einer Dose Druckluft. Sowas gibt es hier aber nicht, warum auch immer. Also bat ich Cage in Erfahrung zu bringen, ob es in Kunming ein offiziell autorisiertes ASUS-Reparaturcenter gibt. Wir fragten dann einfach in einem Laden nach und tatsächlich gab es eines ganz in der Nähe. Samstags waren wir das erste Mal dort, um den Laptop einfach nur säubern zu lassen. Das hat so zwei Stunden gedauert. Ich habe die Temperaturen noch vor Ort getestet und es schien besser. Später zuhause sollten mich weitere Tests dann natürlich lügen strafen. Also am Sonntag wieder hin und gesagt die sollen sich das mal genauer angucken. Ok, das würde ein paar Stunden dauern, sie würden sich melden, wenn es so weit ist. Der Sonntag verging ohne weiteren Kontakt. Montag nach der Schule bin ich also wieder hingegangen. Die Temperaturen wären noch nicht besser. Dienstag nach der Schule hin. Die Temperaturen waren nicht besser, sie würden sich melden. Ich war die ganze Woche lang ohne Laptop. Etwas schlimmeres kann es, vor allem für mich, kaum geben. Hätte ich nicht noch die Playstation gehabt, wäre ich wohl bekloppt geworden. Zuhause wäre das nicht so ein Problem gewesen, da hätte ich ja auch noch den PC als Ersatz gehabt. Aber hier, wo der Laptop außerdem meine Verbindung nach Hause darstellt, war das nicht gerade prickelnd.
Am Sonntag darauf ging ich mit Cage in ein Krankenhaus wegen meines Zehs. Ich hatte zwischenzeitlich mal wieder Fußball gespielt und die Schmerzen kamen sofort wieder. Ich hatte Bedenken, dass der Zeh vielleicht gebrochen sein könnte oder sonst irgendwas, also wollte ich sicher gehen.
Chinesische Krankenhäuser sind, wie alles in China, anders. Nach der Anmeldung wird man erstmal zur Kasse gebeten, dann kann man einen Doktor konsultieren. Und 'zur Kasse bitten' meine ich wörtlich, es gibt Kassenschalter wie am Eingang zu einer Sehenswürdigkeit. Erinnert ihr euch noch an die Geschichte von dem Mann, der mit einem Herzanfall in die Notaufnahme kam und beinahe gestorben wäre, weil er kein Geld dabei hatte und die Ärzte deshalb nicht operieren wollten? Es lebe der Kommunismus! Oder war es doch Kapitalismus?
Beim Gespräch mit dem Arzt ist man dann nicht unbedingt in einer privaten, vertraulichen Umgebung. Da kann es sein, dass einfach Leute hineinplatzen, die gar nicht dran sind und dem Arzt dazwischen reden. Der schickt die dann aber auch nicht echauffiert raus, sondern antwortet und macht dann mit seinem eigentlichen Patient weiter. Die Tür ist auch immer offen.
Die Untersuchung spielte sich dann wie folgt ab:
- Ich erklärte wo und wie es schmerzt
- Arzt: „Hm...sie sollten in nächster Zeit kein Fußball spielen!“ Danke für diese weise Einsicht, oh großer Konfuzius...
- Arzt: „Wollen sie ein Röntgenbild machen?“
- Ich: „Auf jeden, Alter!“
- also wieder zur Kasse, einmal Röntgen mit Pommes, Getränk ohne Eis bitte
- mit dem 'Kassenzettel' 200m ins Nachbargebäude, warten, Röntgenaufnahme, warten, Ergebnis kommt, Orthopäde guckt es sich an, „Kein Problem!“
- zurück zum ersten Arzt, zeigen ihm das Bild und übermitteln Meinung des Orthopäden
- Arzt zeigt auf eine winzige schwarze Stelle auf dem Bild: „Was ist mit dieser Stelle hier? Können sie da nochmal nachfragen? Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten.“
- also wieder zum Orthopäden, nochmal gefragt, „Bewegen Sie mal ihren Zeh...hm...Nein, das ist nichts, kein Problem!“
- zurück zum Arzt, hat der mir 'ne Medizin verschrieben und meinte ich solle jeden Tag heiße Wickel um den Zeh machen.
Ich habe es dann bei der Medizin belassen und mittlerweile ist es auch wieder in Ordnung. Aber Leute, das war vielleicht ein Aufwand. Von Organisation haben die noch nichts gehört. Cage gab dann auch zu, dass das chinesische Gesundheitssystem nicht gerade optimal wäre.
Zurück zum Laptop, bevor wir im Krankenhaus ankamen, rief Cage für mich beim Reperaturcenter an. Die meinten sie würden noch auf ein Teil warten, was nicht mehr produziert werden würde. Ich weiß bis heute nicht genau, um was es sich da handelte, Cage versuchte es mit 'Matrix' zu übersetzen.
Es war dann glaube ich am darauffolgenden Dienstag, dass ich einen Anruf bekam, ich könne meinen Laptop abholen. Endlich! Wenigstens hat es sich gelohnt und die Temperaturen sind seitdem um einiges besser. Diese komische Matrix haben sie dann vor ein paar Tagen erst eingebaut bzw. ausgetauscht, was aber im Grunde nichts mehr gebracht hat.
Wenigstens war das alles kostenlos und ich habe sogar einen Schutzfilm für den Bildschirm und die Tastatur dazu bekommen.
Und weiter geht’s.
Am ersten Maiwochende stand wieder ein Ausflug mit Thomas, seiner Mutter und Nichte und Cage an.
Dieses Mal ging es an den Fuxian See, eineinhalb Stunden mit dem Bus von Kunming entfernt. Der See ist der tiefste Chinas und der zweitgrößte Asiens...oder war es der tiefste Asiens und der zweitgrößte Chinas? Der zweittiefste Asiens und der größte Chinas? Vielleicht war es aber auch der zweittiefste Chinas und der größte Asiens. Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls war/ist er sehr tief und sehr groß. Auf dem Grund soll es wohl sogar eine versunkene Stadt geben.
Das Wetter war jedenfalls astrein...außer natürlich am zweiten Tag um die Mittagszeit, als wir auf einen Berg direkt am Strand stiegen und jede Menge Fotos gemacht haben. Da war es bewölkt, danach natürlich wieder sonnig. Tyyyypisch! Aber insgesamt war es sonnig und warm, Badewetter eben. Ich bin aber nicht sehr viel geschwommen. Erstens war das Wasser eiskalt und zweitens bin ich einfach so lange nicht mehr 'richtig' geschwommen (ist schon was anderes als in einem Hallenbad planschen), dass es super anstrengend war. Aber einfach nur im Sand chillen war auch ok. Der Strand ist übrigens künstlich angelegt.
Das Hotel war mal wieder nicht so der Hammer. Für sechs Leute hatten wir zwei Zweibett-Zimmer und die Matratze war die härteste auf der ich jemals geschlafen habe. Viel Unterschied zu einem Stein war da nicht mehr. Aber man war ja schon einiges gewohnt.
Am zweiten Abend haben wir uns ein paar Bier gekauft und uns an ein ruhiges Plätzchen am Strand gesetzt. Zuerst saßen wir auf einem Baum und wollten vorbei laufende Leute erschrecken. Hat aber leider nicht so ganz geklappt. Später wollten Thomas und Cage dann unbedingt in eines der überall festgemachten Tretboote steigen. Das erwies sich aber als nicht wirklich einfach und sie haben es schließlich aufgegeben.
Über Nacht bin ich dann krank geworden und am Montag Morgen wusste ich nicht, zu welcher Seite es mir zuerst raus kommen würde. Es war wohl irgendwas im Abendessen, wobei die anderen jedoch keine Probleme hatten. Thomas Mutter hatte zum Glück Medizin für Magenprobleme dabei, sodass mir nach einer Weile zumindest nicht mehr schlecht war. Bauchschmerzen und Durchfall hatte ich allerdings noch bis Mittwoch.
Ganz vergessen: Am ersten Abend wurde Thomas Nichte während des Essens vom Hund des Restaurantbesitzers gebissen. War im Endeffekt nicht wirklich schlimm, aber es gab natürlich ganz schön Palaver, unter anderem, weil der Besitzer keine Verantwortung dafür übernehmen wollte.
Das war also unser bisher letzter gemeinsamer Ausflug. Ich hoffe es kommt noch einer hinzu.
Zwei Wochen später war ich schon wieder auf Achse. Dieses Mal ging es mit dem Flugzeug nach Xiamen. Dort besuchte ich Timo, einen Kommilitonen und Kumpel aus Trier. Wenn Kunming subtropisch ist, dann ist Xiamen, im Südosten Chinas gelegen, tropisch. Schwül-heiß und sonnig. Ratet mal, wie das Wetter während meines Aufenthalts dort war. Richtig: bewölkt und regnerisch. Wie hätte es auch anders sein können? Von den Temperaturen her war das allerdings ganz angenehm. Als ich am Donnerstagabend in Xiamen aus dem Flugzeug stieg, lief ich nämlich erstmal gegen eine Wand, so schwül war es. Von Freitag bis Montag war es dann aber sehr angenehm. Dafür aber eben ganz selten mal Sonne. So bestand das Wochenende dann auch hauptsächlich aus Fußball. Fußball spielen an der Uni, Fußball spielen auf der Playstation (die ich extra mitgenommen hatte), beim Zocken den letzten Bundesliga-Spieltag über Internetradio hören. Eigentlich wollten wir zumindest einen Tempel besichtigen, was wir dann aber letztendlich doch nicht gemacht haben. War aber nicht schlimm, hat auch so jede Menge Spaß gemacht. Vor allem das Fußballspielen an der Uni war für mich eine willkommene Abwechslung zum Kicken in Kunming, haben die dort doch zwei große und zwei kleine Fußballplätze, alles mit Kunstrasen, während wir uns ja mit Beton begnügen müssen. Auch die Uni selbst ist sehenswert. Wurde glaube ich auch zum schönsten Campus Chinas gewählt. Und die Mensa erst, der Hammer. Drei Stockwerke, jeweils spezialisiert auf Reisgerichte, Nudelgerichte und nochwas was mir grade nicht mehr einfällt. Und das ganze ist wie in einem Restaurant, man bestellt was und das wird dann frisch zubereitet. Nicht wie in Kunming, wo man sich aus separaten, teils schon kalten, Teilgerichten was zusammenmischt. Seit Xiamen war ich hier nicht mehr in der Mensa, so schlecht ist die im Vergleich.
Timo wohnt dort übrigens im 30. Stock eines Wohnhauses, mit netter Aussicht auf eine gegenüber liegende Insel. Ich hab bei ihm im Zimmer auf der Fensterbank geschlafen. Klingt super ungemütlich, war es aber keineswegs und ich hab echt gut geschlafen.
Am Sonntag habe ich es dann geschafft im Bus mein Portemonnaie zu verlieren. Da es doch relativ warm war trug ich eine kurze Schlabberhose, mehr brauche ich dazu glaube ich nicht zu sagen. Wir haben dann die Freundin von Timos Mitbewohner, die Germanistik studiert und dementsprechend gut Deutsch spricht, gebeten beim Busunternehmen anzurufen. Und tatsächlich kam abends ein Anruf, dass ein Geldbeutel abgegeben wurde. Für all das Pech, was ich hier in den Monaten zuvor hatte, mit Magenproblemen und Laptop und und und, hatte ich hier doch tatsächlich einmal Glück. Ausgleichende Gerechtigkeit nenne ich sowas. Das Büro des Busunternehmens war allerdings relativ weit weg, sodass Timo und ich am Montag hin und zurück bestimmt mehr als drei Stunden unterwegs waren. Im strömenden Regen...ohne Schirm. Dafür mit der Star Wars Edition von Trivial Pursuit, was er bei einem Straßenverkäufer gefunden hatte. So konnten wir uns im Bus wenigstens die Zeit vertreiben. Danach war mein Besuch auch schon wieder rum und ich bin abends zurück nach Kunming geflogen.
Das war nun mein persönlich letzter Ausflug bisher. Wollte ursprünglich vielleicht noch nach Tibet oder Hongkong, aber irgendwie ist mir einfach die Lust vergangen und ich fiebere dem 16. Juli entgegen. Da fliege ich nämlich nach Hause. Wird verdammt nochmal Zeit (ich glaube das sagte ich schon einmal)! Vorher will ich ja nochmal ein paar Tage in Beijing verbringen, da sehe ich dann ja nochmal einiges. Die Große Mauer sollte man nämlich vielleicht schon mal besichtigt haben, wenn man in China war.
Die letzten paar Wochen waren meiner Unlust entsprechend dann auch relativ ereignislos. Mal zur Schule gehen, mal nicht. Mal Kino, mal Karaoke, mal Fußball, mal Kundu, usw.
Damit möchte ich dann auch den längsten Blogeintrag der Welt (kann mal jemand die Redaktion vom Guinness Buch der Rekorde anrufen?) abschließen. Hab jetzt über zwei, drei Wochen hinweg immer mal wieder daran geschrieben und letzten Montag versprochen, ihn noch diese Woche fertig zu stellen, was ich hiermit eingehalten habe.
Es wird auf jeden Fall noch mindestens ein abschließender Eintrag kommen. Bis dahin, bleibt sauber! Ach ja, hab grade keine Zeit dazu, aber morgen kommen ENDLICH auch ein paar ausgewählte Fotos dazu. Besser spät als nie sag ich da nur.

18.6.11 15:07


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Aus aktuellem Anlass...

Ich weiß, ich weiß. Ich bin euch immer noch den Ferienbericht schuldig. Der gammelt auch schon seit zwei oder drei Wochen so halbfertig vor sich hin.
Aber im Moment gibt es da doch wichtigeres - leider.

Eine kurze Einleitung zum folgenden Eintrag:
Ich habe das Ganze vorletzte Nacht geschrieben, als ich aus welchem Grund auch immer kein Internet hatte und zu aufgewühlt zum Schlafen war.
Ich nehme eins schonmal vorweg: Es hört sich wirklich schlimm an und der oder die ein oder andere mag sich denken "Um Himmels Willen Junge, komm lieber nach Hause". Aber es ist mittlerweile schon wieder besser und es wird sich alles schon regeln.
Ich hab das Ganze dennoch so belassen wie es war, weil es einfach sehr gut widerspiegelt, wie ich mich seit Freitag gefühlt habe.

Also dann, auf los geht's los:

 

 

der 11.03.2011 wird wohl vielen genauso sehr in Erinnerung bleiben wie der 11.09.2001 – wieso eigentlich immer der 11.?
Ich hatte erst am Freitagabend und eher zufällig von der Katastrophe erfahren.
Ich war eigentlich schon auf dem Sprung, wollte zu einer Party an der Uni und danach wie immer mit Chris nach Kundu. Ich wollte vorher nur nochmal schnell meine Aufstellung bei Comunio checken und war zu dem Zweck auf einer Sport-Webseite. Dort las ich dann die kleine Schlagzeile 'Dortmunds Kagawa nicht von Erdbeben betroffen'.
Nun sind Erdbeben in Japan ja wirklich nichts Ungewöhnliches und ich dachte mir, es handele sich nur um ein etwas stärkeres als normal. Als ich dann aber auf Spiegel online nachsah wurde ich schnell eines besseren belehrt. Und als ich dann las, dass das Epizentrum nur 130km östlich der Stadt Sendai lag und die gesamte Ostküste Japans von einem Tsunami verwüstet wurde, war mir gar nicht mehr zu feiern zumute.
In Sendai verbrachten nämlich zwei meiner Kommilitonen, Alex und Thilo, ihren Auslandsaufenthalt. Mit erstem stand ich die letzten Wochen per Email in Kontakt und wir hätten uns vielleicht mal in Tokyo treffen wollen.

Ich hatte dann für den Abend alles abgesagt, denn zu jenem Zeitpunkt war Sendai fast völlig von der Außenwelt abgeschnitten und niemand wusste, wie es den beiden ging. In so einer Situation hätte ich mich nicht guten Gewissens amüsieren können.
Ich habe dann im Grunde das ganze Wochenende damit verbracht, Nachrichten zu lesen und auf ein Lebenszeichen der beiden zu warten.
Sonntag schrieb mir Alex dann eine Mail und mittlerweile dürften alle Trierer Studenten wieder in Deutschland sein.

So, damit hätte die Sache für mich erledigt sein können, aber leider muss ich sagen, dass mir das Ganze mehr zu schaffen macht, als mir lieb sein kann.
Es mag daran liegen, dass Japan immer noch mein Lieblingsland ist, wenn nicht gar mein Mekka - auch wenn ich mich vorletztes Jahr für China als Ziel meines Auslandsaufenthaltes entschieden hatte.
Ich hatte eigentlich fest geplant, im Laufe der zehn Monate hier mal für zwei, drei Wochen rüber zu fliegen. Und nachdem es in den Winterferien nicht geklappt hat, weil ich drei Wochen lang krank war, hatte ich vor gehabt im Mai oder Juni zu fliegen. Ich hatte mich wahnsinnig darauf gefreut. Jetzt kann ich es wohl vergessen und muss es irgendwann in den nächsten Jahren machen, teuer von Deutschland aus.
Es tut also doppelt weh, zum Einen, weil mir Japan am Herzen liegt und ich irgendwie mit der Bevölkerung mitleide. Und zum Anderen, weil es mir je nachdem wie das mit den AKWs läuft vielleicht auf Jahre verwehrt sein wird endlich mal dahin zu kommen.
Natürlich ist das im Gegensatz zu dem tatsächlichen Leid, was den Japanern momentan widerfährt, nahezu lächerlich.
Es ist wirklich schwer zu beschreiben, aber alle die mich kennen und wissen, wie sehr mir das am Herzen lag und liegt, werden verstehen, dass das meiner Moral einen ganz schönen Schlag versetzt hat.
Es ist sowieso noch einmal ein gehöriger Unterschied, ob man so eine schwere Naturkatastrophe von zu Hause aus mitbekommt oder während man in der Fremde ist...finde ich jedenfalls.

In etwa die gleiche Kerbe schlug dann die Nachricht von Tim, dass die Freundin von Stefan Linnig, einem alten Schulfreund von uns, letzte Woche bei einem Autounfall tödlich verunglückt ist. Ich hab ihn Jahre nicht mehr gesehen und kannte sie überhaupt nicht außer von Fotos auf wer-kennt-wen, aber in solchen Momenten ist man einfach unfassbar anfällig für derartige Meldungen.
Tim meinte die beiden wären erst vor kurzem zusammen gezogen und wollten nächste Woche für drei Monate nach Amerika fliegen. Und jetzt ist das alles vorbei, einfach so.
Da fragt man sich doch dann wieder „wofür das Alles?“, wenn im nächsten Augenblick alles egal sein kann, sei es durch einen Tsunami oder ein Auto, über das man die Kontrolle verliert.
Und wenn man solche Gedanken hat und dann auch noch 10.000km von Familie und Freunden entfernt ist, dann fühlt man sich schon irgendwie einsam und hilflos.
Es kommen auch noch so kleine Dinge dazu wie z.B., dass meine blöde Kreditkarte nicht funktioniert, der Laptop zu heiß wird und ich ihn hier nicht reparieren lassen kann, oder dass ich langsam echt die Schnauze voll davon hab, jeden Tag von irgendwem blöd angegafft zu werden. Und während ich das hier schreibe, habe ich schon seit neun Stunden aus irgendeinem Grund kein Internet. In zwei Stunden kommt Bayern gegen Inter und ich kann es wohl nicht gucken.
Das sind alles so kleine Dinge, aber die kommen dann immer geballt oder sammeln sich an und dann kommt eben noch ein Knaller hinzu.

Es war Sonntag oder Montag dann wirklich so schlimm, dass ich die Nachricht von Alex las, dass sie in ein paar Stunden nach Deutschland zurück fliegen, und mir dachte „in dem Flieger säß ich jetzt auch gerne“.
Man darf es gar nicht sagen, aber ich habe mir sogar für den Bruchteil einer Sekunde gewünscht, dass diese fürchterliche radioaktive Wolke doch gen China wandern könnte – nur ein bisschen oder für eine kurze Zeit. Dann hätte ich einen Grund, um hier sofort alle Zelte abzubrechen und den nächsten Flug nach Hause zu nehmen.

Das hört sich schlimm an, ist es auch irgendwie. Aber ich sitze hier nicht den ganzen Tag herum und heule oder so.
Es ist schon so etwas wie eine Krise. Ich war die letzten beiden Tage auch nicht in der Schule, weil ich mich einfach nicht motivieren konnte. Tagsüber geht es, aber als ich mir vorhin wieder dachte „du hast einfach keine Lust mehr“, hab ich dann diesen Eintrag geschrieben, weil ich mir dachte es hilft vielleicht.

„Ich hab keine Lust mehr“: Dieser Gedanke ist so ziemlich das schlimmste, was einem hier passieren kann. Ich hatte ihn ja schon ziemlich zu Beginn meines Aufenthaltes, aber damals war es anders. Es war die Angst vor dem Unbekannten denke ich, Angst davor, in einem fremden Land fernab der Heimat mehr oder weniger alleine zurecht kommen zu müssen. Aber das Neue, Aufregende hat dann doch überwogen.
Dieses Mal ist es aber anders. Ich weiß es nicht genau, vielleicht ist es Ernüchterung gemischt mit Heimweh und allem was ich oben beschrieben habe.
Ohne das Erdbeben in Japan wäre das wohl nicht passiert.

Wie gesagt, auf Japan habe ich mich wahnsinnig gefreut. Das hat wohl auch einige meiner Sorgen und Wehwechen übertüncht, einfach die pure Vorfreude auf so einen banalen und doch besonderen 'Urlaub'.
Aber jetzt ist das sozusagen weggebrochen. Und ich kann es auch nicht einfach ersetzen.

Noch ein Punkt, der mir gerade eingefallen ist (tut mir leid, wenn der ganze Eintrag vielleicht ein bisschen wirr ist, aber genauso geht es momentan in meinem Kopf zu). Ich habe hier ja mittlerweile auch jede Menge nette Leute getroffen. Und dass man über Internet ständig Kontakt mit den daheim Gebliebenen halten kann ist toll und es lebe das digitale Zeitalter blubblubblub. Aber ich will die Leute (Euch! ^^) auch mal wieder sehen. Nicht über Skype, sondern im gleichen Raum, Aug' in Aug', quasi zum Anfassen.
Ich bewundere Leute wie Chris, die solche Gedanken gar nicht zu kennen scheinen. Als er vor drei Wochen aus Frankreich zurück kam meinte er, er hätte China vermisst – ok, wörtlich waren es „Fußball spielen und chinesische Mädels“. Irgendwie finde ich es aber auch traurig, wenn man sein Heimatland so gar nicht vermisst. Insofern bewundere ich ihn also, beneide ihn aber auch nicht darum.

Ich will das hier also wirklich nicht abbrechen, aber in den nächsten Tagen muss irgendetwas passieren. Etwas Positives natürlich, etwas was meine Geister wieder belebt. Oder ich muss für ein paar Tage weg, nach Hongkong oder so. Ein Ausflug hat mir letztes Mal auch die Freude an China wieder gegeben. Manchmal ist es auch nur eine Kleinigkeit, ich hoffe ich komme so schnell wie möglich drauf, was es ist. Oder aber es geht in ein paar Tagen von alleine weg und kommt bis wenigstens Juni nicht mehr wieder. Das wäre natürlich am einfachsten.
Eins steht damit jedenfalls fest: Die Frage, ob ich mir vorstellen könne, in China zu leben, kann ich in Zukunft zu 200% mit 'Nein' beantworten!

 

So, det war's.
Wie gesagt, mittlerweile geht es schon wieder besser und die wichtigere Frage ist momentan, ob die die Situation im Atomkraftwerk Fukushima I noch unter Kontrolle bekommen. Und wenn nicht, was dann passiert.
Die Leute kaufen ja überall wie bekloppt Jod (und Geigerzähler), auch an der Ostküste Chinas. Dass die Radioaktivität uns hier erreicht, ist allerdings extrem unwahrscheinlich, da die Winde in Japan um diese Jahreszeit eigentlich immer von Westen her wehen, was sie ja bisher auch getan haben. Bis auf das eine Mal vor drei Tagen, als der Wind plötzlich drehte und die Atomwolke Tokyo streifte. Aber das verbuchen wir einfach mal unter 'Vorführeffekt'.
Sollte sich an dieser Situation allerdings wider erwarten etwas ändern und China gefährdet sein, bin ich hier natürlich weg.
Hoffen wir einfach das Beste, was bedeuten würde, dass keine weitere Radioaktivität austritt und ich zum Sommerbeginn vielleicht doch noch rüber kann.

Noch was ganz Anderes: Das Bayern-Spiel konnte ich gestern Abend noch gucken, als ich wieder Internet hatte. Hätte ich mir allerdings auch sparen können. Gut, dass Björn im Moment verreist ist, ich bin nämlich ziemlich laut geworden und es war schon nach Mitternacht.

Naja, mal sehen was die nächsten Tage für uns bereit halten. Vielleicht meine Ferienerinnerungen, aber rechnet eher mit weiteren zwei bis drei Wochen Verzögerung...wie immer halt. :D

17.3.11 19:23


Reloaaaaad!

Ach ja, Leute, das Bloggen und ich werden wohl niemals beste Freunde werden.

Jetzt schulde ich euch schon über einen Monat an Ereignissen. Habe es ständig vor mir hergeschoben und das wird wohl auch immer so bleiben.

Zuerst einmal aber wünsche ich euch ein frohes Neues Jahr!

Wird aber auch Zeit, denken sich jetzt bestimmt einige von euch. Jein, das westliche Neujahr ist schon eine Weile her, aber genau heute ist das chinesische Neujahr nach dem Mondkalender.

Gestern Abend war ich denn auch ein bisschen Feuerwerk gucken. Sogar Tim, der alte Stubenhocker, ist mitgekommen. Waren einige nette Sachen dabei, aber gegen Rhein in Flammen oder die Heidelberger Schlossbeleuchtung verblasste es doch ziemlich. Es gab nicht einmal ein richtiges Finale. Ich wette in Beijing, Hongkong oder Shanghai ist da mehr los gewesen. Aber Kunming ist trotz seiner acht Millionen Einwohner nun mal immer noch Provinz.

Eigentlich sollte ich auch gar nicht hier sein, denn ursprünglich wollte ich am Dienstag mit Thomas und Cage per Zug zum heiligen Berg Emei reisen und dort die Neujahrstage verbringen. Leider habe ich aber in der Nacht von Sonntag auf Montag plötzlich Fieber bekommen und somit hatte sich das dann erledigt. Die beiden wollten mich zwar noch überreden, von wegen wir könnten ja langsam machen und die Karten wären ja schon gekauft und das wäre ja eine einmalige Gelegenheit und ach – ich denke aber es war die richtige Entscheidung, nicht zu gehen, wenn ich sehe, wie wir momentan die Nase läuft. Da wäre ich im schlimmsten Fall mit einer Lungenentzündung oder sowas zurück gekommen. Nein, danke!

Jetzt habe ich nur das Problem, dass ich vorratstechnisch überhaupt nicht darauf vorbereitet war/bin über die Feiertage hier zu sein, ergo ernähre ich mich momentan hauptsächlich von Sandwiches und Schokolade...hoffentlich hat der Carrefour morgen wieder auf.

Aber drehen wir die Uhr noch einmal zurück, und zwar auf zwei Wochen vor Weihnachten.

Ich habe euch nämlich noch überhaupt nicht von unserem Trip nach Qujing erzählt, Cages Heimatstadt.

Am Freitag, den 10.12.10 müsste es also gewesen sein, da haben Thomas, Cage, Björn und ich den ersten Zug nach Qujing genommen. Züge in China sind immer voll, egal um welche Uhrzeit, egal wohin. Und es scheint außer auf den neueren Strecken, wie z.B. zwischen Shanghai und Hongkong, nur ältere Züge zu geben, die unseren Regionalbahnen ähneln. Heißt also: Keine Abteile, keine 'Vierer' oder 'Zweier', wo man ein bisschen für sich ist. Nur 'Sechser'...und das – Achtung, Kalauer! – nicht im Lotto. War aber interessant, wenn ich nicht gerade geschlafen habe. So wurde ich von einem des Englischen mächtigen Chinesen gefragt, warum ich denn Englisch könne. Ähm...ja, wäre die bessere Frage nicht gewesen, warum ich Chinesisch könne? Deppen gibt’s.

Nach etwa 90 Minuten waren wir auch schon in Qujing angekommen und fuhren erstmal mit dem Bus ins Zentrum. Dort spazierten wir durch einen Park mit einer fantastischen Drachenstatue (ja, ich weiß, Fotos hochladen, hab ja auch nur 13 GB...) - ich suche immer noch nach einer schönen Miniatur von einem Drachen, kann doch echt nicht so schwer sein in China...

Danach gingen wir zu Cages Haus und lernten seine Eltern kennen – und den Hund, aber der steht nicht so auf Fremde. Das geilste an der Wohnung war, dass die einen extra Raum hatten, wo ein kleiner Käfig mit einem Hahn und einer Henne drin stand.

„Die sind nicht zum Essen da, die halten wir als Haustiere“, war die Erklärung der Mutter. Die Tiere sind wohl auch extra dafür gezüchtet und relativ teuer. Was es nicht alles gibt.

Zum Mittagessen wurden wir dann von Cages Eltern zum Hot-Pot eingeladen. Vor der Tür des Restaurants stand ein Gestell, an dem rohe Rinderflanken an Haken hingen. Ich befürchtete das Schlimmste, bekam aber den bisher besten Hot-Pot serviert. Absolut mageres Fleisch, keine Knochen oder Knorpel, nicht zu scharf, nicht zu fad, perfekt.

Nach dem Mittagessen und noch etwas Tee nahmen wir uns das elterliche Auto und gingen auf Erkundungstour.

Nach etlichen Kilometern durch Neubaugebiete, kommunistische Prunkbauten und danach Feld und halb verfallene Häuser, kamen wir an einem prächtigen mittelalterlichen Tor mitsamt einem Stück Mauer an. Zuvor hatten wir auf dem Weg schon einen kleinen Palast fotografieren können.

Es stellte sich heraus, dass all das extra für einen Film gebaut worden war und nun als Touristenattraktion diente. Hinter dem Tor verbarg sich ein richtiges kleines kaiserliches Refugium, komplett mit Tempel, Schlafräumen, Regierungssitz usw. Und nichts davon war von billiger Bauweise, alles aus Stein, Holz, Eisen, komplett mit den typischen farbenfrohen Verzierungen und allem drum und dran. Es schien fast als hätten einige ein schlechtes Gewissen wegen der Zerstörungen des vergangenen Jahrhunderts bekommen und versuchten nun so Wiedergutmachung zu leisten...und nebenbei ein bisschen Geld zu machen.

Zwei Tage später sollten wir in der Innenstadt von Qujing wieder ein riesiges Tor samt Mauer zu Gesicht bekommen, welches auch erst um die Jahrtausendwende gebaut worden war.

Ich sage: Lieber in so etwas Millionen investieren als in Militär oder die eigene korrupte Tasche.

Aber zurück zur Filmstadt.

Nachdem wir genug gesehen hatten, gingen wir einige Stufen hinauf, die uns hinter die Stadt in den Wald hinein führte. Das war aber nur der Anfang, denn die nächsten ein bis eineinhalb Stunden sollten wir nur noch Treppen steigen, immer weiter den Berg hinauf – abgesehen von einem Halt an einem buddhistischen Tempel und dann an einem weiteren an der Spitze, inklusive toller Aussicht auf Qujing. Und danach das ganze dann wieder runter.

Am Ende waren wir froh, uns wieder ins Auto setzen zu können. Abends gab es ausnahmsweise mal Hot-Pot zu essen, war allerdings bei weitem nicht so gut wie der am Mittag.

Nach dem Essen suchten Thomas, Björn und ich uns eine Bleibe für die Nacht, da in Cages Wohnung nicht genug Platz für alle war.

Ich hatte mich schon auf eine Dusche gefreut, die Frau an der Rezeption des Motels meinte, sie hätten warmes Wasser. Aber selbstverständlich war das nicht der Fall, sodass ich schön versifft ins Bett musste.

Am nächsten Morgen hatten wir eine sehr leckere Nudelvariante zum Frühstück, danach fuhren wir wieder mit dem Auto zu einer etwas entfernteren Sehenswürdigkeit, dem Sandwald. Wie der Name schon vermuten lässt, ist dor alles aus Sand und/oder Sandstein. Am Anfang gab es einige von Künstlern aus aller Welt gemachten Skulpturen zu bestaunen inklusive einem Labyrinth mit Statuen der 12 Tierkreiszeichen.

Danach kamen wir in den natürlich gewachsenen Bereich des Parks, mit Felswänden, Schluchten, Höhlen (die waren natürlich nicht natürlich) und und und, alles aus Sandstein. Im Anschluss daran gab es dann noch einmal Skulpturen zu bestaunen, basierend auf Märchen, Sagen und Legenden aus aller Welt...und Harry Potter.

Zu guter Letzt bestiegen wir dann noch einen Hügel, auf dem eine entscheidende Schlacht in der Zeit der drei Reiche stattgefunden haben soll. Da sich der Weg aber immer weiter zog, beschlossen wir schließlich umzukehren, Thomas meinte, soviel gäbe es da sowieso nicht zu sehen. Auf einem kleinen Trampelpfad konnte er uns allerdings noch eine interessante Geschichte erzählen, als wir an einem Loch in der Wand vorbei kamen: Angeblich soll durch eben diesen Pfad die Armee des Kaisers marschiert sein und in jenem Loch ist ein magnetischer Stein, der die Geräusche der Soldaten aufgenommen hat. Wenn man nun einen ebenfalls magnetischen Gegenstand an diesen Stein hält, soll man nachts, wenn alles ruhig ist, die Stimmen der Vergangenheit hören können. Unbedingt nochmal hingehen und das ausprobieren!

Nach diesem lohnenden Tagesausflug kam dann das beste unseres Trips: Wir mieteten uns für die Nacht in ein Spa ein! Mit heißem Erholungsbecken, Sauna, Buffet, alles, was das Herz nach den Strapazen der vergangenen zwei Tage begehrte. Ich war mittlerweile so verschwitzt, dass ich mich gleich zweimal heiß geduscht habe.

Leider musste ich mir im Badebereich ständig nackte Chinesen ansehen, denn am Anfang sperrte man alle seine Sachen weg und bekam immer frische Spa-Klammotten nach dem Baden, Badehosen gab's aber nicht...und Gemischtbaden leider auch nicht.

War denn aber auch egal, denn Baden, Sauna und vollfressen war einfach eine unglaubliche Wohltat. Es gab sogar zweimal Abendessen, einmal um sechs und einmal um elf – und in der Vorstadt verhungern die Kinder, so muss das doch.

Die einzige Enttäuschung war, dass wir kein richtiges Bett bekamen, sondern auf improvisierten Schlafstätten auf dem Boden schlafen mussten, weil es so voll war. Offensichtlich wird man beim Einchecken nicht gefragt, ob man übernachten will oder nicht und dementsprechend kann man kein Bett reservieren. Umso bitterer war das ganze, da an jedem Bett ein Fernseher installiert war. Da hätte ich schön Bundesliga gucken können, was natürlich einer zwei Reihen vor uns gemacht hat...ich hatte den Jingle wieder erkannt.

Bis auf diesen Wermutstropfen war es aber echt der Hammer.

Am Sonntag haben wir uns dann noch besagtes Tor angesehen und einen Park. Auf dem Berg hinter diesem Park stand eine Pagode, die wir eigentlich besichtigen wollten, aber aus irgendeinem Grund hatten wir dafür keine Zeit mehr und sind stattdessen zu Cage nach Hause gegangen, wo man Björn und mir Májiàng (麻將, bei uns besser bekannt als Mahjongg) beigebracht hat.

Das hat mich etwas säuerlich gestimmt, denn die Pagode hätte ich gerne gesehen und Mahjongg hätten sie uns auch bei anderer Gelegenheit näher bringen können.

Wie dem auch sei, abends sind wir dann mit dem Zug zurück nach Kunming, was diesen Wochenendausflug zu einem Ende brachte.


Springen wir jetzt wieder zwei Wochen vor zum ersten Weihnachtstag. Davor erinnere ich mich sowieso nicht mehr an viel außer, dass wir mit Chris irgendwann nochmal in Kundu waren, weil er über Weihnachten und Neujahr nach Frankreich geflogen ist. Er meinte, er komme im Februar wieder. Hoffentlich bald, ich brauche doch meinen Wingman in Kundu. :D

Aber zurück zum Weihnachtstag.

Wie ich ja schon in meinem Eintrag von Heilig Abend erwähnte, waren Björn und ich von Cage zu einer christlichen Weihnachtsfeier eingeladen worden. Das ganze fand aber nicht etwa in einer Kirche, sondern in einem Veranstaltungsraum eines Hotels statt. Immerhin stand in einer Ecke ein (künstlicher) Weihnachtsbaum mit (kitschiger elektrischer) Beleuchtung.

Der Raum war ziemlich voll, ich würde sagen es waren an die hundert bis hundert-fünfzig Leute anwesend. Genau weiß ich es nicht mehr, da ich ziemlich weit vorne saß. Am Anfang wurden einige der „neuen Freunde“ gebeten, sich vorzustellen und zu erzählen, über wen sie hierher gefunden haben. Selbstverständlich war ich einer der Glücklichen.

Es war aber eine ganz nette Veranstaltung mit Tanz- und Theatervorführungen, gemeinsamem Singen und Beten und Bibelquiz. Erwartungsgemäß wurde auch eine Frage an die Freunde aus Deutschland gestellt: Welches ist das längste Buch der Bibel? Bibelfest wie Björn und ich sind sagten wir nach kurzer Beratung zuversichtlich Genesis uuuuuund lagen natürlich komplett falsch. Die richtige Antwort wären die Psalmen gewesen. Wusste ich natürlich, aber um den Minderwertigkeitskomplex vieler Chinesen wissend hab ich mich absichtlich dumm gestellt.

Gegen Ende wurde es dann aber unfassbar langweilig, als einer aus der Gemeinde eine ellenlange Predigt über einige Bibelverse gehalten hat. Spätestens da habe ich mich wie in der Kirche gefühlt.

Aber immerhin hatte ich was ich wollte, ein bisschen Weihnachtsatmosphäre.

So hab ich denn am Ende, obwohl ich die Frage „Glaubst du an Jesus“ mit nein beantworten musste, auch noch mein Wichtelgeschenk bekommen: ein Gehirn aus Schaumstoff, auf dem vorne 'Think' und hinten 'Abbott' draufsteht und noch eine kleinere Version als Schlüsselanhänger...grandios. Und ich hatte mir noch sau die Gedanken gemacht, was ich kaufen soll und mich schließlich für Schokolade entschieden. Naja, was soll's.

An Silvester stieg im Studentenwohnheim an der Uni eine kleine Party mit Alkohol, lauter Musik und bekloppten Vietnamesen – so, wie es sich gehört. Schön war's, der gemeinsame Countdown und eine Runde Neujahrsglückwünsche danach mit allen, die man aus der Schule so kennt.

Mit obligatorischer Trunkenheit, selbstredend:

Jonathan, seines Zeichens Peruaner: Markuuuus, ich dachte schon, du hättest mich vergessen!

Ich: Wir haben uns schon beglückwünscht. ^^

Jonathan: Echt? Aaaaach, egal! Prost! :D

Nach Mitternacht und aufräumen dann, ebenfalls obligatorisch, nach Kundu und da dick Party gemacht. Und natürlich hab ich dort auch Thomas und Cage getroffen, die haben auch nix besseres zu tun. An jenem Abend hatte ich auch endlich mal Gelegenheit ein paar Worte mit einem Japaner von meiner Schule, Masahiro-san, auszutauschen. Unfassbar, wieviel ich in so kurzer Zeit schon wieder verlernt habe. Ich habe mich in der Folge prompt zu mehr Anime und japanischer Musik verdonnert, Strafe muss sein!

So, damit wären wir zumindest schonmal im Neuen Jahr angekommen. In den nächsten Tagen kommt dann mein Ferienbericht bis zum aktuellen Stand. Das wird mindestens nochmal genauso viel, schließlich war mein werter Herr Vater mich besuchen und wir haben einiges unternommen.

3.2.11 13:39


Frohe Weihnachten!

Is mir schon wieder fast zu doof als Titel für diesen Eintrag, denn wenn man auf die myblog-Startseite geht, haben die neuesten Einträge einfach ALLE so einen Titel.

Aber ich habe ja sonst kaum weihnachtliche Freuden hier.

Bis zu 20° in der Sonne, kaum geschmückte Häuser/Läden, echte Weihnachtsbäume sowieo nicht. Aber darüber hatte ich mich ja schonmal ausgelassen.

Wenn ich wenigstens ein Keyboard oder Piano hätte, dann könnte ich zumindest ein paar Weihnachtslieder für das Minimum an Weihnachtsstimmung spielen. Die einzigen Weihnachtslieder auf meiner Festplatte sind nämlich eine Stille Nacht-Version von Manowar, 'Weihnachtslied' von Sido und 'Mr. Hanky the Christmas Poo' aus South Park - grandios.

In den letzten Tagen hat man dann doch ein paar passend dekorierte Bars, Restaurants und Geschäfte mehr gesehen, vorwiegend allerdings in der so genannten 'foreigner street'. Vor allem heute liefen dann auch viele mit roten Bommelmützen rum und überall auf den Straßen wurden 'Plastik-Bouquets' verkauft, die wie Blumensträuße aussahen, aber eben aus Plastik und Papier bestanden. Keine Ahnung was das soll, aber die verkauften sich ziemlich gut.

Auf dem Heimweg vorhin habe ich dann auch wieder eine wunderbare Demonstration der chinesischen Ignoranz gesehen: Ein paar Chinesen sind nämlich - warum auch immer - mit so leuchtenden Teufelshörnern auf dem Kopf rumgelaufen. Respektloser kann man eines der wichtigsten Feste einer fremden Religion wohl kaum begehen. Hätte nur noch gefehlt, dass sie in der Aufmachung in die Kirche gegangen wären.

Naja, ich habe den Großteil des Abends damit verbracht einem Landsmann bei einem Computerproblem zu helfen. Irgendwie hat hier kein Westler Lust, groß Weihnachten zu feiern. Gibt ja auch nicht viele Möglichkeiten.

Auf einem großen öffentlichen Platz steigt bzw. stieg heute Abend wohl eine große Party. Sprich: Viele Chinesen, die einfach nur feiern, aber keine Ahnung haben aus welchem Anlass. Ich nehme jedenfalls an, dass der Großteil nicht weiß worum es bei Weihnachten überhaupt geht.

Das wollte ich mir dann also auch nicht antun.

Björn und ich sind morgen sowieso schon zu einer Weihnachtsfeier eingeladen, so wie ich das verstanden habe bei chinesischen Christen. Da bin ich ma gespannt drauf.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen noch einmal frohe und hoffentlich nicht zu stressige Weihnachten!

24.12.10 19:46


Ick lebe noch!

Und das in doppelter Hinsicht, wie ihr sehen werdet.

Dieses Mal ist der letzte Eintrag schon fast einen Monat her. Irgendwie habe ich zur Zeit keine rechte Lust zu schreiben, und je länger ich damit warte, desto mehr muss ich natürlich schreiben und umso weniger Lust habe ich.

Aber jetzt konnte ich mich endlich mal dazu durchringen, da ich gerade in der richtigen Stimmung dafür war.

Fangen wir erst einmal mit dem Aktuellsten an:

Heute ist Donnerstag und ich war diese Woche noch überhaupt nicht in der Schule!

Am Montag weiß ich schon gar nicht mehr warum, aber jedenfalls habe ich Montagabend wie so oft in dem Restaurant an der Ecke gegessen und mal was neues ausprobiert...hätte ich vielleicht sein lassen sollen. Denn kaum hatte ich nach dem Verzehr André über ICQ noch geschildert, wie toll es doch ist, dass man sich hier für 90 Cent den Bauch vollschlagen kann, da wurde es mir auch schon komisch. So um neun Uhr herum habe ich mich dann mitsamt meinen Klamotten ins Bett gelegt, weil ich so unfassbaren Schüttelfrost hatte. Um zwei Uhr nachts bin ich dann wieder aufgestanden, weil ich es vor Herzstechen, Gliederschmerzen, etc. nicht mehr ausgehalten hatte. Am nächsten Morgen war meine erste Aktion dann der Gang aufs Klo – das erste von sechs bis sieben Malen an jenem Tag.

Hatten mich also nach fast vier Monaten China doch endlich die Salmonellen erwischt wie es scheint, und das auch noch in 'meinem' Restaurant.

Zum Glück hielt die schwere Phase mit Durchfall und Fieber nur den Dienstag an, länger hätte ich einen solch massiven Flüssigkeits- und Mineralienverlust ohne ärztliche Hilfe wohl nicht ausgleichen können.

Mittwoch ging es dann also wieder einigermaßen, bin heute aber auch noch zu Hause geblieben, da mein Schlafrhythmus die letzten Tage komplett aus den Fugen geraten ist – und sicher ist sicher. In Deutschland hätte ich mich ja auch für den Rest der Woche krank schreiben lassen.

Mittwochmittag hat Björn dann mal wieder den Vogel abgeschossen.

Am Dienstagmorgen hatte er bei mir an der Tür geklopft und gefragt „keine Schule heute?“, was ich bestätigte mit der Begründung ich wäre krank und ihn bat mir ein Brot mitzubringen. An besagtem Mittwochmittag dann trafen wir uns in der Küche das erste Mal seitdem – und er sagte nichts. Ich also „Ja, mir geht’s besser, danke der Nachfrage.“

„Dir ging's schlecht?“

„Ähm...ja? Ich hatte Salmonellen“

„Oh, übel. Wusste ich ja nicht, hab dich gestern den ganzen Tag nicht gesehen.“

Dass ich ihm das noch am Morgen zuvor gesagt hatte und vielleicht aus genau diesem Grund mein Zimmer kaum verlassen hatte/konnte (was sonst so gut wie nie der Fall ist), kam ihm natürlich nicht in den Sinn. Der Junge hat echt manchmal die Sensibilität einer Bockwurst.

So saß ich also diese Woche mehr oder weniger zwangsweise untätig 'rum – eigentlich ganz angenehm zur Abwechslung, da man sonst immer den Drang verspürt irgendwas zu unternehmen...warum eigentlich?

Hatte ich also ein bisschen Zeit zum Nachdenken...bisschen zuviel vielleicht. So vor knapp zwei Wochen, als wir mal ein paar Tage schulfrei hatten und ich nichts großartig vor hatte, packte mich nämlich zum ersten Mal seit wir hier eingezogen sind das Heimweh. Und besonders heute tat es das wieder. Die (Vor-)Weihnachtszeit macht es mir wohl auch nicht gerade leichter. Denn so sehr es einen in Deutschland nerven mag, der Trubel auf den Straßen, in den Medien, und Geschenke und pipapo, so sehr geht es mir jedenfalls hier ab. Das ist mal wieder eins von den Dingen, bei denen man erst weiß, was sie wert sind, wenn man sie (zumindest vorübergehend) nicht mehr hat.

Die geschmückten Straßen und Häuser, die Weihnachtsmärkte, der Duft von Zimt und Glühwein, das wohlige Gefühl, wenn man aus der Kälte ins warme Haus kommt, in ein von Kerzen und Lampen nur halb beleuchtetes Zimmer und einen warmen Tee mit ein paar Lebkuchen genießt.

Das mag jetzt unfassbar kitschig klingen, aber genau das ist es doch, was diese Zeit ausmacht.

Hier gibt es nichts davon, absolut nichts. Vielleicht sind ein paar Geschäfte und Restaurants ein bisschen weihnachtlich dekoriert und im Carrefour läuft Jingle Bells. Das war es dann aber auch.

Keine Weihnachtsmärkte, kein Zimt, kein Glühwein – und vor allem keine warmen Zimmer wenn man nach Hause kommt, dank fehlender eingebauter Heizung und Isolierung.

Womit ich beim zweiten Punkt dieses etwas nachdenklichen Eintrags angelangt wäre.

Ich werde oft gefragt, sei es von Chinesen oder anderen Austauschstudenten hier oder von Daheimgebliebenen, ob ich mir denn vorstellen könnte in China zu leben, auf Dauer.

Habe ich vor diesem Auslandsjahr immer gesagt „vielleicht, man weiß ja nie“, so neige ich momentan mehr zu „ich glaube eher nicht“. Mal ganz abgesehen von der Sprache, die irgendwann mit Sicherheit kein großes Problem mehr darstellen würde, glaube ich nicht, dass ich mich hier jemals wirklich 'zu Hause' fühlen könnte, wobei gerade Kunming glaube ich dafür schon relativ gute Voraussetzungen innerhalb Chinas schafft. Es fällt mir gerade ziemlich schwer, das in Worte zu fassen, da ich an vieles gleichzeitig denke und nicht weiß wo ich anfangen soll.

Meine Zweifel reichen von etwas Banalem wie der Art, wie man immer mal wieder gemustert wird auf der Straße (erwähnte ich ja schon des öfteren), bis zu so unglaublich essentiellen Dingen wie der Mentalität der Menschen. Ich habe bisher nur ganz wenige Chinesen getroffen, mit denen ich etwas gemeinsam hätte, im Gegenteil: Bei den meisten denke ich mir „mit denen willst du nichts gemeinsam haben“. Kundu mag da vielleicht kein perfektes Beispiel sein, aber gerade da denke ich es mir so oft und deswegen brauch ich nach zwei, drei Wochenenden dort hintereinander unbedingt eine Pause. Natürlich lernt man da jede Menge Leute kennen, aber die meisten haben eben so einen beschränkten Horizont, sind so vulgär, man merkt richtig, wie sie in dieser Nacht ihr ansonsten so leeres Leben zu überspielen versuchen – genau wie in einem Roman eines chinesischen Autors, den ich vor kurzem gelesen habe.

So manch ein Leser mag sich jetzt vielleicht denken „Aha, der feine Europäer meint wohl er ist was besseres“ und hat damit vielleicht gar nicht so unrecht. Ich erinnere mich an einen Erfahrungsbericht, in dem der Verfasser schrieb, dass er etwa hundert (oder waren es hunderte?) Chinesen kennen lernen musste um darunter einen guten Freund zu finden.

So falsch kann ich also gar nicht liegen.

Denn wie soll man sich auch mit jemandem anfreunden, dessen Antwortenrepertoire auf die Aussage „ich komme aus Deutschland“ nur aus stupidem Gefasel wie „Deutschland ist toll!“, „Der deutsche Fußball ist toll!“ und „Hitler ist toll/ Deutschland ist gut im Krieg führen!“ besteht? Bei den Frauen sah es bisher im Übrigen leider auch nicht sehr viel besser aus...wie denn auch? Denn wie immer möchte ich dazu anmerken, dass der Großteil der ignoranten Chinesen nicht an seiner Ignoranz Schuld ist, sondern die Bildungspolitik, die es ihnen eben nicht erlaubt intelligenter zu sein, so hart das auch klingen mag.

Das macht das ganze aber auch nicht besser. Und genau deshalb denke ich, dass ich mich hier immer wie ein Fremdkörper fühlen würde. Selbst wenn ich hier zwanzig Jahre leben würde, könnte ich keine so guten Freunde wie zu Hause finden.

Ich meine ihr kennt mich, es geht mir nun wirklich nicht darum ständig hochintelligente Gespräche führen zu können. Aber für die Witze, die man so macht und worüber man redet, da bedarf es schon einer gewissen Weltoffenheit. Das ist echt schwer in Worte zu fassen, aber ihr wisst schon, was ich meine.

Ich glaube, ich kann nun auch so ein bisschen nachvollziehen, wie sich ein Einwanderer in Deutschland fühlen muss. Es muss wirklich unglaublich schwer sein, diese Kerbe für sich zu schlagen, in der man irgendwie zurecht kommt. Ich könnte es wohl nicht, und jetzt da ich eine ungefähre Ahnung davon habe, wie das sein muss, habe ich großen Respekt vor denen, die es tatsächlich geschafft haben, sei es hier, in Deutschland oder sonst wo.

Oh, und noch was ganz wichtiges. Selbst wenn ich hier irgendwann mal wirklich eine Frau finden würde, mein/e Kind/er würde ich hier niemals zur Schule schicken. Das wäre ja noch schöner, wenn ich das System hier groß und breit verurteile und meinen Kindern dann erlauben würde, sich genau diese Scheuklappen aufsetzen zu lassen.

Hach ja, es hat jetzt unglaublich lange gedauert das zu schreiben und irgendwie ist das noch nicht alles oder nicht genau das, was ich eigentlich schreiben wollte, aber ich denke ich habe die grundlegende Message rübergebracht.

9.12.10 16:19


So nah' und doch so fern

Was lange währt wird endlich gut, sprich: Fifa ist endlich da. Hat ja auch nur zwei Wochen gedauert.

Aber die Zustellung selbst durch den Lieferdienst an mich war auch wieder lachhaft umständlich.

Letzte Woche Donnerstag (also am 4.11.) hatte ich mal wieder die Trackingnummer auf der EMS-Webseite eingegeben. Ich hatte eigentlich schon erwartet wieder keine Ergebnisse zu bekommen, aber dieses Mal spuckte die Seite tatsächlich etwas aus. Und zwar war das Paket bereits in Kunming angekommen. Ich hatte also die berechtigte Hoffnung, das Spiel am Wochenende endlich in Händen halten zu können. Wie naiv ich doch war...

Am Freitag bekam ich während des Mittagessens tatsächlich einen Anruf vom Postboten, er stünde vor meiner Tür und keiner wäre da. Ich war wie gesagt in der Stadt beim Mittagessen und konnte nicht weg, also bat ich ihn, es bei den Nachbarn zu versuchen. Dort war aber auch niemand (was sich später als Glück herausstellen sollte). Dann fragte ich ihn, ob er später nochmal kommen könnte, was er bejahte. Also machten wir zwei Uhr aus.

Um kurz nach zwei rief er dann wieder an, „Ich stehe vor Ihrer Tür, können Sie bitte auf machen?“ Also hab ich auf gemacht, es kam aber niemand hoch. Ich also Schuhe angezogen und runtergesprintet – niemand da. Ich dachte schon das dürfe doch nicht wahr sein, steht der jetzt vor dem falschen Haus oder was? Aber auch im Rest des Blocks kein Lieferant zu sehen.

Dann klingelte wieder mein Handy:

„Warum machen Sie nicht auf?“

„Ich hab aufgemacht und bin raus gekommen, Sie sind aber nicht da und stehen wohl vor dem falschen Haus!“

„Oh, hm...wissen sie wo die Basketballplätze bei Ihnen sind? Dann treffen wir uns dort.“

Doch auch dort war der Typ nicht.

Und wieder rief mich jemand an.

Dieses Mal war es eine Frau, sie fragte mich ob die Adresse denn stimme. Dann sagte sie noch etwas, was ich nicht verstand, worauf hin sie eiskalt aufgelegt hat (das machen die echt immer, die versuchen erst gar nicht einem zu helfen sie zu verstehen).

Danach rief wieder der Lieferant an, er sehe mich nicht. Er fragte mich dann auch noch einmal nach der Adresse und da klingelte es bei mir, dieses mal aber nicht das Handy: er war an der falschen Schule. Es gibt in Kunming nämlich zwei Mettalurgie-Schulen – was ich dem Versandhandel auch extra geschrieben hatte, offensichtlich aber wieder keinen interessiert hat.

Er fragte mich dann, ob ich noch Zeit hätte. Ich verstand nicht ganz ob am gleichen Tag oder am nächsten, habe es aber natürlich bejaht. Ich bin danach aber Fußball spielen gegangen, Björn und sein Sprachpartner waren ja da.

Aber natürlich hat der Lieferant sich nicht blicken lassen und auch nicht angerufen.

Abends sind Björn, Chris und ich nichtsdestotrotz gemütlich einen Trinken gegangen. Chris wollte uns natürlich wieder dazu überreden nach Kundu zu gehen, aber besonders ich war nach diesem Tag viel zu müde dafür, sodass er letztendlich alleine gegangen ist.

Am nächsten Morgen um neun ging dann wieder mein Handy, welches ich in weiser Voraussicht angelassen hatte – normalerweise mache ich es des nachts immer aus. Zu meiner Freude war es der Lieferant, er fragte noch einmal welche Schule es denn jetzt sei. Also nannte ich ihm nochmal den genauen Namen und die Straße, woraufhin er meinte, dass er das Paket im Laufe des Tages liefern würde.

Also wartete ich...und wartete und wartete.

Ich blieb extra den ganzen Tag zuhause, um den Typ auch ja nicht zu verpassen, dementsprechend mies drauf war ich, als es schon dunkel war und er mal wieder nicht auftauchte.

Sonntag dann das gleiche Spielchen. Naja, ich musste ja auch noch ein bisschen für die in den folgenden Tagen anstehenden Klausuren lernen, also hatte ich mir sowieso nichts großartig vorgenommen.

Montag hatte ich dann Hörverständnis-Klausur. War ganz ok denke ich, Ergebnis weiß ich noch nicht.

Vor der Klausur hatte ich Grammatik. Mitten im Unterricht vibrierte mein Handy – ein Anruf. Ich bin dann einfach raus und habe ihn angenommen. Eine Frau brabbelte irgendwas auf Chinesisch. Da ich den Lieferanten und somit eine Männerstimme erwartet hatte, habe ich sie beim ersten Mal nicht verstanden. Als ich sie bat sich zu wiederholen, hörte ich „Wir haben ihr Päckchen! Tun sie genau, was wir sagen und es wird ihm nichts passieren!“

Ok, den zweiten Satz hatte sie nicht gesagt, aber irgendwie hätte es gepasst. :D

Ich hatte immer noch nicht mitbekommen, mit wem genau ich da sprach, also fragte ich noch einmal nach.

„Von der Schule, an der sie wohnen.“

„Aaaah, alles klar, und wo genau?“

„Direkt neben dem Haupttor.“

Nach der Schule habe ich mich erst noch mit Simon getroffen zwecks Filme und Musik austauschen. Danach dann umgehend zum Haupttor und in das unscheinbare Häuschen daneben, was mir vorher noch nie so wirklich aufgefallen war. Ich dachte ursprünglich nämlich, dass der Lieferant das vielleicht bei den Wachen abgegeben hatte und wusste überhaupt nicht, dass es eine zentrale Annahmestelle für alle Häuser auf dem Campus gibt.

Witzigerweise kamen letztlich beide Kopien von Fifa an, die mir der Versandhandel geschickt hatte – wahrscheinlich, weil der Lieferservice das erste anhand des zweiten schließlich doch zuordnen konnte.

Auf einem der Päckchen fand ich dann noch einen vom Lieferanten darauf geschriebenen Adresszusatz, mit dem sich in Zukunft die Verwechslung mit der anderen Schule wohl vermeiden lässt.

Joa, jetzt hab ich es endlich...und es ist mal wieder voller Fehler und die Support-Foren von wütenden Käufern belagert – aber das ist eine andere Geschichte. Mir macht es bisher dennoch viel Spaß, wohl auch gerade deshalb weil es so eine Mammutaufgabe war dran zu kommen.

Was war denn sonst noch so diese Woche?

Dienstag hatte ich Konversationsklausur. Hat nur zehn Minuten gedauert, man musste ein paar Zeichen vorlesen, Fragen mündlich beantworten usw. Ich war als dritter dran und somit ziemlich schnell und früh fertig. Vorgestern gab's das Ergebnis: 86%! Ganz ok, wobei ich bei der zweiten Aufgabe nicht wirklich weiß, wo ich sieben Punkte hab liegen lassen sollen. Da diese Klausur aber nur 20% der Endnote ausmacht, hatte ich nicht wirklich das Bedürfnis die Lehrerin danach zu fragen.

Nachmittags bin ich mit Chris dann wieder Fußball spielen gegangen und konnte ihm auch endlich mal eine schöne Vorlage geben, die er eiskalt verwandelte.

Mittwoch dann die letzte Klausur, Grammatik. Wie erwartet war sie genauso aufgebaut, wie ich es schon von meiner Chinesischlehrerin in Deutschland kannte. Ewig viel Aufgaben, ewig viel zu schreiben, 120 Minuten Zeit, wobei die Lehrerin am Ende noch ein bisschen was dazu gegeben hat. Das Kuriose war, dass sie während der Klausur immer mal wieder den Raum verließ, was viele natürlich zum 'Informationsaustausch' nutzten. Ich ausnahmsweise mal nicht, da ich im Großen und Ganzen keine Probleme hatte. Bin mal gespannt, was dabei heraus kommt.

Björn hatte sich die Tage vor und während den Klausuren voll reingehängt ins Lernen. Jeden Tag saß er bis zu acht Stunden am Tisch und hat gebüffelt. Teilweise ist er morgens aufgestanden, nicht zum Unterricht gegangen und hat stattdessen gelernt. Bewundernswert, ich könnte das nicht, nach höchstens drei Stunden ist bei mir für den Rest des Tages die Konzentration verbraucht.

Bewundernswert also, aber übertrieben, wenn man bedenkt, dass die Klausuren nur 20% ausmachen. Zu seiner Verteidigung muss man allerdings sagen, dass uns das erst im Laufe der Woche erklärt wurde – gut, dass ich so oder so nie wirklich viel lerne(n muss).

Mittwochnachmittag war denn ausnahmsweise mal Fußball angesagt. Ein Tor und zwei Torvorlagen gingen auf mein Konto. Allerdings hatten wir die letzten Male dennoch keine Fortune. Wir haben zwar meistens gut gespielt, waren aber vor dem Tor zu ineffektiv und haben dann hinten irgendso ein blödes Ding rein bekommen, weil mal wieder keiner den Torwart gemacht hat. Wenn ich die Schnauze voll hatte bin ich dann hinten geblieben, und solange war es meistens auch gut, aber nach einer Weile bin ich dann auch wieder nach vorne.

Chris und ich wollen jetzt versuchen ein paar Leute zu finden, mit denen wir immer ein festes Team bilden, damit ein bisschen mehr Organisation ins Spiel kommt. Zu diesem Zweck hat er auch Björn dazu überredet mitzuspielen. Ich glaube nicht, dass er gut spielen kann, aber dann haben wir vielleicht wenigstens schon mal einen, der immer hinten bleibt.

Freitag waren wir dann nach längerer Zeit mal wieder in Kundu, aber war nicht ganz so lustig wie sonst immer. Wir waren dennoch bis morgens um sechs unterwegs, sodass wir uns beim Mäcces einen Frühstücksburger genehmigen konnten. War das erste Mal, dass ich einen McEgg gegessen habe, war aber echt nicht schlecht.

Heute war dann also nix los, bin erst um vier aufgestanden.

Morgen ist wohl wieder Fußball angesagt.

13.11.10 17:12


Ohne Moos nix los

Wird mal wieder Zeit für einen Eintrag. Wollte eigentlich schon am Montag einen neuen hochladen...

Was ist denn so passiert in der letzten Woche?

Es ist schlagartig kalt geworden. Die letzten paar Tage ging es wieder, aber während der vergangenen Woche hat es ständig geregnet, es war windig und die Temperaturen haben sich der Null angenähert – von wegen Stadt des ewigen Frühlings.

Was das ganze noch schlimmer macht ist, dass es hier wirklich nirgends eingebaute Heizungen gibt. Nicht in unserer Wohnung, nicht in der Schule, nirgends. Es saßen nahezu alle mit Jacke im Unterricht, gefroren hat man trotzdem wie so ein Junkie auf Entzug.

In der Wohnung ist es auch nicht besser, denn aus irgendeinem Grund ist es in Kunming drinnen meist kälter als draußen. Und da ich in meinem Zimmer sowieso schon nicht wirklich viel Sonne habe, bringt dann auch 'ne Stoffjacke oder ein Sweatshirt irgendwann nichts mehr. Vor allem meine Hände waren ständig kalt.

Da ich es nicht mehr ausgehalten habe, habe ich mir letzten Mittwoch dann einen kleinen elektrischen Heizofen gekauft. Hier bin ich mit meinem relativ kleinen Zimmer wiederum im Vorteil, da es ziemlich schnell aufheizt.

Björn meinte zunächst natürlich mal wieder er brauche sowas nicht, so kalt wäre es doch gar nicht, und außerdem verbrauche das Ding ja soviel Strom. Natürlich verbraucht es viel Strom, 1300 Watt, aber man kann es ja nicht ändern, irgendwie muss man nun einmal heizen, wenn man nicht erfrieren will. Hätten wir eine Gas- oder Ölheizung müssten wir dafür auch einiges blechen.

Der Typ regt mich manchmal echt auf, das ist unfassbar. Unfassbar groß war denn auch meine Genugtuung, als er ein paar Tage später meinte, dass so eine kleine Heizung vielleicht doch gar keine so schlechte Idee sei. Gestern hat er mich dann aber wiederum gefragt, ob ich die die ganze Zeit laufen ließe, und er wäre ja mal auf die Stromrechnung gespannt.

Irgendwann ist es soweit, irgendwann zieh' ich dem was über den Schädel. Ich glaub in Zukunft lasse ich die Heizung erst recht laufen, und zwar so lange, bis ich es vor Wärme nicht mehr aushalte.

Noch ein Punkt, warum ich Björn einfach nicht mag: Er ist in meinen Augen ein Besserwisser und Schwätzer. Ständig widerspricht er allen, immer hat er eine andere Meinung. Und jedes Mal wird es eingeleitet mit „Ganz ehrlich? Ich glaube...“, „Äh, ich weiß nicht, ich denke...“; auf Englisch genauso „I don't know...“. Und das ganze immer im gleichen Tonfall.

Die Krönung war, als er einmal steif und fest behauptet hat, Beethoven sei Holländer gewesen, von wegen bei Mozart meinten ja auch viele fälschlicherweise er sei Deutscher. Ich sagte noch „Nein Mann, der wurde definitiv in Bonn geboren“ und als dann kurz darauf unabhängig von unserem Disput Thomas auch auf Beethoven zu sprechen kam und meinte, dass er aus Bonn kommt, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, Björn dafür auszulachen, dass ein Chinese so eine bedeutende deutsche Persönlichkeit besser kannte als er. Leider hatte Thomas dann 'Für Elise' als Mondscheinsonate bezeichnet...ich bin von Stümpern umgeben.

So, das musste mal raus, jetzt geht’s mir besser.

Apropos Thomas, der Mann ist eigentlich ganz erträglich, wenn man sich mit ihm nicht gerade über politische oder wirtschaftliche Themen unterhält, sodass wieder sein von der Regierung korrumpierter Charakter zutage tritt. Immerhin hat er mir einen hier ansässigen Deutschen empfohlen, der eine Bar betreibt und mir Weizenbiergläser verkaufen kann. Passend dazu habe ich auch direkt neben der Uni einen kleinen Laden gefunden, der Erdinger verkauft. Kostet zwar umgerechnet knapp drei Euro pro Flasche, aber da ich hier sonst so billig lebe geht das schon. Und in den Clubs/Bars bezahlt man dafür sowieso noch mehr.

Fifa ist stand heute immer noch nicht da. Langsam hab ich echt keine Lust mehr. Ich hatte dem Versandhandel ja eine Mail geschrieben, darauf meinten die sie prüfen das. Als es letzten Donnerstag dann immer noch keine Neuigkeiten gab, habe ich nochmal eine Mail geschrieben, dieses Mal etwas energischer. Dann kam die Antwort, dass es ihnen sehr Leid täte und sie entschieden hätten, mir das Spiel noch einmal zuzuschicken. Und das beste kam dann in einem Nebensatz, so als wäre es gar nicht so wichtig. Sie baten mich, ihnen meine Adresse in Englisch zuzuschicken, da FedEx nicht mit chinesischen arbeiten könne.

Ich dachte ich werd' nicht mehr, wir sind in China, ich bestelle bei einer in Hongkong ansässigen Firma und die brauchen eine englische Adresse? Und warum hat mir das dann keiner gesagt? Ein kurzer Hinweis während des Bestellvorgangs und alles wäre paletti.

Ich kann es nur nochmal wiederholen: Ich bin von Stümpern umgeben.

Aber wie gesagt, am Montag wurde es dann wieder abgeschickt und bis heute ist es nicht da. Ich glaub auch nicht mehr dran. Ich weiß zwar nicht, wie die sich hier anhand einer englischen Adresse zurecht finden wollen, aber andererseits wird es ja wohl kaum das erste Paket sein, dass die zustellen. Mann, Mann, Mann.

So, was ist denn sonst noch so passiert?

Ach ja, wir haben seit Montag einen dritten Mitbewohner.

Sein Name ist Tim, er kommt aus den Staaten und hat einen Doktor in Philosophie. Er ist dementsprechend auch schon etwas älter als wir. Genau weiß ich es nicht, aber ich schätze mal Mitte bis Ende dreißig – vom Aussehen her eher Ende dreißig bis Anfang vierzig. :D

Aber er ist ok, man kann sich mit ihm gut unterhalten. Er sucht hier eine Stelle als Englischlehrer und will ein Buch über irgendeinen Philosophen oder eine Theorie schreiben und hofft dafür hier Material sammeln zu können...oder so. Leider steht er nicht auf Fußball, sondern Basketball. Oh well, nobody is perfect. Immerhin hat er die WM geguckt.

Witzig ist, dass er schon eine ganze Weile in China verbracht hat aber kaum Chinesisch spricht. Also wird er mir auch keine Hilfe bei kommenden Gesprächen mit Professor Chang sein.

Wo wir grade beim Professor sind: Der Spaten wollte monatlich 200 Kuai mehr (ca. 20 Euro), wenn Tim einzieht. Von wegen ursprünglich sollten nur Björn und ich hier wohnen und wenn es dann irgendwelche Probleme gäbe wäre er dafür nicht verantwortlich. So ein Schwachsinn, wir hatten von Anfang an klar gemacht, dass wir noch jemanden suchen würden, und einen Vertrag haben wir ja auch – das ist in China allerdings nicht allzu viel wert wie man sieht. Chinesen sind wirklich unfassbar dreist und hinterlistig, wenn es ums Geld geht. 20 Euro sind ja für uns nicht viel, für chinesische Verhältnisse aber schon, für uns ging es also eher ums Prinzip.

Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass wir 100 mehr bezahlen und dafür bei unserer Abreise Router und Modem hier lassen, was wir ja sowieso vor hatten. Wir glauben übrigens, dass seine Frau hinter dieser Raffgier steckt, die hat nämlich die Hosen in der Beziehung an und er scheint nicht der Typ für solche niederen Spielchen zu sein.

Hatte ich eigentlich schon erzählt, dass wir vor Wochen schon einmal einen dritten Mitbewohner so gut wie sicher hatten? Er nannte sich KB und kam aus Botswana. Wir verstanden uns auf Anhieb super, er war Fußballfan und spielte auch schon von klein auf Videospiele. Es hätte alles gepasst, er wollte das Zimmer unbedingt. Nur leider war Professor Chang dagegen. Er argumentierte damit, dass es besser wäre, wenn wir nur zu zweit hier wohnen würden, da könnten wir uns ja besser ausruhen und würden die Nachbarn nicht stören – eigentlich eine Unverschämtheit, im Gegensatz zu den Nachbarn sind wir Leisetreter. Aber damit wollte der Professor wohl nur durch die Blume sagen, dass er ein Rassist ist und Schwarze nicht billigt. Ein weiteres Armutszeugnis für China, wobei sowas bei uns genauso passieren kann.

Doch nun zu etwas völlig anderem.

Nächste Woche sind Klausuren, sogenannte 'midterm tests'. Meine Motivation ist indes auf einem neuen Tiefpunkt, heute und gestern war ich nicht im Unterricht. Im Moment wiederholen wir die anfänglichen Lektionen, was für mich persönlich stinklangweilig ist, vor zwei, drei Jahren schon gelernt hatte. Zur Zeit scheint aber allgemein die Unlust umzugehen. Normalerweise sind wir 18 Leute in Grammatik, am Montag waren wir aber nur zehn und Dienstag grandiose sieben. Muss wohl am Wetter liegen.

Dafür war ich vorgestern beim Fußball extrem gut drauf. Chris und ich waren die einzigen Westler dieses Mal, und ich denke wir haben Europa ganz gut vertreten. Ich habe zwei Tore nach jeweils mustergültiger Vorlage von Chris gemacht und einmal noch Pech gehabt und nur den Pfosten getroffen. Gegen Ende war es dann nicht mehr so erfolgreich, hauptsächlich weil unsere anfängliche Mannschaft nach Hause ging und unsere neue nicht sehr lauf-freudig war. Ich musste ständig hin und her rennen, weil die meisten ihre Position nicht hielten und besonders in der Abwehr Löcher rissen. Hinzu kam, dass die Mannschaften einfach total unausgeglichen waren, die anderen waren klar besser. Leider waren die auch fast alle vom Typ „wir sind gut und wir lassen es auch raus hängen“, komplett mit Stutzen, Hackentricks und blödem Kichern bei nahezu jeder Aktion. Wieso nur gibt es überall solche Spieler?

Zum Schluss mal wieder etwas zum Essen. Ich werde oft von euch gefragt, ob und was ich hier schon so an exotischen Gerichten gegessen habe. Darauf weiß ich oft nicht, was genau ich antworten soll. Das liegt zum Einen daran, dass oftmals nicht die Gerichte als Ganzes außergewöhnlich sind, sondern vielmehr einzelne Zutaten, oder die Art wie es zubereitet wird. Zum anderen weiß ich so manches Mal auch einfach nicht genau, wie die Zutaten heißen.

So ist das Fleisch hier zum Beispiel meistens nicht so durch wie bei uns, was aber oft gar nicht so auffällt, da die Stücke sowieso recht klein sind. Schließlich muss man sie ja mit Stäbchen essen können. Eine sehr spezielle Art von Fleisch hier ist huiguorou (回锅肉, 'in den Topf zurückkehrendes Fleisch'), was eigentlich mehr aus Fett als Fleisch besteht, dafür aber eine sehr leckere Kruste hat. Also in etwa wie Krustenbraten, aber doch anders.

Am Montag war ich mit ein paar Mitschülern vegetarisch essen...oder sogar veganisch, Simon, ein weiterer Deutscher, ist nämlich Veganer, was in China gar nicht so leicht ist. Wir hatten eine Schüssel voll mit allerlei Gemüsezeugs, Tofu und Glasnudeln, dazu noch Kartoffelscheiben mit so einer Art süß-scharfem Ketchup und einer sehr scharfen Soße in einem extra Schälchen zum Tunken. Dafür, dass kein Fleisch drin war, war es doch ganz lecker. Eine Zutat kann ich hierbei als besonders exotisch hervor heben, und zwar die Lotoswurzel(klicken für Bild!), von der Konsistenz her in etwa wie eine ungekochte Kartoffel und ohne starken Eigengeschmack, man sollte sie also mit Soße essen.

Das war's für heute. Ich muss endlich mal Fotos hochladen, im Moment bin ich dabei, einige zu verkleinern, damit es nicht so lange dauert die hochzuladen. Vielleicht schaffe ich es ja am Wochenende.

4.11.10 10:16


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